BauernZeitung-Leser Toni Merki erinnert sich an einen Schulbesuch bei sich auf dem Hof - Teil 1

Toni Merki und seine Kühe haben Besuch einer 2. Klasse aus dem Ort. Dabei geht es hoch zu und her. Die Kinder nehmen viel Stallgeruch und Kuhhaare mit nach Hause.

Es mag um die Jahrtausendwende gewesen sein. Eine Lehrerin unserer Primarschule telefonierte und fragte an, ob sie mit der 2. Klasse unseren Bauernhof besuchen dürfe. Sie würde im Unterricht das Thema «Kuh» behandeln. Gerne sagte ich zu. Ein Besuch von Kindern war meinen Kühen zu gönnen, denn seit ich auf der Lohnliste unserer Gemeinde stand und öfters abwesend war, kamen sie sowieso etwas zu kurz.

Kühe und Schulkinder bunt gemischt

Es kam eine fröhliche, schwatzende Kinderschar mit tausend Fragen. Unsere Kühe fühlten sich sogleich wohl mit ihnen, was auf Gegenseitigkeit zu beruhen schien. In unserem Laufstall gab es bald eine gemischte, bunte Schar von Kühen und Kindern, die sich streichelten und leckten – «Ou het die en ruchi Zunge!» – und beschnupperten. Den Stier Marco hatte ich vorsorglich in ein separates Abteil gesperrt, da er mir mit seinen 1000 Kilogramm doch ein wenig zu gewichtig schien für einen Besuch im Freilauf.

Viele Fragen musste ich beantworten, und am Ende des Besuchs war bald kein Unterschied mehr zwischen Kühen und Kindern. Zumindest nahmen sie viel Stallgeruch und Kuhhaare mit nach Hause. Und der Kuhdreck an den Kinderschuhen, den die Kinder nach Hause brachten, mag manchem Mami die Begeisterung für Kühe gedämpft haben.

Leiter hinauf und dann ins Stroh springen

Bevor die Schüler unseren Bauernhof verliessen, machten sie noch einen kleinen Vitaparcours: Erst die Leiter hinauf auf die Strohbühne, dann einen Sprung durch das Abwurfloch in den Stall hinunter. Zuerst sagte die Lehrerin noch: «Passt aber auf!» Aber dann packte sie das «Strohgumpifieber» auch noch. Also auch sie die Leiter hinauf, und dann Sprung in den Stall.

Ich stellte mir den Lehrer aus meiner Schulzeit vor, wie er mit Kittel und Krawatte und glänzenden Schuhen durch das Strohloch in den Stall hinunter, mitten in einen Kuhfladen sprang!

Zum Abschied gab es für den Besuch noch einen feinen Pausenapfel und für den Bauern und seine Kühen ein herzerfrischendes Lied, vorgetragen von einer fröhlichen Kinderschar und seiner Lehrerin. Mit dem Versprechen meinerseits, dass sie einmal bei der Geburt eines Kälbchens dabei sein dürften, trennten wir uns.

Ein Heft mit Zeichnungen

Nach einer Woche bekam ich mit der Post ein Ringheft zugestellt: «Die Kühe der 2. Klasse» war in sauberer Kinderschrift auf den Umschlag geschrieben. Auf jeder Seite war eine wunderschöne Kinderzeichnung von einer Kuh oder dem Stier Marco. «Ich gebe 20 Kilogramm Milch am Tag», stand daneben geschrieben, oder «Ich heisse Hörnli und habe zwei Hörner» oder «Ich heisse Marco und bin tausend Kilogramm schwer».

Zur Person

Toni ist pensionierter Landwirt. Er liest jede Woche die BauernZeitung von A bis Z und hat im Leben viel erlebt.

Das ist der erste Teil der Geschichte vom Besuch der 2. Klasse bei Toni Merki und seinen Kühen. Den zweiten Teil lesen Sie in der Ausgabe der BauernZeitung vom 26. Februar.

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