Jahrhunderte sind vergangen, den Berg hinauf und hinunter

Der unter anderem in Schangnau und Visperterminen ansässige Fotograf und Weltenbummler Pinaki berichtet alle zwei Wochen aus seinem farbigen Leben – mit schwarzweiss-Bildern. Heute über Marie.

Es ist 11 Uhr morgens, und Marie, 88 Jahre alt, und ich trinken aus einer riesigen Flasche mit 28 Jahre altem, selbstgebranntem Schnaps. Das ist «Maar», hergestellt aus Trauben aus dem höchsten Weinberg Europas.

Marie ist in Visperterminen aufgewachsen und lebte wie alle anderen ein Nomadenleben, wechselte von einer Bergsiedlung zur anderen und zog mit ihren Tieren im Rhythmus der Jahreszeiten um. Marie und die anderen Frauen waren die Hirten und arbeiteten auch in den kleinen Gärten an den Hängen. «Und zwischen all dieser Arbeit hatten wir auch noch Kinder!»

Der Tag begann mit einem Frühstück aus Mais, der mit Milch und Wasser gekocht und dann in einer Pfanne in Butter gebraten wurde. Dann flocht Marie ihrer Tochter die Haare, liess die Kinder zurück und ging in den Stall, wo zweiKühe und zwei Kälber standen. Wenn die Tiere den Sommer über auf der Alp waren, hatte sie eine Ziege für die Milch.

Und hier sind wir nun, nach all diesen Jahren. Und all diese Alpen haben sich in Dörfer verwandelt, und statt Polenta gibt es Brot aus dem Volg. Aber zum Glück gibt's noch Maries Schnaps. Der, sagt sie, wird mit der Zeit immer besser. «Bis zu dem Moment, wo wir ihn austrinken!»

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