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Problemkeim aus dem Stall verbannt

Der Mastitis-Erreger Staphylococcus aureus GTB ist gefürchtet. Mit einem neuen Testverfahren lässt sich der Erreger schnell und sicher nachweisen. In enger Zusammenarbeit mit Agroscope haben Peter und Corinna Hutterli in Salenstein TG ihre Herde saniert.

Staphylococcus aureus mit dem Genotyp B (GTB) kommt in der Schweiz und in den umliegenden Ländern vor. Der Keim ist hoch ansteckend. GTB-Keime bilden bei Rohmilchkäse unter gewissen Bedingungen hitzeresistente Stoffe, die beim Menschen zu Bauchschmerzen, Schwindel, Durchfall und Erbrechen führen können. Bis jetzt war der Keim nur sehr unbefriedigend bekämpfbar. Die beste Methode zu seiner Ausrottung ist die Sanierung ganzer Herden.

Peter und Corinna Hutterli haben in Salenstein TG diesen Weg gewählt: Seit März 2017 ist ihre Herde frei von Staphylococcus aureus GTB. «Es war ein steiniger Weg, aber es hat sich gelohnt», sagt Landwirt Peter Hutterli.

Die Hälfte der Hochleistungs-herde von Peter Hutterli wurde positiv auf GTB getestet

Begonnen hat alles im Jahr 2015: Ende 2015 stiegen die Zellzahlen in der Tankmilch kontinuierlich an. Einmal lag der Wert sogar über 350 000 Zellen/ml. Vermehrt litten Kühe an akuter Mastitis. «Zuerst dachten wir, es liege an der Melkanlage» so Hutterli. Er liess diese von einem Melkberater prüfen. «Alles in Ordnung», sagte dieser, er fand auch keine Kriechströme.

Daraufhin liessen Hutterli und seine Frau Proben von der Tankmilch sowie von fünf Kühen untersuchen. Bei vier der fünf Kühe wurde GTB nachgewiesen. «Da haben die Alarmglocken geläutet», erzählt Peter Hutterli.

In einem nächsten Schritt liess der Landwirt Einzelproben von allen 44 laktierenden Kühen auf GTB untersuchen. Das Resultat: Die Hälfte der Kühe war positiv.

Der Melkberater empfahl Peter Hutterli, mit Agroscope Kontakt aufzunehmen. Hans Ulrich Graber leitet bei Agroscope die Mastitisforschung und arbeitete 2015 an einem Projekt zur Sanierung von GTB. Der Betrieb Hutterli hat eine Herde mit einer sehr hohen Milchleistung. Sie liegt über 9 000 kg pro Laktation. Das brachte eine neue Fragestellung in den Versuch: «Wird sich auch eine Hochleistungsherde sanieren lassen?».

Die GTB-Sanierung der ganzen Herde beginnt mit Einzelproben und Analysen der Milch

Zu Beginn der Zusammenarbeit nahm Graber im Februar 2016 nochmals von allen Kühen Einzelproben. Das Ziel davon: Alle infizierten Kühe eindeutig erfassen.

Nach den Untersuchungen teilte er die Herde in drei Gruppen ein: Grün kennzeichnete die gesunden Kühe, Rot die infizierten Kühe und Orange alle Kühe, bei denen noch nicht eindeutig war, ob sie geheilt oder noch infiziert waren. Die orange Gruppe wurde als GTB-unklar bezeichnet. Im Abstand von je vier bis fünf Wochen haben die Agroscope-Mitarbeiter von allen Kühen Proben genommen. Sie nahmen auch die Analyse vor und kümmerten sich um die fachliche Beratung.

Peter Hutterli war dafür verantwortlich, dass sich die Kühe nicht über das Melkzeug neu ansteckten. Denn: Die Infektion des Euters mit GTB geschieht ausschliesslich über das Melken. Deshalb durfte nie eine gesunde Kuh mit dem Melkzeug einer kranken oder auch nur möglicherweise kranken Kuh in Berührung kommen.

Hutterlis mussten die Melk-Reihenfolge strikt einhalten, um Ansteckungen zu vermeiden

Wie lassen sich Infektionen vermeiden? Dazu gibt es zwei Ansätze. Entweder trennt der Landwirt die Herde räumlich. Oder er legt eine strikte Melk-Reihenfolge fest. Dabei sind zuerst die gesunden Kühe an der Reihe, danach die GBT-unklaren und am Ende die GTB-positiven.

Hutterli hat auf seinem Hof einen relativ engen Laufstall. Er konnte die Herde nicht räumlich trennen. Deshalb verwendeten er und seine Frau im 2 × 3-Fischgräten-Melkstand verschiedene Melkaggregate. Die Milch der gesunden Kühe ging über die Absauganlage in den Milchtank. Die Milch der frisch gekalbten Kühe und der Kühe mit abgeschlossener Behandlung wurde mit separaten Aggregaten in Kübel gemolken.

Um Fehler zu vermeiden, markierte Hutterli alle Kühe mit farbigen Bändern an den Füssen.

Zum Schluss wurden alle noch nicht behandelten kranken sowie die in Behandlung stehenden Kühe separat gemolken. GTB ist robust: «Eine Zwischen-Desinfektion der Zitzenbecher mit Peressigsäure hätte das Problem nicht gelöst», erklärt Agroscope-Forscher Graber.

Vor allem mussten die Landwirte beim Melken konsequent sein. Graber hatte die Familie vorgewarnt: «Wenn ihr einmal anfängt, müsst ihr es durchziehen». Peter Hutterli bestätigt: «Der Aufwand war riesig.» Das Melken dauerte in der Therapiephase jeweils fast eine Stunde länger. Vor allem der Anfang sei schwierig gewesen, sagt auch Corinna Hutterli: «Alles musste exakt stimmen. Mit der Zeit haben wir Routine bekommen und es ist einfacher geworden.»

Im Lauf des Versuches zeigte sich, dass ältere Hochleistungskühe schwerer heilbar sind

Die 22 kranken Kühe wurden mit Antibiotika behandelt und regelmässig getestet. Wurden nach vier Wochen noch GTB-Erreger festgestellt, wurde nachbehandelt. Als geheilt galten Kühe, wenn zwei aufeinanderfolgende Proben negativ waren. Zehn der behandelten Kühe konnten geheilt werden.

Die anderen 12 Kühe wurden trotz der Behandlungen nicht ganz GTB frei und mussten geschlachtet werden. Hutterli bedauert das sehr. «Es waren vorwiegend ältere Kühe mit grossen Eutern und hoher Milchleistung.»

Auch Rückfälle machten dem Landwirten zu schaffen: Drei Kühe schienen geheilt. Doch die Keime hatten sich im Eutergewebe versteckt und kamen erst später wieder zum Vorschein. Durch weitere Behandlungen liessen sich zwei der rückfälligen Kühe heilen, eine musste geschlachtet werden.

Am 9. März 2017 war die Milch aller Kühe frei vom Problemkeim GTB. «Es war ein hartes Jahr», wiederholt Peter Hutterli. Zusammen mit Sohn Daniel haben er und seine Frau 13 Monate lang gekämpft. Die Zusammenarbeit mit Agroscope dauerte acht Monate.

Graber sagt, dass die Sanierung bei ausschliesslich von Agroscope betreuten Betrieben jeweils nach neun Monaten abgeschlossen gewesen sei. Die Heilungsrate habe im Durchschnitt bei 93 Prozent gelegen. Im Fall der Familie Hutterli hat die Sanierung der Herde mit älteren Hochleistungskühen mehr Zeit benötigt.

Es kommen keine fremden Kühe auf den Hof, die Rinder dürfen zur Aufzucht aber auf Juraweiden

Nun sind es bald eineinhalb Jahre her, dass der Betrieb saniert wurde. Der diesjährige Test der Tankmilchprobe steht noch aus.

Dieser sollte auch wieder negativ ausfallen. Familie Hutterli achtet strikt darauf, dass ihre Kühe nicht von fremden Kühen angesteckt werden. Sie kauft keine Kühe zu und geht nicht mehr an Ausstellungen. Ihre Rinder gibt sie allerdings zur Aufzucht auf die Juraweiden. Denn es hat sich gezeigt, dass frisch gekalbte Rinder immer GTB frei sind.

Ausserdem achtet die Familie sorgfältig auf die Euter-Hygiene und die Reinigung der Melkanlage. Eine weitere Vorsichtsmassnahme ist ein vermehrtes antibiotisches Trockenstellen vor allem der geheilten Kühe. Denn in der Trockenstehzeit entfalten Antibiotika die beste Wirkung gegen Euterentzündungen. Diese Massnahme ist nur vorüberhegend, um Resistenzbildungen so wenig Raum wie möglich zu geben.

Nicht nur arbeitsmässig wurde von Familie Hutterli viel verlangt, sondern auch finanziell

Peter Hutterli hat Bilanz gezogen und kommt unter dem Strich auf Kosten von rund 25 000 Franken. Nicht inbegriffen sind darin die Analyse- und Beratungskosten. Diese hat Agroscope übernommen.

Während der Antibiotika-Behandlungen musste der Betrieb 10 000 kg Milch wegschütten. Die Kühe wurden jeweils fünf Tage behandelt, danach kamen weitere fünf Tage wegen der Absetzfrist der Medikamente hinzu.

Zwölf züchterisch wertvolle Kühe mussten geschlachtet werden. Ihren Verlust beziffert der Landwirt mit je 1000 Franken.

Die Medikamente kosteten 4500 Franken, die selbst bezahlten Proben 3500 Franken. Die Durchführung des qPCR-Testes (siehe Kasten) kostete – soweit selbst getragen – jeweils CHF 45.

Seit der Sanierung braucht Familie Hutterli weniger Antibiotika für ihre Kühe

Familie Hutterli ist überzeugt, dass sich die Sanierung gelohnt hat. Nun sind die Zellzahlen im Tank wieder wesentlich tiefer. Es gibt viel weniger akute Viertel. Dadurch sind deutlich weniger Antibiotika-Behandlungen notwendig. Es geht weniger Milch verloren und die Kühe sind gesünder. GTB verursacht zu hohe Tank-Zellzahlen. Das kann zu Abzügen und sogar einer Liefersperre führen – davor sind Peter und Corinna Hutterli nun sicher.

Damit die Herde GTB frei bleibt, überwachen sie den Status ihrer Herde laufend. Voraussetzung dafür ist der qPCR-Test. Diesen Test hat Agroscope entwickelt.

Hans Ulrich Graber ist überzeugt: «Die GTB-Sanierung ist keine Hexerei.» Einige Betriebe hätten das Einhalten der Melkreihenfolge auf die Art gelöst, dass sie die kranken und die GTB-unklaren Tiere angebunden und am Schluss zum Melken geführt hätten.