Das mit der Sommerferienzeit und es ruhiger Nehmen ist so eine Sache, darüber möchte ich mich nicht äussern, da dies auch mir kaum gelingt. Aber dennoch ist es schön und erbauend, einfach mal ein wenig etwas anderes zu machen, eine schon lagen liegengebliebene «Sisyphusarbeit» in Ruhe zu machen, oder die Gedanken etwas anders kreisen zu lassen.
Wofür will ich Zeit haben?
Da stellt sich dann auch oft die Frage, wofür möchte ich meine Zeit einsetzen, denn nach meinem Verständnis hat jeder gleich viel Zeit in einem Jahr zur Verfügung. Somit ist der Ausdruck «ich habe keine Zeit» nicht ganz korrekt. Die Frage ist, wofür möchte ich diese einsetzen.
Hier möchte ich eine Lanze brechen für ein Engagement in Verbänden, Berufsorganisationen, Politik, Vereinen und allgemein im gesellschaftlichen Bereich. Vor allem der ländliche Raum lebt davon. Aber es braucht Zeit. Dies ist unbestritten und ist immer eine Gratwanderung zwischen Familie, Betrieb und den weiteren Aufgaben. Ich habe auch nie damit gerechnet, dass ich genau in solchen Vorstandsarbeiten lande. Zuerst war ich skeptisch. Aber es hat sich gelohnt! Viele interessante Gespräche und Kontakte und ein gemeinsames Weiterentwickeln der Tätigkeit. Denn die Organisationen sind keinesfalls so verstaubt und statisch, wie es ihnen oft anhaftet.
Wirkung oft unterschätzt
Die Wirkung und die Möglichkeiten solcher Engagements sind nicht zu unterschätzen. Den oft gehörten Ausdruck «dies bringt ja doch nichts» kann ich nicht unterstützen. Entscheidend ist, dass die Ideen und Visionen früh eingebracht werden. Vorstandsarbeit und die daraus resultierenden Kontakte sind da wichtige Türöffner. Gerade in der Landwirtschaft empfinden wir oft, dass «uns gesagt wird, was wir zu tun haben». Dem können wir nur entgegenwirken, indem wir in konstruktiver Weise sagen, was wir tun möchten und wie wir uns die Zukunft vorstellen. Es ist nicht so einfach, wie es tönt und wir rennen auch nicht gerade offene Türen ein. Das ist mir bewusst, aber es ist dennoch vieles möglich.
Dies muss jedoch in frühen Phasen geschehen. Wenn wir uns nur noch in Vernehmlassungen äussern, bringt das wenig. Bildlich gesprochen erlebe ich es oft so: Ein weites Feld von Ideen. Jemand schlägt mit seiner Idee einen Pflock in diesem weiten Feld ein. Wenn diese fachlich korrekt ist und engagiert vertreten wird, bestehen grosse Chancen, dass «im Umfeld» dieses Pflockes weiter diskutiert wird, da alle froh sind, dass sie sich irgendwo orientieren können. Schlagen wir diese Pflöcke ein, lenken wir die Diskussion und das Resultat in die von uns gewünschte Richtung.
Meiner Erfahrung nach befinden sich unsere Gegenüber in all den Diskussionen ebenfalls auf unsicherem Gelände und sind froh um «Pflöcke» und somit die Einschätzung und Ideen aus der Landwirtschaft. Schlagen wir gemeinsam Pflöcke am für uns passenden Ort ein!

