In den letzten beiden Jahren fiel die Kleinandelfinger Holzgant Corona-bedingt aus. Sie findet jeweils am dritten Samstag im März statt und zieht eine beachtliche Anzahl Interessierter an. «Endlich dürfen wir nach zweijährigem Unterbruch unsere Holzgant wieder durchführen. Alle, die Holz ersteigern, erhalten einen Gutschein für Wurst und Brot», hielt Gemeinderat Roger Keller beim Treffpunkt direkt neben den Gedenkstein vom Kleinandelfinger Forstmeister Elias Landolt fest. Danach übernahm Revierförster Oliver Bieri das Zepter.
Forst hat 42 Lose gerüstet
Alles war etwas anders als üblich. «Wir verganten in diesem Jahr alles Holz im Laubhau, so dass wir darauf verzichten, uns mit Traktor und Wagen zu verschieben», sagte Oliver Bieri. Gesamthaft hatte der Forst 110 Ster Brennholz in 42 Losen für die Gant gerüstet. 63 Ster waren reine Buche, 45 Ster bestanden aus anderem Laubholz und ein Ster aus Nadelholz. «Bei der Laubhauhütte hat es eine Liste von Losen, die an vergangenen Ganten verkauften wurden. Ganz alte, wie solche von 2006, werden aber abgeräumt und der Jagd zur Verfügung gestellt», wendete sich Bieri mahnend der Käuferschaft zu.
Danach ging es entlang der alten Pflanzschul- und Grenzstrasse richtig los: Das erste Klafter Buchenholz schnellte von der Ansage von 258 Franken in mehreren Schritten bis auf 280 Franken hoch. Das dritte startete bei 264 Franken und endete bei 290 Franken. Somit schien sich auch in diesem Jahr zu bestätigen, dass gewisse Holzgantteilnehmer sich ganz bewusst vorgenommen hatten, einzelne Sterlose um jeden Preis zu ersteigern. «Ich möchte drei Lose, je eines für jedes meiner Kinder kaufen», lies im Hintergrund ein Gantteilnehmer im vertrauten Gespräch verlauten.
Rekordpreis für einen Ster Birke
Der erste Ster Buche, fein gespalten, wurde von 88 Franken auf 102 Franken und der nächste auf 100 Franken hochgeboten. Den Rekordpreis schaffte ein Ster Birkenholz, der nach der Ansage von 95 Franken bei 115 Franken endete. Die übrigen Lauholzlose, vorwiegend mit Esche, gingen eher tiefer weg. Die Klafter erzielten Preise zwischen 250 und 260 Franken.
Schlussendlich blieb vorerst ein Los Laubholz ohne Bieter. Doch Oliver Bieri zeigte sich überzeugt, dass sich auf für dieses noch ein Käufer finden lässt. Aktuell lagere er zudem trockenes Nadelholz beim Werkhof, das ebenfalls zum Verkauf stehe.
Betriebsplan als Nutzungsinstrument
Im Anschluss ans Mittagessen zeigte Olivier Bieri den Sinn und Zweck eines Betriebsplans auf. «Der Betriebsplan reguliert die Nutzung. Bei uns ist er ab 50 ha verbindlich», führte der Revierförster aus. 2018 wurde der alte Plan einer vollständigen Revision unterzogen und 2020 ein neuer in Kraft gesetzt. «Aktuell verfügen wir über einen Holzvorrat von 290 Festmetern pro Hektare, wobei die Fichte nicht mehr die Hauptholzart ist», erklärte Bieri.
Vor allem die Zwangsnutzungen wegen verschiedener Stürme seit 2017 sowie der Käfer hätten dazu beigetragen, dass deutlich mehr genutzt wurde, als nachgewachsen sei. Um das langfristige Ziel einer nachhaltigen Bewirtschaftung zu erreichen, werde wieder ein Vorrat von 300 Tariffest-Kubikmetern angestrebt.
Insgesamt verfügt die Gemeinde Kleinandelfingen über eine Waldfläche von 352 ha. Davon sind 245 ha in Gemeinde- und 107 ha in Privatbesitz. Der Betriebsplan bestehe aber nur für den Gemeindewald. Hier verzeichne man eine Zuwachs von 8,5 Kubikmeter pro Hektare und Jahr. «Um nun mittelfristig das Ziel von 300 Kubikmetern Vorrat zu erreichen, nutzen wir aber vorerst nur 6,5 Kubikmeter, was pro Jahr 1500 Festmetern entspricht», sagte Bieri. Anhand der verschiedenen Pläne zeigte er auf, wie der als Dauerwald bewirtschaftete Wald in regelmässigen Abständen auf grösseren Flächen durchforstet und genutzt wird. In der Regel werde alle sechs Jahre ein Eingriff durchgeführt.
Einen Versuch mit jungen Eichen

Förster Olivier Bieri legt Wert darauf, dass man eine vielfältige, dem Standort angepasste Baumzusammensetzung hat. Diese kann besser auf aussergewöhnliche Situationen reagieren. Der Holzpreis spiele dabei eine ungeordnete Rolle. «Beim Nadelholz sind wir jetzt wieder auf der Höhe wie vor dem Käferholz, die Buche ist aber immer noch eher tief», fügte Bieri an.
Mitten in einer frisch durchforsteten Fläche zeigte Bieri auf, wie man aufgrund des Betriebsplans vorgegangen ist. Es wurde vorwiegend starkes und schweres Holz genutzt. Zugleich verwies er auch auf einen speziellen Versuch, bei dem man gezielt Einzelpflanzungen von Eichen gemacht hat. Um diese in Konkurrenz zu anderen Arten zu bringen und um ihr Wachstum und ihre Entwicklung zu fördern, wurden Weiden mittels Stecklingen gepflanzt. Diese würden nun die partnerschaftliche Rolle übernehmen, um die Eiche zu fördern.

