Die Zuchtstiere von Swissgenetics, welche ab 1. Juli in die neuen Ställe Nummer 3 und 4 einziehen dürfen, können sich an ein Leben in Luxus erfreuen. Es gibt 48 Einzelboxen mit je rund 25 Quadratmeter mit einem weichen Tiefstreu-Bett zum entspannten Liegen. Wenn Stier wütend ist, kann er auch zum Einstreu mit den Klauen und Kopf aufwerfen. Das ist kein Problem, neue Streue kommt ja von oben.
Einstreuanlage mit 900 Meter Rohr
Eine Einstreu-Anlage verteilt mit 900 Meter langen Rohren frische Einstreu direkt in jede Box. Die luxuriösesten dieser Boxen verfügen über gar einen Garten, das heisst einen mit Rinden eingestreuten Auslaufbereich. Von dort können sie die grüne Gegend um das Dorf Mülligen in der Nähe der Reuss beäugen und je nach Wetter Sonne, Wind, Regen oder im Winter sogar Kälte und Schneefall geniessen. Das Futter, welches den Stieren vorgesetzt wird, ist eine gesunde, schmackhafte und rohfaserreiche, mit Mineralstoffen angereicherte Mischung auf der Grundlage von Heu.
Das Personal in Mülligen schiebt das Futter von Hand nach, damit auch Fresslust und Gesundheit der Gäste unter Kontrolle bleibt. Für das, was die Stiere nach der Verdauung ausscheiden, gibt es einen zeitgesteuerten Schieber, der allen Mist fortgeschiebt und so riecht es immer gut im neuen Wohfühl-Stall. Vorläufig wird der neue, luftige Stall ohne Ventilation betrieben. Falls sich im Laufe der Zeit zeigen sollte, dass die Luftqualität verbessert werden sollte, kann nachträglich eine Lüftung eingebaut werden.
Ställe von 1964 wurden ersetzt
«Die Erwartungen der Gesellschaft an die Tierhaltung ist in den letzten Jahren gestiegen», erklärte Ulrich Witschi, Vizedirektor von Swissgenetics und Bereichsleiter Produktion, den hohen Komfort der Stiere anlässlich einer Besichtigung vor ausgewählten Medienvertretern. Dies war der Grund, dass Swissgenetics in mehreren Etappen die alten 1964 gebauten Anbindeställe mit Ställen mit Einzel- und Doppelboxen ersetzte. Der Aufzucht- und Quarantänestall in Langnau bei Reiden, der Stall der Stiere in «Wartehaltung» in Bütschwil SG sind bereits auf Freilaufhaltung umgebaut worden. Als letztes waren die Ställe Nummer 3 und 4 Mülligen an der Reihe. Damit verfügten alle Standorte von Swissgenetics über eine Freilaufhaltung, und damit ergebe sich für die Stiere ein hoher Wiederkennungswert auch nach einem Standortwechsel, erklärte Witschi.
Wohl der Tiere und Sicherheit
Im neuen Stall hat man aber nicht nur an das Wohl der Stiere, sondern auch an die die Sicherheit des Personals gedacht. Die Stalleinrichtungen wurden mit der Firma Krieger AG speziell entwickelt. Einerseits sind die Boxen so konzipiert, dass sich die Stiere in der Box nicht verletzen können. So kann ein Stier zum Beispiel nirgends mit dem Nasenring hängenbleiben. Anderseits wurde auch an die Sicherheit des Personals gedacht, in dem Torverschlüsse konstruiert wurden, die vom Stier nicht geöffnet werden können, auch wenn er lange damit herumspielen sollte. Die Fressgitter können halbseitig geöffnet werden, so dass dem Stier bereits im Fressgitter eine Stange am Nasenring befestigt werden kann und er direkt ohne die Führstange zu lösen vom Personal aus der Box geführt werden kann.
Mit dem neuen Stall in Mülligen wurden laut Christoph Böbner, Direktor von Swissgenetics folgende Ziele angestrebt:
- Stärkung des Unternehmens im nationalen und internationalen Wettbewerb
- Sicherung eines hohen Tierwohlstandards durch den Ersatz der veralteten Stallungen
- Verbesserung der innerbetrieblichen Abläufe
- Kosteneinsparung durch die Verbesserung der Effizienz für die Haltung der Stiere und die
Samenproduktion - Moderate Kapazitätserweiterung am Standort Mülligen aufgrund der aktuellen technischen
Entwicklungen rund um die Rindviehzucht (Just-in-time-Produktion, Samensexing, genomische
Selektion) - Umsetzung eines nachhaltigen Betriebskonzeptes (PV-Anlage, Berücksichtigung Schweizer
Unternehmungen, Einsatz von Schweizer Holz)
Nach dem Rundgang im neuen Stall kann man behaupten, dass diese Ziele sehr wahrscheinlich alle erreicht werden. Christoph Böbner betonte, dass mit diesen Investitionen die Rindviehhaltung und -zucht in der Schweiz gestärkt werde. Swisgenetics bekräftige damit den Glauben an den Produktionsstandort Schweiz.
Technische Kennzahlen der neuen Stierenställe 3 und 4 im Mülligen AG
| Baufläche total | ca. 10’000 m2 |
| Abmessung Stall 3 | 60*30m L*B |
| Abmessung Lagerhalle | 60*20m L*B |
| Abmessung Stall 4 | 80*40m L*B |
| Güllelager neu erstellt | 2’200 m3 |
| Anzahl Reihenboxen (Stall 4) | 102 (Einzel- oder Doppelbelegung) |
| Anzahl Einzelboxen (Stall 3) | 48 |
| Anzahl Photovoltaik – Elemente | 2’376 |
| Fläche der Photovoltaik-Anlage | 3’936m2 |
| Produktionskapazität der Photovoltaik-Anlage | 682’000 kWh |
| Bausumme total (in CHF) | 6.7 Mio |

