Im Spital Liestal gibts Erstklasse-Medizin von mustergültiger Ärzteschaft

Das Kantonsspital wirbt für den Geschmack eines Paares mit zu grossen Worten. Damit sind sie aber bei Kolumnistin Benildis Bentolila an die Falsche geraten.

Mein Mann und ich zeigten einem befreundeten Paar aus der Ostschweiz unser schönes Oberbaselbiet. Wir fuhren an einem Weltformatplakat vorbei. «Bei uns dürfen Sie allgemein Erstklassiges erwarten», stand dort drauf. Unterzeichnet: «Kantonsspital Baselland – genau für Sie.» Unsere Besucher mokierten sich über die Aussage: «Ihr seid auch recht eingebildet!» Ui, da waren sie an die Falsche geraten. Wortreich und überzeugend – wer mich kennt, kann es sich vorstellen – verteidigte ich unsere Spitäler. Schliesslich hatte ich kürzlich in der BauernZeitung ein Loblied auf das Spitalpersonal geschrieben. Die Reaktion auf dieses mein Hühnergegacker war überwältigend. Das Spital publizierte meinen Brief ohne mein Wissen im Intranet für die Mitarbeiter(innen). Ich erhielt nicht nur Antworten von Personalangehörigen, die direkt in die Pflege meines Mannes involviert waren, sondern auch von uns unbekannten Personen. Fast alle Reaktionen waren positiv. Jene, die nicht einverstanden waren, konnten wir an einer Hand abzählen.

Die Privatversicherung liegt nicht mehr drin

Weitere Aussagen der zurzeit laufenden Werbekampagne lauten: «Weltklasse-Medizin «vo Schönebuech bis Ammel …» (Dies ist der Anfang des Baselbieter Liedes) und: «Öffentlich kann sich so privat anfühlen». Auch hier pflichten wir bei. Als wir beide noch im Erwerbsleben waren, konnten wir uns als Ergänzung zur obligatorischen Krankenversicherung den Zusatz für persönliche Deckungswünsche wie Medikamente, ausserkantonale Behandlungen, Transporte, bevorzugte Spitalabteilung, freie Arztwahl und weitere Entschädigungen noch leisten. Mit zunehmendem Alter, das mit zunehmenden Krankheiten einhergeht, waren die stets höheren Prämien für «1. Klasse», wie es der Volksmund nennt, für uns nicht mehr tragbar, und wir sind jetzt nur noch grundversichert. Darauf verlieren wir keine Gedanken mehr.

Die Ärzteschaft ist geduldig

Denn wir fühlen uns stationär und ambulant ohne Extras bestens aufgehoben. Die Ärzteschaft behandelt uns erstklassig, mustergültig. Besonders schätzen wir, dass wir nie das Gefühl haben, Ärztinnen und Ärzte würden uns ältere Personen von oben herab betrachten. So im Sinne: «Versteht der gute Mann das noch nicht?» Unsere Fragen, auch wenn mehrmals gestellt, werden geduldig beantwortet. Niemand schickt taktlose Blicke zur Decke, möglichst begleitet von einem ungeduldigen Seufzer, wenn wir etwas nicht verstehen. Eben – Weltklasse bei uns in Baselland!

Geld allein reicht nicht aus

Zurzeit hören und lesen wir viel über die medizinische Versorgung in anderen Ecken der Welt. Wenn ich Bilder anschaue, wo Kranke in riesigen Sälen untergebracht sind, wo die Hygiene zu wünschen übrig lässt, wo das knappe Personal nicht nachkommt mit der Pflege an Leib und Seele, frage ich mich, weshalb gerade ich so viel Glück habe. Das Glück, in einem Land geboren zu sein, wo wir medizinisch gut versorgt werden. Wo wir eine Telefonnummer wählen – und schon holen uns freundliche Berufsleute und bringen uns zu den nächsten liebenswürdigen Fachleuten. Es ist nicht mein Verdienst, dass mir dieser Trumpf zuteil wird. Jenen, die sagen, die hiesige gute Pflege sei nicht mehr als recht, weil wir entsprechend dafür bezahlen würden, rufe ich in Erinnerung: Es braucht nicht nur das Geld, sondern ebenso die gut ausgebildeten und liebenswerten Spitalangestellten.

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