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«Entweder die Kühe haben Wasser oder wir»

Die kontinuierliche Wasserversorgung der Kühe und der Menschen bedarf bei Familie Ruckstuhl etwas Geschick und Geduld. Eis und Kälte machen die Situation nicht einfacher.

Die Resultate der Futterproben kamen zurück wir haben es mit eher minderwertigem Heu zu tun. Der durchschnittliche Proteingehalt liegt bei nur acht bis neun Prozent und der Energiegehalt ist auch ungenügend. Daher versuchen wir nun herauszufinden, was wir am besten bei der Fütterung wie ergänzen.

Die Verfügbarkeit ist entscheidend

Die Optionen sind zum einen Getreidewürfel, welche lange transportiert werden müssen und eher auf der teureren Seite liegen, oder Getreide, bei dem jedoch die Verfügbarkeit noch abgeklärt werden muss. Markus verbringt also relativ viel Zeit damit, herumzutelefonieren und nach Erhältlichkeit und Preisen zu fragen.

Wenn man neu an einem Ort anfängt und erst einmal ein Netzwerk aufbauen muss und dazu noch herausfinden muss, wer was weiss, dann kostet das viel Zeit. Es sieht nun danach aus, dass wir von einem benachbarten Farmer Hafer kaufen können.

Probleme als Herausforderungen sehen

Damit kommt aber die nächste Herausforderung: Wo und wie lagern wir den Hafer und wie füttern wir ihn mit minimalem Verlust? Es ist zwar hilfreich, vom Hauptbetrieb ein anständiges Budget zu haben, aber es muss doch alles organisiert werden, und vorläufig sind nur Markus und ich hier.

Der Plan ist, mindestens einen weiteren Angestellten hier oben zu haben. Aber ob und wie sich das ergibt, steht momentan noch in den Sternen. Zurzeit arbeiten wir also sieben Tage die Woche und kommen doch gefühlt nicht vom Fleck.

Die Wassersituation des Vorgängers war lachhaft

Was auch viel Zeit in Anspruch nimmt, ist das Problem mit dem Wasser. Obwohl unser Vorgänger 1000 Schafe und 150 Kühe hier hielt, ist die Wassersituation lachhaft. Es hatte zwei kleine, automatische Wassertröge für Schafe. Den Rest der Tiere versorgten die Vorbesitzer mit beheizten Gartenschläuchen, Badewannen oder ähnlichem was bei den kalten Temperaturen und der Länge des Winters keine ideale Lösung ist.

Die vorhandene Pumpe fördert jedoch nicht viel Wasser, deshalb können wir nicht einfach mehr automatische Wassertröge einbauen. Die momentane Leistung liegt bei fünf Gallonen pro Minute, was in etwa 19 Litern pro Minute entspricht.

Deshalb brachte ein Mitarbeiter einen beheizbaren Lastwagenanhänger, der einen Wassertank mit einem Fassungsvermögen von 12'000 Litern hat, direkt von der Süd-Farm. Zusätzlich brachten sie einen 1200-Liter-Wassertrog mit sechs Trinkstellen.

Alte Quellen mit neuen Aufgaben

Das alte, abbruchreife Farmhaus hat eine eigene Quelle und so dachten wir, es wäre praktischer, wenn wir die Wasserstation dort aufbauen würden. Nun, was soll ich sagen? Es ist eine gute Sache, dass alles mobil ist.

Nachdem Markus erst die gefrorene Wasserleitung von der Pumpe zum Haus auftauen und dann alles frostsicher einrichten musste, was diverse Anschlüsse vom Haus zum Tank und zum Wassertrog beinhaltet, mussten wir feststellen, dass die Pumpe auf lange Sicht wohl nicht genug Wasser bringen würde.

Für einige Tage lief Wasser und der Tank füllte sich langsam aber stetig, so dass die Kühe ausreichend zu trinken hatten. Doch dann kam plötzlich nichts mehr.

Mit einer Badewanne getränkt

So mussten wir das ganze Konstrukt auf die andere Seite «zügeln» und an die Quelle anschliessen, die das Haus und die stationären Tröge mit Wasser versorgt. Dank des grossen Tanks können wir tagsüber im Haus den Wasserdruck stabil halten, da wir den Tank nachts auffüllen.

Zuvor hiess es jeweils, entweder haben die Kühe Wasser oder wir. Wir hatten mit einer Badewanne und mehreren Tankcontainern eine provisorische Tränkestation aufgebaut.

300 Kühe brauchen 3000 Liter Wasser

Aber mit insgesamt 3000 Litern Speichervolumen mussten wir, während die Kühe tranken, das Wasser voll aufgedreht haben, um ständig nachzufüllen. Das hiess dann aber, dass der Wasserhahn im Haus nur noch träufelte. Und wenn über 300 Kühe Wasser brauchen, geht das stundenlang so.

Nun ist die Wassersituation schon seit einigen Tagen eingerichtet und es «verhebet». Und das auch bei minus 20 Grad mit bissiger Bise. Bisher ist nichts Gröberes eingefroren und die Kühe haben genug Wasser, ohne dass wir alle 30 Minuten nachschauen müssen, ob die Tanks überlaufen und ein Eisfeld kreieren. Wir halten die Daumen gedrückt, dass es weiterhin so klappt.

Zur Person

Alexandra Ruckstuhl und ihr Mann Markus sind 2015 zum zweiten Mal aus der Schweiz nach Kanada ausgewandert. Das erste Mal kehrte die Familie zur Behandlung einer lebensbedrohenden Krankheit ihrer ersten Tochter Josephine in die Schweiz zurück, die zum Glück erfolgreich verlief. Nach der Geburt der zweiten Tochter Elena ist die Familie in ihre Wahlheimat zurückgekehrt. 2019 ist Sohn Quinn zur Welt gekommen. Seit 2022 wohnen sie in der Nähe des Weilers Sunset House, wo Markus Ruckstuhl auf einer Farm angestellt ist.