Nach dem Hitzesommer zieht nun schleichend der Herbst ins Land

Es war der zweitwärmste Sommer seit Messbeginn im Jahre 1864. Jetzt geht der rekordverdächtige Sommer langsam dem Ende zu.

Gemäss dem Kalender beginnt der Herbst am 1. September. Auch wenn das Wetter wie so häufig keine Rücksicht auf den Kalender nimmt, so scheint der aktuelle Wettercharakter durchaus etwas herbstlicher als die letzten Wochen.

Der meteorologische Herbstanfang ist vor allem für die «Buchhaltung» respektive die Klimatologie wichtig. Für das eigentliche Wetter und die Prozesse in der Atmosphäre ist der astronomische Herbstanfang zur Tag-und-Nacht-Gleiche (dieses Jahr am 23. September) deutlich wichtiger.

Da der astronomische Herbstanfang jedoch nicht immer auf den gleichen Kalendertag fällt, ist dieses Datum für die Bildung von Monats- oder Jahreszeiten-Durchschnitten, die in der Klimatologie sehr wichtig sind, nicht gut geeignet. Für dieses «Abrechnen» ist es deutlich praktischer, wenn der Stichtag auf den ersten Tag eines Monats fällt, weshalb der meteorologische Herbstanfang auf den 1. September gesetzt wurde. Mit diesem Tag geht dieses Jahr ein aussergewöhnlicher Sommer zu Ende. Es war der zweitwärmste Sommer seit Messbeginn im Jahre 1864, es gab mehrere Hitzewellen und dies bereits sehr früh im Jahr, die Nullgradgrenze erreichte mit 5184 m ü. M. eine neue Rekordhöhe (seit 1954) und es gab vielerorts auch neue Rekorde bei den Höchsttemperaturen oder der Anzahl an Hitzetagen.

Auch die Sonnenscheindauer erreichte neue Rekorde und schlussendlich war auch die Trockenheit extrem – wobei hier vor allem der Monat Juli zu Buche schlug, im Juni waren die Niederschlagsmengen hingegen eher durchschnittlich oder sogar leicht überdurchschnittlich. Die starke Sonneneinstrahlung resultierte jedoch in einer ausgesprochen starken Verdunstung, welche durch die häufige Bise noch verstärkt wurde. Dadurch trockneten die Böden im Juli sehr schnell aus.

Der Westwind erstarkt

Obwohl der Wettercharakter ansonsten mit viel Sonne und teils kräftigen Gewittern auch Ende August noch stark sommerlich geprägt war, so konnte man doch eine schleichende, langsame Tendenz in Richtung Herbst beobachten. Mit dem Sommerende erstarkt langsam die Westwindzirkulation auf der Nordhalbkugel und damit gewinnt in der Regel der Atlantik an Einfluss auf das Wettergeschehen im Alpenraum.

Der Atlantik hingegen gerät im September in die aktivste Phase der Saison von tropischen Wirbelstürmen. Diese sind zumindest indirekt im Herbst auch häufig in der Schweiz wetterwirksam – sei es indem sie kräftige Hochdruckgebiete mit warmer, subtropischer Luft aufwerfen, die uns beispielsweise den Altweibersommer bringen können, oder indem sie als Tiefdruckgebiete direkt für windiges und regnerisches Wetter sorgen.

Die Effekte entschärfen sich

Da aber grundsätzlich die Dynamik in der atmosphärischen Zirkulation im Herbst zunimmt, dürften sich die Rückkoppelungseffekte, die durch die extreme Trockenheit vor allem im Sommer oft zu beobachten sind, nun langsam entschärfen. Ob sich dadurch die Wasserbilanz auch erholt, ist hingegen vor allem davon abhängig, ob sich auch im Herbst Hochdruckgebiete aufbauen oder sich die Westwindzirkulation durchsetzt.

Da viele Prognosemodelle davon ausgehen, dass die Aktivität von tropischen Wirbelstürmen diesen Herbst eher etwas geringer als normal ausfallen dürfte, könnte dies in der Folge für Mitteleuropa bedeuten, dass «durchschnittliches» Herbstwetter ohne lange Hochdruckphasen wahrscheinlich ist. Dieselben Modelle deuten jedoch auch für Mitte September einen eher überdurchschnittlich hohen Luftdruck über Mitteleuropa an. In welche Richtung sich dieser Widerspruch nun auflösen wird, wird sich erst im Laufe der nächsten Wochen zeigen.

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