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RAM 1500: Pick-up für Country-Musiker und Landwirte

Pick-up-Serie | Viele Jahre musste man seinen Dodge RAM 1500 mühsam im Direktimport in den USA bestellen. Aber seit zwei Jahren gibt es den Pick-up mit dem Widderkopf im Frontgrill ganz einfach beim Schweizer Importeur. Ein Ausflug ins Albisgüetli.

Mit einem Perspektivenwechsel gewinnt man neue Einsichten. Wann zum Beispiel haben wir beim Autofahren je einem SUV aufs Dach schauen können? Jetzt steht ein SUV neben uns an der Ampel, oder eher unter uns. Warum schielt der Fahrer so irritiert herüber? Ausserdem wüssten wir gerne, was die Kleinwagen-Pilotin vor uns denkt, wenn sie den chromblitzenden Widderkopf des RAM 1500 formatfüllend im Rückspiegel sieht (Ram: engl. Widder).

Mit dem Pick-up die Country- Band vom Flughafen abholen

Ein US-Pick-up auf Schweizer Strassen kann die Massstäbe sprengen, erst recht in Zürich. Sorry, wir müssen mit dem Dodge RAM 1500 mitten hinein in die Stadt – wir sind verabredet.

Denn das Herz des Mittleren Westens der USA schlägt jedes Jahr im Februar und März im Zürcher Schützenhaus Albisgüetli. Dann steigt hier während 31 Tagen das längste Country- Festival der Welt.

In 35 Jahren standen im Albisgüetli schon 2000 Bands auf der Bühne, fast alle Country-Grössen haben hier gespielt: The Mavericks, die Bellamy Brothers und Kruger Brothers, Rosanne Cash und John Carter Cash. Die Dixie Chicks hatten hier 1994 ihren ersten Auftritt in Europa – so wie 2019 die aktuelle US-Chart-Stürmerin

Maggie Rose. Und legendär ist Flaco Jiménez von den Texas Tornados, der sturzbetrunken von der Bühne fiel.

«Sie waren alle bei uns, als wir sie uns noch leisten konnten», grinst Albi Matter. Seit 35 Jahren organisiert er das Festival. Eben hat er «The Last Bandoleros» vom Flughafen abgeholt, die heute Abend das Haus rocken sollen. Und ziemlich irritiert sind vom RAM 1500: «Was ist am RAM 1500 so besonders?» Der sechs Meter lange Pick-up rolle so zahlreich durchs heimatliche San Antonio in Texas, wie in der Schweiz der VW Golf.

Von 2006 bis 2010 hatte es Dodge schon einmal mit einer kompletten Modell-Palette in Europa versucht, aber das Abenteuer 2010 abgebrochen. Dann: Auftritt Fiat. Der italienische Konzern spannte mit Dodge-Mutter Chrysler zusammen, verschmolz mit ihm zu FCA und räumte auf im Marken-Wildwuchs der US-Schwester. Die Pick-ups wurden neu als Dodge RAM gebündelt.

Seit Sommer 2017 sind sie in der Schweiz über den Importeur AGT Europe in Pfäffikon SZ zu haben – regulär und ohne lästige Formalitäten wie beim Direktimport.

Jedenfalls ist ein RAM 1500 SLT Classic eine andere Hausnummer als die europäischen Konkurrenten der Eintonnen-Klasse. Mit 860 Kilogramm ist die Zuladung für die fast drei Qua- dratmeter messende Pritsche zwar ähnlich. Dafür dürfen aber 3,5 Tonnen an den Zughaken – da kommt kein Europäer mit.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt, die Technik ebenfalls

Seit Modelljahr 2019 gibt es zwar eine nagelneue 1500er-Generation mit deutlich verändertem Design, aber unser Exemplar ist «Classic» und wird als günstiges Einstiegsmodell weiterhin verkauft. Jedes PS kostet 120 Franken – unschlagbar.

Technisch ist der «Classic» immer noch auf dem neusten Stand der Technik: Sein 400-PS-V8 säuselt betörend und verfügt über die aktuelle Spritspar-Technik (siehe Kästchen).

Üppige 5,7 Liter Hubraum hat das flüsterleise Kraftwerk unter der esszimmertischgrossen Haube – damit baut Konzernmutter Fiat gleich sechs Autos. Die butterweich und unmerklich schaltende Acht-Stufen-Automatik ist so serienmässig wie der zuschaltbare Allradantrieb inklusive Sperren und Geländeuntersetzung.

Im Interieur gibt es zu Sitz- und Lenkrad-Heizung auch eine Rückfahrkamera und ein Infotainment-System mit 8,4 Zoll grossem Touchscreen, der auch bei Maserati den Weg weist – ebenfalls eine Fiat-Tochter.

Beim Parkieren in einer Schweizer Garage sehnt man sich nach Parkpiepsern vorne. Und in der Tiefgarage nach einer Dachkamera, die den Platz zu Rohren und Leitungen an der Decke checkt. Überhaupt ist der RAM beim Parkieren herausragend, weil immer ein Stückchen übersteht.

Der Fahrer schwebt über dem Asphalt, der Koloss lenkt flott ein

Ansonsten: Ein US-Pick-up, wie man ihn sich vorstellt. Der RAM 1500 füllt die Fahrspur und weil man so erhaben über dem Asphalt zu schweben scheint, rollt man schnell mal jenseits des Tempolimits daher und muss den Gasfuss zügeln. Aber wenns darauf ankommt, lenkt der Koloss erstaunlich flott und präzise ein.

Der Komfort überzeugt ebenfalls. Die Sitze im XXL-Format umschliessen uns geradezu, der Fahrersitz lässt sich in zehn Achsen elektrisch verstellen und die neun Lautsprecher tönen kristallklar, wenn man das V8-Grundrauschen ignoriert.

Die Verarbeitung des Interieurs ist überraschend gut, obwohl Hartplastik dominiert. Ein- und Ausstieg sollte man aber üben. Mit welchem Bein zuerst aufs Trittbrett, damit es nicht dem anderen im Weg steht? Und beim Hinabrutschen beim Ausstieg gewinnt man ebenfalls keine Haltungsnote. Dafür dreckige Hosenbeine, wenn man vorher im Matsch unterwegs war.

Pluspunkte des Dodge RAM 1500 sind das serienmässige Sonnen-Schiebedach, die umlegbaren Rücksitzlehnen im Fond und die unzähligen Ablagefächer. Nur schon die Box zwischen den Vordersitzen könnte eine komplette Sammlung aller Johnny-Cash-CDs aufnehmen.

Sänger und Gitarrist Derek James von «The Lost Bandoleros» mahnt zum Soundcheck, schliesslich soll es im Schützenhaus heute Abend mindestens so gut klingen wie im RAM 1500.

Macht der «American Way of Drive» auch in der Schweiz Sinn? In Zürich definitiv nicht. Aber mit SUV-Komfort, praller Ausstattung und der üppigen Anhängelast füllt er genau die Anforderungslücke, die die europäische Konkurrenz offen lässt. Erst recht zu diesem Preis.

Pick-up Serie

Auf vielen Höfen ist ein Pick-up als «Zweit-Traktor» im Einsatz. «die grüne» testete ein Jahr lang die besten Pick-ups in der Praxis. Heft 02/2018: Renault Alaskan Heft 03/2018: GMC Sierra 1500 SLE Heft 04/2018: Isuzu D-Max Heft 08/2018: Fiat Fullback Heft 09/2018: SsangYong Musso Heft 10/2018: VW Amarok Heft 11/2018: Mercedes X Heft 12/2018: Nissan Navara Heft 01/2019: Ford Ranger Heft 02/2019: Wildtrak Toyota Heft 03/2019: Hilux Mitsubishi L200

Gegen den Durst: Moderne V8-Motoren

V8-Motoren sind in Europa in Verruf geraten – als trinkfreudige Gesellen, unvereinbar mit heutigen Ansprüchen an Verbrauch und Emissionen. Mit Ausnahme potenter Sportwagen – wo sie oft noch grössere V12 verdrängen – sind sie daher meist durch V6 mit Turboaufladung ersetzt. Doch in den USA halten sie sich weiterhin. Ihr Vorteil: Hohes Drehmoment aus niedrigen Drehzahlen – fast wie beim Diesel, der in den USA aber ungeliebt bleibt. Tiefe Dreh- zahlen senken auch den Verschleiss und fördern die Langlebigkeit. Immerhin: Das Saufen wurde ihnen abgewöhnt. Statt 25 l/100 km und mehr wie noch vor 20 Jahren, kommen sie heute auf dem Papier mit der Hälfte aus – und liegen in der Praxis verträgliche 1,5 bis 2 l darüber. Grund sind Innovation wie die variable Ventilsteuerung, die rund fünf Prozent mehr Leistung bei fünf bis zehn Prozent weniger Verbrauch bringt. Oder die Zylinderabschaltung, die vier Töpfe bei geringem Leistungsbedarf in die Pause schickt.

Dodge RAM 1500 Crew Cab SLT Classic 5,7 AWD

Masse 5,92m × 2,08m × 1,97 m Ladefläche: 2,92 m2 Ladehöhe: 0,54 m Leergewicht: ab 1975 kg Antrieb V8-Benziner, 5,7 Liter, 212 kW/400 PS, 555 Nm max. Drehmoment, Allradantrieb, Achtstufen-Automat. Ausstattung u.a. Klimaanlage, schlüsselloser Zugang, Infotainment mit 8,4-Zoll-Touchscreen, umlegbare Rücksitze, Tempomat, 6 Airbags. Kosten und Verbrauch Modell «Classic» ab 47 900 Franken inkl. MwSt. Verbrauch 12,8 l/100 km, CO2-Emissionen ab 317 g/km, Energieeffizienz G www.dgrn.ch/RAM1500