Dank der Blumenpracht auf dem Rosenhof wird auch ein trister Novembermorgen etwas bunter. Nomen est omen: Denn noch zu dieser Jahreszeit blüht es auf dem Rosenhof. Natürlich sind die 130 Rosenstöcke, vorwiegend Edelrosen und Kletterrosen, schon geschnitten und für die Winterruhe vorbereitet.
«Die Arbeit und die Pflege der Rosen bedeutet für mich etwas
Meditatives: Man lockert den Boden, schneidet Altes und Verdorrtes hinaus, damit junge, kräftige Triebe nachwachsen können», sinniert Gabriela Peter während des Gesprächs im gemütlichen Wohnzimmer.
Auf dem Salontisch liegen Bücher von Nelson Mandela, Martin Suter und ihr Andachtsbuch, das sie täglich liest. Rund um den langen Esstisch reihen sich zehn Stühle. Dahinter steht ein Klavier, sind Flöten, Klarinette, Gitarre und ein Djembé zu sehen. «Wir sind eine ausgesprochen musikalische Familie, die viel und gerne zusammen singt und musiziert», erklärt Gabriela Peter. Die Primarlehrerin ist in der Stadt Zürich aufgewachsen und wurde von Pfarrer Ernst Sieber konfirmiert. «Er hat mir sehr viel auf meinem Weg mitgegeben und sagte einmal: Mach es wie der Kopfsalat! Er trägt das Herz im Kopf.»
Liebe auf den ersten Blick
«Damals hätte ich mir alles vorstellen können, ausser Bäuerin zu werden», erzählt Gabriela Peter und schmunzelt. Wieder einmal war es die Liebe und zwar auf den ersten Blick, welche doch dazu geführt hat.
Nun ist sie diplomierte Bäuerin und hat mit ihrem Mann Heini sechs Kinder und einen Bauernhof. Sie bewirtschaften einen 28-Hektaren-Betrieb mit Milchwirtschaft und Ackerbau. Neben Kühen und Kälbern bevölkern Enten, Hühner, ein Hund und Katzen den lebhaften Familienbetrieb in Thunstetten BE. Diverse Produkte wie Fleisch, Kartoffeln und Eier werden direkt ab Hof verkauft. «Es kommen oft Leute, um Milch zu holen und freuen sich über einen Schwatz mit meinem Mann. Wir haben einen offenen Hof und pflegen die Gastfreundschaft. Beispielsweise spielte die Band «Schweizer Powern» während ihrer diesjährigen Hoftour in unserem Tenn», sagt die 54-Jährige.
«Während 28 Jahren haben wir mit den Schwiegereltern zusammengewohnt. Sie waren uns eine wertvolle Unterstützung und den sechs Kindern liebevolle Grosseltern», betont die Bäuerin. Das habe gegenseitige Toleranz und Rücksicht erfordert, bedeutete aber für beide Seiten eine Bereicherung. Natürlich gab es auch Spannungen; aber verbunden durch Gemeinsamkeiten wie die Freude an den Kindern und an der Landwirtschaft habe man sich immer wieder gefunden.
27 Lehrtöchter zur Fachfrau Hauswirtschaft ausgebildet
«Bis heute liegt mir die Ausbildung von Lehrtöchtern sehr am Herzen. Als Lehrerin hatte und habe ich immer Freude am Wissenvermitteln, Motivieren und andere zu begeistern», sagt Gabriela Peter, die inzwischen 27 Lehrtöchter zur Fachfrau Hauswirtschaft ausgebildet hat. «Gemeinsam mit einer meiner Töchter habe ich ein Kochbüchlein herausgegeben.»
Als Allrounderin führt sie auch die Buchhaltung, verrichtet saisonale Arbeiten und fährt schon mal mit dem Traktor. Um all die Aktivitäten zu bewältigen, schafft sie sich immer wieder kleine Inseln zum Abschalten und Auftanken. Das kann ein Saunabesuch sein, ihre wöchentliche Pilatesstunde oder ein gutes Buch lesen.
Teilzeitstudium in Theologie
Trotz ihrer schier unermüdlichen Energie strahlt sie innere Ruhe und Zufriedenheit aus. «Ich, wir alle, schöpfen aus dem Glauben viel Kraft und Halt. Das steht im Mittelpunkt unseres Lebens. Wir wollen den Glauben attraktiv leben», sagt Gabriela Peter, die zurzeit in Aarau ein Teilzeitstudium in Theologie absolviert. «Selber wieder lernen, der Kontakt zu den Studenten und in der Familie darüber
diskutieren ist sehr wertvoll», erklärt Gabriela Peter.
Alle ihre erwachsenen Kinder haben ein Studium absolviert. Das war mit ein Grund, dass sie an der Unterstufe in Langenthal ein Teilpensum in Zeichnen, Werken und Flöten, angenommen hat.
«Wir wissen noch nicht, ob eines unserer Kinder den Betrieb einst weiterführen wird. Sie sollen ihren eigenen Lebensweg gehen», betont die sechsfache Mutter, die inzwischen erstmals Grossmutter geworden ist. «Wir hatten uns
immer eine grosse Familie gewünscht und 13 Jahre nach unseren Zwillingen mit Nesthäkchen Jonas ein weiteres Wunschkind bekommen», sagt Gabriela Peter, die sich als eine spontane «Ja, das machen wir Frau» bezeichnet. «Das Schöne auf dem Bauernhof ist, dass Familie, Arbeit und Hobby ineinander greifen – das gibt einen guten Boden.»
Brigitte Meier

