Mit modernen Landmaschinen können heute sehr steile Heuwiesen gemäht werden. Sind die Parzellen aber so steil wie auf dem Brunniberg im Kanton Schwyz, kommt jede Landmaschine an ihre Grenzen. Über 100 Prozent steil sind die obersten Futterbauflächen auf dem Heimet von Astrid und Beat Schuler-Betschart. Die Sense ist darum auf ihrem Hof nicht ein Requisit aus vergangener Zeit, sondern ein häufig eingesetztes Arbeitsgerät.
Er mäht bei Regen
Rund drei Hektar mäht Beat Schuler jährlich von Hand. «Pro Hektar benötige ich rund vier Arbeitstage», erklärt der 46-jährige Landwirt. Nicht selten ist er bei Regenwetter mit der Sense unterwegs. «Erstens kann ich aus zeitlichen Gründen nicht erst mit Mähen beginnen, wenn das Wetter schön ist, denn dann würde es schon regnen, bevor das Heu im Trockenen ist. Und zweitens ist nasses Gras auch hauiger.»
Der grösste Teil der gut 23 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzflächen befindet sich auf dem lang gezogenen, rund 700 Meter breiten und bis zu 300 Meter hohen Hang zuoberst am Brunniberg am Schwyzer Urmiberg. Während die untersten Parzellen normal als Heuwiesen bewirtschaftet werden, sind die mittleren, bereits sehr steilen Flächen, extensive Wiesen. Die obersten Bereiche des Betriebes sind sogar Trockenwiesen von nationaler Bedeutung und werden als Wildheuflächen jedes zweite Jahr gemäht. Teils wird dieses «Firstheu» auch als Einstreu verwendet.
Der Maschinenpark
Der Maschinenpark der Familie Schuler besteht aus einem 40-PS-Transporter, einem ultraleichten Hangmäher mit Messerbalken, einem zweiten, stärkeren hydrostatischen Mäher mit Balken, einem Heuräumungsgerät und einer Heuraupe. Der Traktor kommt bei der Futterernte aber nicht zum Einsatz, sondern wird zu Transport-, Schneeräumungs- und Waldarbeiten eingesetzt. Ein unentbehrliches Hilfsgerät ist der Heubläser. «Die Leistung mit diesem Gerät ist zwar schon eindrücklich, die Arbeit damit ist an den steilen Heuplanggen aber körperlich sehr fordernd», erklärt Bäuerin Astrid Schuler. Sich den ganzen Tag in schweren Schuhen und mit Steigeisen im Steilhang zu bewegen, sei schon gewöhnungsbedürftig. Sehnen und Gelenke würden stark beansprucht.
Arbeit durch Schneerutsche
Die rund zehn Handrechen, welche an der Stallwand hängen, sind selten alle im Einsatz. Auch wenn die sechs Kinder im Alter von sieben bis achtzehn Jahren tatkräftig mitanpacken, sind Astrid und Beat Schuler doch auch vielfach alleine am Heuen. «In den Monaten Juni bis September steht bei uns, ausser am Sonntag, an jedem schönen Tag das Heuen auf dem Programm», sagt Astrid Schuler lachend. Es wurde auch schon November, bis die letzten Wiesen gemäht waren.
Aber nicht nur bei der Futterernte sind die Schulers in ihren Hängen unterwegs. Rund drei Wochen investieren sie jeden Frühling für das «Aufschönen», sprich das Säubern der Wiesen von Stein- und Astmaterial. In schneereichen Jahren wie 2021 sei die Menge an Material, welches durch Schneerutsche auf den Wiesen landet, beträchtlich. «Unschön ist es, wenn durch den Schnee auch Erdmaterial von den sonst schon eher bodenlosen Hängen nach unten verfrachtet wird», erklärt Bergbauer Beat Schuler.
Gebäude in Topzustand
Rund 45 Tiere stehen über die Wintermonate im gut eingerichteten, achtjährigen Laufstall. Die Fütterung der Braunviehtiere besteht fast ausschliesslich aus betriebseigenem Heu und Silo, einzig etwas Kraftfutter für die Kühe und Milchpulver für die Mastkälber werden zugekauft. Neben der Pflege des Viehs ist Beat Schuler auch für die Schneeräumung auf der fünf Kilometer langen Urmibergstrasse bis hinunter nach Seewen zuständig. Zudem werden die Arbeiten in dem rund acht Hektar grossen eigenen Wald über die Wintermonate bewältigt.
Gut aufgestellter Betrieb
Die Sommer- und Weidezeit ist kurz auf dem Bergbetrieb. Bis auf die einjährigen Jungtiere, welche auf den Wiesen rund um die Timpel-Seilbahn weiden, gehen über die Sommermonate alle Tiere auf die eigene Alp Egg, unterhalb der Rigi-Hochflue. Diese ist mit dem Vieh zu Fuss in 45 Minuten erreichbar. Astrid Schulers Eltern Elfi und Erwin Betschart betreuen dort im neuen Alpstall die Tiere. Nicht nur der Alp- und Heimstall sind baulich in einem Topzustand, auch das Wohnhaus ist neueren Datums. Während der verschiedenen Bauphasen konnte Beat Schuler von seiner Erfahrung als gelernter Zimmermann profitieren.
Die Jahre seit der Betriebsübernahme im Jahr 2005 waren intensiv. Doch der grosse Einsatz von Astrid und Beat Schuler lohnte sich. Heute ist der Betrieb Brunniberg, trotz enormen Steillagen, für die Zukunft gut aufgestellt.
Steillagen werden unterstützt
Ab einer Hanglage von 30 % spricht man auch von Steillagen. Diese zu bewirtschaften, ist kein Zuckerschlecken, gerade in höheren Lagen. Viel mehr Aufwand (Arbeit, Maschinen) und meist weniger Ertrag, lautet die Gleichung für die Bewirtschafter(innen). Bund und zusätzlich wenige Kantone tragen dem Rechnung und unterstützten solche Flächen zwecks Offenhaltung der Landschaft.
Gemäss Direktzahlungsverordnung steigt der Steillagenbeitrag mit steigendem Anteil Steillagen linear an. Die Eintrittsschwelle liegt bei 30 % Anteil steiler Flächen auf dem Betrieb. Pro Hektare werden 300 Franken (bei 30 %) bis 1000 Franken (bei 100 %) bezahlt. Dazu kommen für diese Flächen die «normalen» Hangbeiträge. Voraussetzung ist immer mindestens eine Schnittnutzung jährlich.
«Erschwerte Produktionsformen» werden in Schwyz basierend auf dem kantonalen Landwirtschaftsgesetz zusätzlich unterstützt. Und zwar die standortgerechte Bewirtschaftung von Mäh- und Streuwiesen in Steillagen von mehr als 50 % Neigung. Die Bewirtschafter müssen ihren Wohnsitz im Kanton Schwyz haben und Hanglagen in Talzonen sind nicht beitragsberechtigt. Der jährliche Bewirtschaftungsbeitrag beträgt Fr. 280.– je Hektare anrechenbare Fläche. «Der Kanton Schwyz zahlt Steillagenbeiträge in der Höhe von Total 251 225 Franken aus», sagt Mario Bürgler, Vorsteher Amt für Landwirtschaft Schwyz. Derzeit profitierten 267 Betriebe im Kanton mit insgesamt 897 ha.

