Im vergangenen Jahr schneite es am Ostermarkt, dieses Jahr fegten Sturmböen über das Gelände. Trotzdem spazierten viele Menschen den Ständen entlang und erholten sich danach in der Festwirtschaft. Nein, vom Wetterglück sind die Schlossrueder Landfrauen nicht abhängig: «Sie kommen von weit her, vom Bernbiet bis zum Bodensee», erzählt die Ortspräsidentin Ruth Bolliger.
Marktfahrer kommen auf die Warteliste
Ostern beschäftigt sie und die Schlossrueder Landfrauen schon im Winter, wenn sie für ihren Markt basteln und organisieren.
Seine Geschichte begann vor gut 20 Jahren mit ein paar Ständen zur Feier des Dorfjubiläums. Den Landfrauen gefiel die Sache und sie führten den Markt weiter. Er wurde immer grösser, Anfragen von Standbetreibern kamen von selbst, heute wird für die 50 Stände rund um die Mehrzweckhalle eine Warteliste geführt. Der überschaubare und stimmungsvolle Ostermarkt jeweils zwei Wochen vor dem hohen Feiertag ist für Aussteller und Gäste attraktiv.
Essen verkauft sich gut
Mit Massenware muss keiner kommen, gefragt sind regionale, meist handgefertigte Produkte. «Esswaren laufen immer», kommentiert Ruth Bolliger das Angebot, im Trend seien auch selbst genähte und gestrickte Baby- und Puppenkleider.

Und natürlich der Klassiker: die Blumengestecke der Schlossrueder Landfrauen. Die Marktstände sind umgeben von frühlingshafter Blumendekoration, der Ostermarkt unter der Führung der gelernten Gärtnerin Ruth Bolliger verdient seinen Namen bei jedem Wetter. Viele Naturmaterialien stecken in den Gestecken und Dekorationen. Die Schlossruederinnen wissen, dass sie den Rückschnitt von Sträuchern bei der Turnhalle abladen können, daraus entstehen kunstvolle Objekte.
160 Eier werden traditionell gefärbt

Bekannt sind auch die Ruedertaler Ostereier. 160 Stück färben die Landfrauen jeweils für den Markt, auf traditionelle Art mit Zwiebelschalen oder Rotkraut und Gräsern. Eine Hüterin der Ostereiertradition ist Lilli Müller. Bevor die Eier in den Sud kommen, büschelt die 93-Jährige die Blättchen mit einer Nadel, bis jedes perfekt sitzt.
Nach dem Kochen werden sie mit einer Speckschwarte zum Glänzen gebracht. «Mit Osterkraut werden die Eier am schönsten», findet die Senior-Bäuerin, die ihr ganzes Leben im Ruedertal verbracht und 1954 mitgeholfen hat, den Verein der Schlossrueder Landfrauen zu gründen. Sie führten viele Kurse durch; Gartenbau, Kochen, Kleider flicken. Und Hemdkragen wechseln – sie schmunzelt selber beim Gedanken daran. Auch Vorträge habe es gegeben, da hätten die Frauen jeweils ihr Strickzeug mitgenommen, um nicht nur herumzusitzen.
Geschäftig sind die Frauen aus dem Tal bis heute. Von den rund 50 Mitgliedern des Landfrauenvereins Schlossrued stehen fast alle für den Markt im Einsatz. Der Einsatzplan wird ohne vorgängige Absprache mit den Helferinnen gemacht. «Alle arbeiten sehr selbstständig. Sie wissen, was zu tun ist», erklärt Ruth Bolliger.

Und nicht nur die Frauen: Die Ehemänner holen die Marktstände mit Traktoren und Anhängern aus dem Nachbartal; die Männerriege erledigt den Auf- und Abbau; die Feuerwehr regelt das Parking. Das Brotbacken haben die Schlossrueder Landfrauen mittlerweile den Schmiedruederinnen übergeben, um sich zu entlasten. «Am Anfang waren wir halt zwanzig Jahre jünger», kommentiert Ruth Bolliger.
Einige Tausend Franken Reingewinn bringt der Ostermarkt jeweils ein – aber nur, weil die Frauen gratis arbeiten. Sie bezahlen dafür keinen Vereinsmitgliederbeitrag und die Vereinskasse leistet einen grosszügigen Beitrag an die jährliche Reise. Und wenn der Markt vorbei ist, können die Landfrauen die Dekoration mit nach Hause nehmen. Jedenfalls scheint der arbeitsintensive Grossanlass neue Vereinsmitglieder nicht abzuschrecken. Für den Vorstand hätten sich neue, motivierte junge Frauen gefunden, erzählt Ruth Bolliger. Sie möchte ihr Amt als Präsidentin nächstes Jahr abgeben, dafür steht allerdings noch niemand in der Warteschlaufe.
Vielseitiger Alltag von Ruth Bolliger
Familie Bolliger führt einen Landwirtschaftsbetrieb mit Mutterkühen in Schlossrued. Im Alltag ist Ruth Bolliger Bäuerin und sozialpädagogische Mitarbeiterin bei der Stiftung Schürmatt in einem 60-Prozent-Pensum. Sie nimmt vor dem Ostermarkt jeweils eine Woche Ferien, um sich den Vorbereitungen zu widmen.

Wenn es dann so weit ist und sie einen Blick aus dem Fenster der Turnhalle über das belebte Gelände wirft, ist ihr die arbeitsreiche vergangene Woche nicht anzumerken. «Ich habe Freude und bin stolz, was unser Verein auf die Beine gestellt hat.»

