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Das Schafehüten liegt den Hirtenhunden im Blut

Die sechs Border Collies von Tanja und Patrick Schmid aus Pfaffnau haben die rund 30 Heidschnuckenschafe im Griff. Kennengelernt haben sie sich in einem Hundekurs, beide mit ihrem ersten Border Collie.

Kaum geht Patrick Schmid los, um die Schafe zu holen, ist er schon wieder da. Ganz geordnet kommt er mit seiner Schafherde hinter sich auf eine neue Weide. Hinter den Schafen sein Border Collie, der die Heidschnuckenherde im Zaum hält. Es ist faszinierend, wie der Hund seine Schafherde im Griff hat. Kein Tier kann ihm entkommen. Der Hund geht das ganz ruhig an und ist sehr routiniert. Die anderen Hunde, die beim Fahrzeug warten müssen, halten es kaum aus, die Augen stets auf die Schafe gerichtet – falls doch eines entwischen würde, das der arbeitende Hund nicht sehen könnte. Die Border Collies haben das Treiben der Schafe sichtlich im Blut.

Einen Bauernhof gemietet

Seit März 2013 wohnen Tanja und Patrick Schmid in Pfaffnau. «Wir bekamen immer mehr Freude an den Schafen und suchten uns einen Hof», so Patrick Schmid. Zum Haus mit Stall kann das Paar eine Hektare Land nutzen. Aktuell können sie ihre Schafe sehr oft bei den Nachbarn weiden lassen. «Die Bauern sind froh über unsere Schafe. Das hilft gegen Mäuse, und die Trittschäden sind nicht so gross», erklärt Tanja Schmid. Die Heidschnucken mögen gerne Ökoflächen. Im Herbst bekommen die beiden Schafhalter jeweils so viele Anfragen, dass sie fast zu wenig Schafe haben.

«Die Schafe passen gut in diese Gegend.»

Tanja Schmid über ihre Heidschnuckenschafe.

Am Hütekurs hat es gefunkt

Die beiden Schaf- und Hundefans haben sich bei einem Hütekurs kennengelernt. «Wir beide hatten unseren ersten Border Collie und machten diesen Kurs im Flühli-Ranft», erzählt Tanja Schmid. «Wir wollten irgendwann mehr als nur den Kollegen beim Schafehüten helfen und suchten etwas Eigenes, um selber Schafe zu halten», erzählt Patrick Schmid, der Vollzeit als Geschäftsführer in einer IT-Firma in Luzern arbeitet. Tanja Schmid ist gelernte Köchin. Seit sie Schafe haben und Hunde züchten, arbeitet sie zwei Tage pro Woche in der nahe gelegenen Landi. «In meinem vorherigen Job war ich viel weg und hatte zu wenig Zeit für die Tiere», erklärt Tanja Schmid.

Erfahrungen aus England

Tanja Schmid war mit ihrem Border Collie zwei Sommer auf einer Alp mit Schafen. Gemeinsam war das Ehepaar mit den Hunden in England. «Vieles zur Hunde- und Schafhaltung haben wir uns selber beigebracht oder wir wissen es von den England-Aufenthalten», erklärt Patrick Schmid. Sie wollten den Umgang mit Schafen lernen, in England hätten die Schafhalter viel mehr Erfahrungen und die Dimensionen seien nicht vergleichbar. 2000 Schafe pro Landwirt und mehr seien das. Tanja war alleine nochmals in England für die Lammsaison und um Schafe zu scheren. «Ich schere Schafe im kleinen Rahmen», so Tanja Schmid.

Das Ehepaar Schmid macht mit ihren Hunden auch Vorführungen und Arbeitsprüfungen. Zum Beispiel waren sie jeweils beim Hoffest der Emscha in Entlebuch. «Wir zeigen mit unseren Schafen, für was man diese Hunde brauchen kann und wie man sie ausbildet», erklärt Patrick Schmid. Die Border Collies seien immer beliebter, könnten aber ohne eine gute Ausbildung zu Problemhunden werden.

Nachbarn waren erst kritisch

Ihre Nachbarn seien anfangs schon etwas kritisch gewesen, was sie hier genau machen würden. Die Regionalzeitung schrieb einen Artikel über sie und dass ihr Ziel die Hundeausbildung für die Landwirtschaft sei.

«Ein Laie weiss nicht, wie er einen Hund richtig ausbilden muss, und genau darauf haben wir uns spezialisiert», so Patrick Schmid. «Wir zeigen den Landwirten den Aufbau und wie zu Hause geübt werden kann», erklärt er. Der Hund soll als Helfer gebraucht werden können. Die Nachfrage sei enorm, es gebe immer mehr Schafhalter, und auch für Kuh- und Hühnerbetriebe würden die Border Collies immer öfter eingesetzt.

Das Faszinierende an diesen Hunden sei, dass sie einen Instinkt mitbringen würden und man diesen für die Ausbildung nutzen können. «Wenn beim Verladen ein Schaf weglaufen will, hat mein Hund das lange vor mir bemerkt und arbeitet direkt selber mit», berichtet Patrick Schmid. Auch das Treiben auf einer Strasse sei faszinierend, der eine Hund laufe dann auf der Seite in die Einfahrten, ohne Kommando und schaue, dass die Schafe nicht seitlich ausbüxen würden. Ist die Einfahrt vorbei, komme der Hund wieder nach vorne.

Kein Hund für alle

Der Border Collie ist ein Arbeitshund. Aus der Zucht von Familie Schmid haben die Hunde den Trieb zum Schafehüten. «Wir achten darauf, dass wir die Hunde an Leute geben, die Tiere haben oder mit ihnen arbeiten», erklären die beiden. Sie sind auch nach dem Verkauf für die Tierhalter da und unterstützen die neuen Besitzer bei Fragen rund um den Hund, aber auch bei der Ausbildung fürs Vieh. «Leider müssen wir manchmal Anfragen absagen, wenn der Platz uns nicht geeignet erscheint», so Patrick Schmid.

Eine spezielle Schafrasse

Die Schafrasse, die Familie Schmid in Pfaffnau hält, heisst Heidschnucken. «Sie passen sehr gut in diese Gegend», findet Tanja Schmid. «Unsere Schafe haben wir nicht nur wegen dem Fleisch», ergänzt Patrick Schmid. Die Heidschnucken sind keine Fleischrasse wie zum Beispiel die Texel-Schafe. Das Fleisch sei aber trotzdem sehr fein, es schmecke ähnlich wie Wildfleisch, ist dunkler und magerer als normales Schaffleisch. Heidschnucken sind Liebhaberschafe, sie haben den Vorteil, dass sie weniger Klauenprobleme haben und die Lämmer einfach zur Welt bringen. Das Schaf wird mehr für die Landschaftspflege gehalten. Die Rasse passe gut in die Gegend bei Pfaffnau mit viele Magerweiden, das gefalle den Tieren, meint Patrick Schmid. Für eine Fleischrasse hätten sie nicht genügend saftige Wiesen. Die Tiere fand das Paar in den Ferien in Deutschland in der Lüneburger Heide. Heidschnucken werden vor allem in der norddeutschen Heide- und Moorlandschaft gehalten.

Ein Fleischschaf hat vier bis fünf Monate bis zur Schlachtreife. Eine Heidschnucke braucht ungefähr acht Monate für dasselbe Gewicht. Dafür frisst eine Heidschnucke weniger als ein Fleischschaf, auch fordern sie weniger nährstoffreiche Böden. Die Felle dieser Rasse seien sehr beliebt.

Die Ausbildung eines Border Collies

Der Border Collie ist ein sogenannter Koppelgebrauchshund. Er hilft den Landwirten, die Tiere einzusammeln und voranzutreiben. Die Arbeitseinsätze der Hunde sind eher kurz. Die Koppelgebrauchshunde können Tiere auf sehr weite Distanz erspähen, sie umlaufen und unter Anleitung selbstständig wieder eintreiben. Die Befehle für die Hunde werden mit Pfiffen und Kommandos gegeben. Mit sieben Monaten beginnt man mit dem Hund zu arbeiten. Vorher muss er die grundlegenden Kommandos gelernt haben. Familie Schmid arbeitet in englischer Sprache, grundsätzlich kann man aber jede Sprache verwenden. Anfangs wird fünf Minuten pro Woche an den Schafen geübt und das wird dann stetig gesteigert. Erst lernen die Hunde Körpersprache, dann Worte, dann kommen die Pfiffe. Die Hütepfeifen hört man über eine sehr weite Distanz, so kann der Hund besser gesteuert werden.

Nach sechs Monaten Training kann man den Border Collie schon etwas einsetzen, und gut ausgebildet ist er nach einem bis anderthalb Jahren. Auch der Mensch muss mitlernen, die Befehle richtig zu geben und den Hund abzurufen. Der Hund sollte einen guten Grundgehorsam haben, bevor man das Training an den Schafen beginnt. Denn hier ist ein Jagdtrieb im Spiel, und der Mensch muss den Hund jederzeit stoppen können. Haben die Hunde Feierabend, brauchen sie die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen.

Den Hund richtig wählen

«Ein gut ausgebildeter Hund ersetzt dir einen Mitarbeiter», erklärt Tanja Schmid. Dabei ist die Rassenwahl sehr wichtig. Border Collies sind Koppelgebrauchshunde. Sie sind nicht zu verwechseln mit dem klassischen Hütehund, der an grossen, homogenen Schafherden eingesetzt wird. Hütehunde sind zum Beispiel Schäferhunde, sie können ihre Schafe auch verteidigen.

Weiter gibt es Treibhunde, die vor allem durch lautes Gebell und die eigene Bewegung Vieh treiben, etwa Appenzeller und Entlebucher Sennenhund. Die Herdenschutzhunde sind diejenigen, die zum Schutz der Herde vor Grossraubtieren eingesetzt werden. Diese Hunde leben vor allem auf Alpen durchgehend mit den Schafen auf der Weide.

Der Hund muss aus einer guten Zucht kommen. Da gilt es, die Eigenschaften der Eltern zu beachten. Nicht allein der Preis soll entscheidend sein, sondern die Wahl der richtigen Rasse für den Gebrauchszweck.

Wichtig ist auch, sich Hilfe zu holen bei der Ausbildung. Es gibt in der ganzen Schweiz Leute, die bei der Hirtenhundeausbildung helfen.

Weitere Informationen bei:www.ssds.ch oder bei www.border-collies-of-sevensisters.ch

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