Demnächst kommen die ersten Schweizer Erdbeeren aus dem Gewächshaus in die Ladenregale. Ab Mitte Mai dürften die Erdbeeren aus Freilandbau und später dann Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren und Johannisbeeren folgen. Aber wird es auch genügend Erntehelfer geben, um all diese Beeren zu pflücken?
Einreise mit erforderlichen Papieren möglich
«Aktuell ist die Situation so, dass die Arbeitskräfte einreisen können, sofern sie die benötigten Unterlagen vom Migrationsamt und dem Arbeitgeber haben», sagt Philipp Engel. Er ist Präsident der Vereinigung Thurgauischer Beerenpflanzer. Auf seinem Betrieb in Mammern mit 20 ha Kernobst, 1 ha Steinobst, 3,5 ha Strauchbeeren, 1 ha Erdbeeren und 0,5 ha Spargeln hat er im Moment genügend Arbeitskräfte. «Meine Arbeiter waren da, bevor der Lockdown Mitte März einsetzte und die Grenzen geschlossen wurden.»
Am Dienstag sind drei weitere Erntehelfer aus Polen auf seinem Betrieb angekommen. Engel sagt, das Problem seien nicht die geschlossenen Grenzen, sondern dass die Arbeiter keine Mitfahrgelegenheit hätten. Im Notfall würde er auch Schweizer Arbeitskräfte einstellen. Er habe sich diesbezüglich schon mit dem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) in Verbindung gesetzt. «Wobei ich lieber Frauen als Männer zum Beerenpflücken habe, weil sie ein feineres Fingergefühl haben», merkt er an. Im Kanton Thurgau arbeiten das BBZ Arenenberg, das RAV und das Migrationsamt gemeinsam daran, dass es für Betriebe, deren ausländischen Arbeitskräfte nicht einreisen können, eine Lösung gibt.
Kulturen sind schon weit fortgeschritten
Mehr Sorgen als das Coronavirus bereiten dem Präsident der Thurgauer Beerenproduzenten im Moment mögliche Spätfröste. Er sagt: «Die Kulturen sind sehr weit fortgeschritten und präsentieren sich schön. Wenn es jetzt noch einen Frost gibt, wäre das für die Freilandkulturen verheerend.» Bedingt durch den milden Winter, den warmen März und April ist man im Vergleich zu anderen Jahren eher früh dran.
Ob die traditionelle Vorernteversammlung der Thurgauer Beerenpflanzer Ende Mai stattfinden kann, ist im Moment noch offen. Für Engel ist dies nicht so tragisch. Er sagt: «Die relevanten Informationen erhalten unsere Produzenten ohnehin über die Fachstelle Beerenbau des BBZ Arenenberg.»
Gastronomie als wichtiger Partner fehlt
Dass die Grenzen für Einkaufstouristen im Moment zu sind, könne sich auf den Beerenverkauf positiv auswirken, meint Engel. «Andererseits sind die Gastronomiebetriebe als wichtige Abnehmer unserer Beeren geschlossen und auch die ausländischen Touristen bleiben weg», gibt er zu bedenken. Den Marktverlauf abzuschätzen, sei daher sehr schwierig.
Die aktuelle Krise zeige aber, dass die Schweizer Landwirtschaft systemrelevant für das Land ist. «Pflanzenschutzmittel sind plötzlich kein Thema mehr», stellt Engel fest. «Das könnte den Pflanzenschutzinitiativen ein bisschen den Wind aus den Segeln nehmen.» Er hofft, dass die Gesellschaft durch diese Krise wachgerüttelt wird und die gesamte Schweizer Landwirtschaft gestärkt daraus hervorgehen wird.

