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Energie ist mehr als Strom

Auf jedem Hof lässt sich der Energieverbrauch optimieren, vor allem bei Maschinen, die fast Tag und Nacht laufen. Die Investitionen sind zum Beispiel bei einer Wärme-Rückgewinnungs-Anlage bereits in fünf bis neuen Jahren durch die Einsparungen amortisiert.

Der Stromzähler dreht immer auf dem Bauernhof. Etwas pumpt, saugt, kühlt, heizt oder ventiliert immer. Und so genau weiss man das auch nicht. Gleichzeitig ist die Landwirtschaft im Rahmen der Energiewende auch als Stromproduzent in den Fokus gerückt. Landwirte sollen zu so genannten «Prosumern» werden, Produzenten und Konsumenten.

Allerdings lohnt sich erst einmal ein genauer Blick auf die Verbräuche, bevor man zum Stromproduzenten wird. Das ist vor allem deshalb wichtig, weil die Förderbeiträge für ökologische Stromproduktion deutlich gesunken sind. Nun brechen sie mit dem Umbau des Programms der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) praktisch vollständig weg.

Simon Gisler von AgroCleanTech, einer Klima- und Energie-Initiative der Landwirtschaft, sagt dazu, dass vor allem bei permanent laufenden Anlagen wie Lüftungen, Heizungen oder Kühlungen viel Spar-Potenzial liege. Dazu gehört etwa die Milchkühlung, wo mit einer Wärme-Rückgewinnungs-Anlage laufend heisses Wasser produziert werden kann. Dieses wird zur Reinigung der Melkanlagen ohnehin gebraucht.

Mit einer Wärme-Rückgewinnungs-Anlage reduziert sich der Stromverbrauch um rund einen Drittel. Die Investition beträgt 5000 bis 7000 Franken und ist in fünf bis neun Jahren mit den Einsparungen amortisiert. Zudem gibt es ein Förderprogramm, das 1100 bis 2500 Franken daran bezahlt, abhängig von der Milchmenge.

Ein ähnliches Programm gibt es bei der Effizienz der Melkmaschinen. Die Vakuumpumpen sind meist auf maximale Leistung ausgelegt und ein allfälliger zu hoher Druck wird durch ein Ventil abgeleitet. Mit einem Frequenzumformer lassen sich die Drücke automatisch variieren, ohne dass dauernd Energie durch das Ventil verpufft. Der Frequenzumformer kostet 3500 bis 6000 Franken. Die Förderung dazu beträgt maximal 750 Franken. Der Stromverbrauch sinkt dadurch um zwei Drittel.

Dabei geht es laut Simon Gisler bei all den Massnahmen nicht nur ums Stromsparen allein. Sondern auch um die Überlegung, die Kosten in der Milchproduktion und auf dem Hof generell laufend zu beobachten und zu optimieren.

Förderprogramme unterstützen die Energieeffizienz in der Landwirtschaft finanziell

Ein ähnliches Programm gibt es deshalb auch für Schweinemäster mit den Heizungen für die Ferkelnester (siehe Beitrag ab Seite 10). Ferkel haben es gerne warm, um 30 Grad. Die Muttersäue dagegen bevorzugen Temperaturen unter 20 Grad. Bisher wurden die Nester mit Infrarotlampen geheizt – und damit der ganze Stall.

Nun werden Ferkelkisten gefördert, welche die Wärme zusammenhalten und den Stromverbrauch massiv reduzieren. Das Förderprogramm finanziert 15 bis 25 Prozent der Investitionen, welche den Stromverbrauch um rund 70 Prozent reduzieren. Bei rund 20 Ferkelnestern auf einem Hof sind das 2000 bis 3000 Franken Einsparung beim Strom pro Jahr.

Wer heute eine Solaranlage baut, sollte den Strom auf dem Hof zum grössten Teil selber brauchen

Hat man all diese Einsparungen beisammen, stellt sich die Frage nach der eigenen Stromproduktion. Ohne KEV sind Photovoltaik-Anlagen (PV) mit dem einzigen Ziel der Einspeisung nur noch bedingt interessant. Zwar gibt es noch immer für alle Antragsteller die Einmalvergütung, welche rund 30 Prozent der Investitionskosten abdeckt.

Aber die eigentlichen Abnahmepreise der Stromnetzbetreiber sind so tief, dass sich der Stromverkauf kaum lohnt. Dagegen gibt es in vielen Regionen, insbesondere in der Nordwestschweiz mittlerweile Netzparität beim Strompreis. Das heisst, dass PV-Strom gleich günstig oder gar billiger ist als Strom aus dem Netz. Damit wird der Eigenverbrauch interessant. Ein Umstand, der vom Gesetzgeber gewollt ist. Wer eine Solaranlage hat, soll den Strom möglichst selber brauchen.

Beim Bau einer Solaranlage bedeckt man deshalb heute nicht mehr das ganze Dach mit Panels, sondern richtet Grösse und Leistung der Anlage nach dem eigenen Verbrauch aus. Gleichzeitig wird die betriebliche Organisation so weit wie möglich an den künftigen Energielieferanten auf dem Dach angepasst.

In normalen Haushalten gilt die Drittel-Regel. Einen Drittel der Energie der Solaranlage kann man direkt brauchen, einen Drittel in Batterien speichern, und einen Drittel speist man ins Netz ein.

Auf einem Bauernbetrieb sind die Möglichkeiten vielfältiger, so dass eine Batterie gar nicht zwingend nötig ist. Heizen und kühlen kann man auf einem Hof auch auf Vorrat, so dass sich eine Art «thermische Batterie» ergibt. Entsprechende Steuergeräte um Verbraucher ein- und auszuschalten, sind mittlerweile Stand der Technik.

Auch andere Anpassungen sind möglich. Melken geschieht meist morgens und abends, wenn die Solaranlage weniger Strom liefert. Ein Melkroboter läuft dagegen auch tagsüber.

Und während früher Solaranlagen konsequent nach Süden ausgerichtet wurden, richtet man sie heute oft auch nach Osten und Westen aus. Damit ist der Gesamtertrag marginal kleiner, dafür liefert die Anlage morgens früher und abends noch bis später Strom, entsprechend den betrieblichen Bedürfnissen.

Die Landwirtschaft braucht Energie in erster Linie als fossile Treibstoffe, also Diesel

Wenn in der Energiedebatte jemand «Energie» sagt, meint er damit oft nur Strom. Doch sowohl in der Landwirtschaft wie in der Industrie und in den Privathaushalten macht der Strom nur 20 Prozent des Energieverbrauchs aus. Der Rest sind fossile Energieträger, auf dem Hof vor allem Dieselöl, aber auch Heizöl oder Propangas für Heizungen in Haus oder Stall.

Auch beim Dieselverbrauch sieht Simon Gisler von AgroCleanTech Einsparmöglichkeiten. So reduziert schon der korrekte Reifendruck beim Traktor den Verbrauch deutlich. Beim Mähen sind stumpfe Messer gegenüber scharfen schnell einmal für 20 Prozent höheren Verbrauch verantwortlich. Beim Pflügen macht die Tiefe der Furche einen grossen Unterschied aus. Und manchmal würde es auch reichen, nur zu grubbern.

Die grössten Möglichkeiten haben Grossbetriebe: vor allem jene mit über 100 000 Kilowatt-Stunden Stromverbrauch jährlich. Denn sie können laut Urs Zahnd, Geschäftsführer der Firma Fleco Power, ihren Stromlieferanten frei wählen und oft deutlich günstigere Verträge aushandeln. Fleco Power analysiert vor allem grosse Landwirtschaftsbetriebe auf Optimierungs-Möglichkeiten.

In der Schweiz gibt es ein deutliches West-Ost-Gefälle beim Strompreis. In der Westschweiz aber auch im Kanton Bern und in der Nordwestschweiz in der Region Basel sind die Strompreise höher als in der Ostschweiz oder gar in den Kraftwerks-Kantonen. In den Hochpreiskantonen und im Bereich der freien Stromlieferanten-Wahl lohnen sich Optimierungen deutlich schneller.

Dies trifft bei Neubauprojekten und auch bei Massnahmen im Bereich des Lastmanagements zu. Nachrüstungen dieser Steuerungskomponenten lassen sich laut Zahnd oftmals schwieriger amortisieren. Der Aufwand übersteigt oft das Optimierungspotenzial. Allerdings steht und fällt alles mit dem Willen der Betreiber. Manchmal würde laut Urs Zahnd schon eine Zeitschaltuhr für weniger als 10 Franken helfen.

Einige Kantone bieten den Landwirten massgeschneiderte Energieberatungen an

Für jene Bauern, die vor lauter Strom die Energie nicht mehr sehen, bieten einige Kantone eine Energieberatung an.

So gibt es im Kanton Aargau ein speziell auf die Landwirtschaft zugeschnittenes System. Die Beratung kostet 1050 Franken. Dem Landwirt werden aber nur 250 Franken verrechnet. Wer Mitglied im Bauernverband Aargau ist, erhält nochmals 100 Franken zurück.

Die Berater kommen in der Regel nicht aus der Landwirtschaft. Sie konzentrieren sich ausschliesslich auf die Energie. Felix Arnold vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt hat die Erfahrung gemacht, dass es die Landwirte schätzen, wenn man ihnen genau den Verbrauch der einzelnen Anlagen aufzeigt – und nicht sagt, wie sie den Hof zu führen haben.

So kann jeder Betrieb selber entscheiden, wo Investitionen oder Änderungen bei den Arbeitsabläufen sinnvoll sind, bei all den Maschinen, die Tag und Nacht saugen, kühlen, heizen oder pumpen.