Wir sind seit 15 Jahren als Solarunternehmen in der Landwirtschaft tätig und sehen das Marktpotenzial. Aber nach der Tagung der ZHAW in Wädenswil war ich ernüchtert. Zuerst Referate vieler Studien, in die auch einiges an Geldern eingeflossen ist, die das Potenzial und die Machbarkeit von Agro-Photovoltaik (Agro-PV) vorstellten. Dann kam der Hammerschlag – das Referat des Vertreters des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW). Laut BLW darf man solche Anlagen nur erstellen, wenn der Mehrwert aus der Landwirtschaft grösser ist als jener aus der Energieproduktion. Das heisst, eigentlich kommt Agro-PV nur für Spezialkulturen wie Beeren infrage. Dort ist der Deckungsbeitrag (DB) gegeben, und es lässt sich ein landwirtschaftlicher Mehrertrag realisieren.
Riesiges Potenzial bei Kern- und Steinobst
Bei Kern- und Steinobst ist der DB vier- bis fünfmal kleiner – also keine Agro-PV-Anlage, obwohl in diesen Reihenkulturen ein riesiges Potenzial vorhanden wäre. Wir haben im Thurgau schon viele bedeckte Flächen, und ob darauf ein Hagelschutznetz, ein weisser Witterungsschutz oder eine PV-Anlage steht, spielt meines Erachtens keine grosse Rolle. Es ist für mich unverständlich, dass sich das BLW nicht kompromissfreudiger zeigt. Eigentlich liegt es am Landwirt, zu entscheiden, ob er mit einem Apfelertrag von 80 Prozent zufrieden ist und daneben noch 500 000 bis 600 000 kWh Strom pro Hektare produzieren will.
Geht es um Photovoltaik, zückt das BLW die Karte «Fruchtfolgeflächen und Selbstversorgungsgrad schützen», geht es um die landwirtschaftliche Produktion, wird mit der Karte «Extensivierung, Pflanzenschutz- und Nährstoffreduktion» argumentiert. Irgendwann haben wir nicht nur eine Energie-, sondern auch eine Nahrungsmittelverknappung. Ich begreife nicht, dass der Bund meint, er müsse definieren, wo es langgeht. Als gäbe es bei Agro-PV nicht noch andere Stolpersteine. Eine grosse Unbekannte ist beispielsweise die Wirtschaftlichkeit. Zurzeit sind die Strompreise hoch, wie das weitergehen wird, steht in den Sternen. Die Ertragsseite ist also schwierig kalkulierbar.
Keine Investitionshilfen des Bundes
Inklusive Zuleitung, Trafostation und der Agro-PV-Anlage selbst rechne ich mit einem Investitionsvolumen von rund 1,5 Mio Fr. pro ha. Investitionshilfen seitens des BLW gibt es nicht. In die Lücke springt das Bundesamt für Energie mit dem neuen Förderprogramm, das ab 2023 neue Anlagen ohne Eigenverbrauch mit 60 Prozent zu den Gestehungskosten subventioniert. Aber eben nur, wenn der Strom eingespeist und nicht zum Eigenverbrauch genutzt wird. Das heisst, für eine Überdachung von mehr als 50 a braucht es eine Trafostation. Wir beissen uns jeweils die Zähne daran aus, eine Bewilligung für Zuleitungen und Trafostationen zu bekommen. Der Gesuchsweg dauert anderthalb bis zwei Jahre. Die Erschliessung ist zudem sehr teuer und kostet je nach Grösse der Anlage 100 000 bis 200 000 Fr. Das beutelt die Wirtschaftlichkeit. Fazit: Eine Agro-PV-Anlage kommt für viele, die weit weg von einem Netz sind, schon gar nicht infrage.
Ehrlicherweise muss man auch sagen, dass die ganze PV-Branche auf ein Jahr zum Voraus ausgebucht ist. Die Verfügbarkeit von Material ist nicht gegeben, und es fehlen Fachleute. Wir können gar nicht mehr Gas geben, und das lässt sich auch politisch nicht lösen.

