Der Kauf meines ersten Töfflis während der Schulzeit scheiterte an Vaters heftigem Widerstand. So strampelte ich weiter mit meinem Dreigängervelo viermal sechs Kilometer zur Schule hin und zurück nach Hause. So stärkte ich gezwungenermassen, aber erfolgreich meine Kondition. Nach der obligatorischen Schulzeit arbeitete ich auf dem Pachthof meines Vaters in Flühlen in der Entebucher Gemeinde Luthern. Neu war für mich nur, dass die Arbeit nicht mehr wie bisher von der Schule unterbrochen wurde. Eines Tages erklärte mir mein Vater feierlich, dass ich auf seine Kosten ein neues Töffli kaufen dürfe.
Die ganze Welt mit dem Pony-Töffli bereisen
Sonntags nach der Kirche hatten damals alle Geschäfte im Dorf eine Stunde offen. So bestellte ich nach der Messe beim Töfflihändler für 780 Franken ein Zweigang-Töffli der Marke Pony. Im August 1971 holte ich es voller Freude ab. Auf der Heimfahrt sang ich und träumte: Die ganze Schweiz, ja sogar die ganze Welt würde ich mit meinem Pony bereisen! In der Realität fuhr ich während meines Heimlehrjahres als Landwirtschaftslehrling aber lediglich in die Berufsschule nach Willisau und sonntags in die Kirche.
Überstunden gehörten selbstverständlich dazu
1973 startete ich mein Auswärtslehrjahr in Grosswangen. Auch während dieser Zeit fuhr mich mein Pony überall hin. Doch an Feste, ins Kino oder an Treffen mit Kollegen fuhr ich selten. Denn der Sinn des Lebens bestand damals in der Arbeit; und zwar von fünf Uhr in der Früh bis abends um sieben Uhr. Bei speziellen Ereignissen wie Heuen oder Silieren war es für den Lehrling Pflicht und Ehre zugleich, Überstunden ohne Kompensation zu leisten.
Wer sein Gefährt pflegt hat länger Freude
Mein zwei Jahre jüngerer Bruder Alois kam schneller zu seinem Töffli als ich. Bereits als 13-Jähriger fragte er meinen Vater, ob er in den Schulferien in der Maschinenfabrik in Hüswil arbeiten dürfe, um Geld für ein Töffli zu verdienen. Für die zehn Kilometer lange Fahrt zur Arbeitsstelle durfte er das Töffli meines Vaters benutzen. So fuhr er schon vor seinem 14. Geburtstag ein brandneues, selbst verdientes Bonanza-Töffli. Doch durch den vielen Gebrauch und die vernachlässigte Pflege gab sein Bonanza-Töffli vor dem Ende seiner vierjährigen Lehre beim Landmaschinen-Händler den Geist auf.
Ich fuhr unterdessen VW, aber besass noch immer mein Pony-Töffli. So fragte mich Alois, ob er von nun an damit zur Arbeit fahren könne. Dass ich ihm mein mit harter Arbeit verdientes Pony nicht schenken wollte, sah er zuerst nicht ein. Schliesslich hätte Vater mir das Töffli dazumal auch geschenkt. Doch für 200 Franken willigte er schlussendlich ein. Später, zum 18. Geburtstag, kaufte sich Alois einen gebrauchten Suzuki-Töff. Ab dann war er mit seinem 250-Kubik-Suzuki sehr viel schneller unterwegs als ich mit meinem VW-Käfer, ja sogar schneller, als es die Polizei erlaubte.

