«Für uns und unsere Gemeindevertreter ist das absolut unverständlich und frustrierend», kommentiert Urs Baur gegenüber der BauernZeitung den Entscheid des Aargauer Departements Bau, Verkehr und Umwelt, dass die beiden Aprikosentunnel auf seinem Betrieb in Egliswil nur bis am 1. Januar 2040 stehen bleiben dürfen. Die Behörde begründet ihren Entscheid gemäss «Aargauer Zeitung», dass damit ein Gleichgewicht zwischen den Interessen des Landschaftsschutzes und der Landwirtschaft geschaffen werde.
Er werde oft von Menschen darauf angesprochen, die den Entscheid ebenfalls nicht verstehen könnten, sagt Urs Baur. Doch er und seine Familie hätten sich zu ihrem Schutz, vor allem der Gesundheit, gegen eine Beschwerde an den Regierungsrat, Verwaltungsgericht und schlussendlich Bundesgericht entschieden.
Am Anfang war ein Formfehler
Die leidige Geschichte nahm ihren Anfang durch Formfehler. Die Gemeinde und der Kanton hatten 2017 eine unbefristete Bewilligung für die Aprikosentunnel erteilt. Als diese ein Jahr später in Betrieb genommen wurden, bemerkten Naturschutzverbände, dass die obligatorische Ausschreibung im Amtsblatt ausgeblieben war. Zudem hätte der Kanton die Baute nicht bewilligen dürfen, da die im Richtplan festgelegte Landschaftsschutzzone behördenverbindlich ist. Die Naturschutzverbände erhoben Einsprache und der Regierungsrat nahm die bereits erteilte Bewilligung zurück. Das Baubewilligungsverfahren musste nochmals von vorne gestartet werden; Einsprachen gingen diesmal keine ein.
Ein anderer Betrieb in Seengen musste dasselbe Verfahren durchlaufen. Dort hat der Kanton nun eine unbefristete Bewilligung für die Tunnel erteilt. In Egliswil hingegen gab es nur die befristete Bewilligung, zudem verknüpft mit Auflagen. Unter anderem dürfen keine Verankerungen einbetoniert werden und die Folien dürften das Landschaftsbild möglichst wenig beeinträchtigen.
Kantonale Behörde lehnt kategorisch ab
«Was momentan in der Abteilung für Baubewilligung abläuft ist inakzeptabel und landwirtschaftsfeindlich», spricht Urs Baur deutliche Worte. Mit Pro Natura konnte ein Vorschlag ausgearbeitet werden: eine Auszonung von 70 Aren und gleichzeitig eine parzellenscharfe Einzonung von 300 Aren. «Aber die Behörden in Aarau gingen auf die Bitte nach einem runden Tisch entweder nicht ein oder lehnten sie kategorisch ab.»
Der Entscheid schränke die Entwicklung des Betriebs stark ein. Dadurch verliere er in Zukunft einen wichtigen, dank des geschützten Anbaus ertragssicheren Teil des Betriebszweiges Steinobstbau. Der Betriebsleiter selber wird im Jahr 2040 zwar bereits 67 Jahre und somit im Pensionsalter sein, «für die Nachfolge ist es aber einschneidend». Die Bäume dürfen nicht remontiert werden, zu diesem Zeitpunkt werden sie rund 20 Jahre alt sein, der Produzent rechnet dank des geschützten Anbaus im Folientunnel mit einer wesentlich längeren Lebensdauer.
Neuer Versuch auf politischem Weg
Familie Baurs Aprikosen sind im Direktverkauf sehr gefragt. «Es wird von Seiten des Kantons verlangt, dass wir Landwirte innovativ sein sollen. Wenn wir das dann probieren und Aprikosen erfolgreich ohne Pestizide anbauen, ist es auch wieder nicht gut», ärgert sich Urs Baur. Aufgeben will er aber doch nicht: «Wir werden versuchen, auf politischem Weg eine Umzonung mit anschliessendem neuen Baugesuch anzustreben. Dies aber nach einer Pause und vor Abklärungen.»

