Das Wetter zeigt sich staubtrocken – in mehrerlei Hinsicht

Diese Woche bescherte uns Saharastaub in der Luft schaurig-schöne Blicke in den Himmel. Doch wie kommt es eigentlich zu dem Phänomen?

Die letzten Tage herrschte in der Schweiz eine sehrspezielle Lichtstimmung. Der kräftige orange Farbton warunübersehbar. Eine aussergewöhnlich grosse Menge an Staub aus der Sahara erreichte die Schweiz. Das äussert sich nicht nur in den bunten Farb- und Lichttönen, sondern auch ineiner dünnen Staubschicht, die sich auf der Bodenoberflächeablagert.

Dass sich im Himmel über der Schweiz Saharastaub befindet, kommt immer wieder mal vor. Meist ist die Konzentration an Staub jedoch so gering, dass man ihn nur als sehr aufmerksamer Beobachter oder mit sensiblen Messgeräten ausmachen kann. Ein oranger Himmel und eine dichte Staubschicht auf dem Boden sind doch eher selten.

Rahmenbedingungen müssen stimmen

Welche Rahmenbedingungen müssen überhaupt erfüllt sein, damit Saharastaub die Schweiz erreicht? Das aktuelle sehr intensive Staubereignis bietet einige anschauliche Beispiele für diese Rahmenbedingungen.

Die Grundvoraussetzung, damit Saharastaub die Schweiz und den Alpenraum erreichen kann, ist eine passende Windrichtung. Es muss eine grossflächige Strömung aus dem Sektor Süd bestehen, damit die staubbeladenen Luftmassen aus der Sahara nach Mitteleuropa gelangen. Sehr häufig ist es Südwestwind, der in der Schweiz besonders viel Saharastaub mit sich bringt, aber auch Süd- oder Südostwind kann Staub heranführen. Damit sich eine solche grossräumige Südströmung einstellen kann, braucht es einen Auslöser im Atlantik. Dieser Auslöser entsteht, wenn über dem Ostatlantik ein grosser Schwall Kaltluft nach Süden in Richtung Azoren, Portugal und Marokko fliesst.

Kaltluft bringt den Wind

Dieser Kaltluftvorstoss hat gleich zwei Funktionen, die wichtig für den Staubtransport sind. Einerseits stellt sich auf der Ostseite dieses Kaltluftvorstosses die oben erwähnte Südströmung über dem Mittelmeer in Richtung Mitteleuropa ein. Anderseits sorgt die Kaltluft dafür, dass sich über dem subtropischenAtlantik und über Nordafrika immer wieder Tiefdruckgebiete bilden.

Diese Tiefdruckgebiete bringen in Nordafrika Regen, teils Schneefall – und vor allem auch Wind. Dieser Wind ist für den Staubtransport wichtig, denn erst durch den Wind dieser Tiefdruckgebiete wird über den Wüstengebieten überhaupt Staub aufgewirbelt. Es ist dieser aufgewirbelte Staub, der dann mit dem Höhenwind nach Mitteleuropa gelangt.

Der Wassergehalt entscheidet

Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Wassergehalt. Gelangt mit der atlantischen Kaltluft auch viel Wasser nach Nordafrika, so wird ein grosser Teil des aufgewirbelten Staubs vor Ort oder unterwegs mit dem Regen wieder abgelagert. Sind die Kaltluftvorstösse jedoch mit verhältnismässig trockener Luft verbunden, so bleibt die Staubkonzentration in der Luft länger hoch, und dementsprechend wird der Staub auch über grössere Distanzen verbreitet.

Damit so viel Saharastaub wie in den letzten Tagen die Schweiz erreicht, müssen also gleich mehrere Puzzle-Teile zusammenpassen. Über Nordafrika muss einerseits genügend Staub aufgewirbelt werden, und dieser muss dann noch möglichst direkt nach Mitteleuropa gelangen, ohne unterwegs wieder ausgeregnet zu werden.

Der Staub hat Auswirkungen aufs Wetter

Einmal in Mitteleuropa angekommen, hat der Saharastaub gleich mehrere Auswirkungen auf das Wetter. Die Staubpartikel wirken sich markant auf die Sonneneinstrahlung aus. Einerseits brechen sie das Licht, die Sicht wird diffuser, und es entsteht ein oranger Farbton.

Anderseits stellen die Staubpartikel sogenannte Kondensationskeime dar. Kondensationskeime sind mikroskopisch kleine Partikel in der Luft, an denen die Luftfeuchtigkeit kondensieren kann. Je grösser der Anteil an solchen Partikeln in der Luft ist, desto geringer kann die Luftfeuchtigkeit sein, damit sich Wolken bilden. Und so sorgt der Saharastaub dafür, dass nicht nur das Licht fahler und etwas farbiger wird, sondern auch dafür, dass sich schneller dichtere Wolken bilden können. An Tagen mit hoher Saharastaubkonzentration muss man daher meist damit rechnen, dass es deutlich mehr Dunst und Wolkenfelder am Himmel hat, als die Wettermodelle prognostizieren.

Kommt noch mehr Staub?

Während der Staub in den höheren Luftschichten mit dem Höhenwind rasch einmal weitertransportiert wird, kann sich der Staub in den tieferen Luftschichten oft hartnäckig halten. Erst ein kompletter Luftmassenwechsel oder flächige Niederschläge können den Staub aus der Grundschicht entfernen. Möglicherweise reicht der Bisenschub, der am Wochenende das Wetter dominiert, aus, damit sich der Staub verzieht.

Flächige Niederschläge, die den Staub aus der Grundschicht entfernen, sind hingegen unwahrscheinlich. Es bleibt also weiterhin «staubtrocken» – und im Laufe der nächsten Woche gibt es sogar Anzeichen, dass über Nordafrika nochmals grössere Mengen an Staub aufgewirbelt werden könnten.

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