Der Munimast-Betrieb von Familie Gröger liegt in Gempen SO auf einem Hochplateau. Deshalb hat sich Roger Gröger, der Betriebsleiter, beim Stallneubau 2020 viele Gedanken um die Wasserversorgung gemacht.
700 Meter über Meer
Alle Wasserquellen, die sonst ein Landwirtschaftsbetrieb in Anspruch nehmen würde, seien auf dem 700 m ü. M. liegenden Hof nicht vorhanden. Es gebe keinen direkten Zugang zum Grundwasser, keine Bäche oder Flüsse. «Alles Wasser, was in Gempen ankommt, läuft zuerst davon», scherzt Roger Gröger. Zudem habe die Gemeinde mit einem Preis von 2,90 Franken pro Kubikmeter relativ teures Wasser. Letztes Jahr sei der Preis sogar über 3 Franken gewesen. Das teure Wasser sei der Hauptbeweggrund gewesen, um eine Regenwasseraufbereitungsanlage zu bauen.

800 Einwohner in Gempen
Ein anderer Punkt sei die Versorgungssicherheit, meint Roger Gröger: «Was ist, wenn die Pumpen im Dorf ausfallen, oder es einen Wasserleitungsbruch gibt? Allein ein Stromausfall wäre kritisch», sagt der Betriebsleiter.
Der Betrieb bietet Raum für 470 Mastplätze plus 90 Aufzuchtplätze. Der Hof liegt auf der gleichen Höhe wie das Wasserreservoir von Gempen, deshalb habe der Betrieb sowieso eine Druckerhöhungsanlage gebraucht.
«Bei der Grösse des Betriebes müssen wir Sicherheit in der Wasserversorgung haben», so Roger Gröger. Auch würde ihm die zunehmende Trockenheit sorgen machen.
«Ich kann 11 000 Franken pro Jahr sparen.»
Kalkuliert Roger Gröger, der Betriebsleiter, über seine Wasser-Aufbereitungsanlage.
Der neu gebaute Stall hat eine Dachfläche von 2500 m². «Anstatt das Regenwasser versickern zu lassen und es wieder hochzupumpen, nutzen wir es sofort», sagt Gröger. Beim Pumpen müsse eine Höhe von 300 Meter unterwunden werden.

Keine Anlagen für Nutztiere
Die Nutzung von Regenwasser zum Vertränken an Nutztiere steckt noch in den Anfängen. Es sei relativ schwierig gewesen, an Informationen oder praktisches Wissen zu kommen, meint der Munimäster. Auch die BauernZeitung recherchierte zu diesem Thema, fand aber keine Firma in der Schweiz, die eine Anlage speziell für die landwirtschaftliche Nutzung baut.
Weder die Firma Krieger AG noch die Firma Moser Stalleinrichtungen AG, die Roger Grögers Stall gebaut hat, bieten eine Dachwasseraufbereitung zum Vertränken an Nutztiere an. Die Firma Moser Stalleinrichtungen AG könne aber beim Stallbau eine Anlage miteinplanen. Dahingegen gibt es mehrere Anbieter, die ehemalige Tanks umrüsten oder neu installieren. Das Wasser wird in diesen Anlagen erst grob gefiltert und dann als Brauchwasser in WCs oder zur Bewässerung von Gärten genutzt.
Dies war auch die Idee von Roger Gröger: «Es war ein Pilotprojekt, die Anlage zu bauen, wir probieren erst mal das Minimum.» Als erstes sei die Frage der genügenden Wasserqualität im Raum gestanden. Deshalb habe er den 250 Kubikmeter grossen Wassertank gebaut, der Regenwasser vom neuen Stalldach zunächst speichert. Daraufhin seien ein einfacher Filter und eine braune Pumpe installiert worden. Wasser, das für Rinder bereitgestellt wird, darf einen höheren Keimgehalt aufweisen als Trinkwasser.

UV oder Ozon
«Wir haben das Wasser regelmässig getestet und einfach an die Muni vertränkt», so der Betriebsleiter. Die Keimzahlen seien überraschenderweise immer in dem erlaubten Spektrum gewesen. Die Tiere hätten keine Reaktion auf das gefilterte Regenwasser gezeigt.
«UV-Strahlung kann Bakterien töten.»
Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz.
Nach einer Testphase sei aber ein Problem mit dem Geruch des Wassers entstanden. «Wenn es lange nicht geregnet hat, ist die Keimzahl erhöht», so Roger Gröger. Die Keimzahlen seien nach jedem Niederschlag aber wieder gefallen. Daraufhin habe er eine UV-Desinfektionsanlage installiert.
UV-C-Strahlung ist in der Lage, Bakterien und Viren zu töten. Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz sind Desinfektionssysteme, bei denen Personen sicher vor der UV-Strahlung geschützt sind, unproblematisch. Dazu muss die UV-C-Quelle in einer geschlossenen Einheit verbaut sein, so dass anwesende Personen keiner UV-C-Strahlung ausgesetzt sind.
Von einer Desinfektion des Dachwassers mit Ozon wurde dem Betriebsleiter abgeraten: «Die Hersteller selbst sagten mir, der Umgang mit Ozon sei relativ gefährlich für den Benutzer». Das Ozon könne ausgasen, die Einspeisung sei deshalb schwierig.
Vorteile der UV-Anlage wären vor allem der Preis und die einfache Installation. Die UV-Strahlung würde 99.99 % der Keime vernichten, bevor das Wasser in den Tränkekreislauf für die Muni eingespeist wird.
Wasser «ernten»
Der Wassertank würde momentan nur vom neu gebauten Stalldach gefüllt, je nach Tier-anzahl und Regenmenge müsse auch von den alten Dächern Wasser «geerntet» werden, so Roger Gröger. In Solothurn liegt die langjährige Jahresniederschlagssumme (seit 1999) bei 954 mm. Gröger rechnet mit 10 Kubikmetern am Tag bei 500 Tieren.
Kosten von 15 000 Franken
Wichtig sei ihm bei der Planung die einfache Handhabe gewesen. Es müsse nur ein Filter manuell gereinigt werden, alle anderen seien selbstspülend. Er schätze, dass die Anlage ohne grossen Wassertank zirka 15'000 Franken gekostet habe. Genauer könne er es nicht sagen, da er die Anlage erstens zusammen mit dem Dorfsanitär selbst geplant habe und die Arbeitsstunden nicht genau beziffern könne, berichtet Roger Gröger.
Das Regenwasser an die Kälber zu vertränken, könne er sich momentan noch nicht vorstellen. Diese seien sehr heikel und dementsprechend bräuchten sie eine höhere Wasserqualität. «Die Kälber haben noch nicht so ein ausgeprägtes Immunsystem», begründet Gröger.
Das Projekt läuft weiter
Das seit sechs Monaten laufende Projekt geht weiter, Roger Gröger sei dabei, mit einer Firma zu planen, das Wasser keimfrei zu filtern. Auf den Einsatz von Chemie möchte er jedoch weiterhin verzichten.
Das Zusammenspiel der Regenwasser-Vertränkung mit dem voll automatisierten Stall des Betriebes erklärt Roger Gröger gerne zum Tag der offenen Tür am 3. und 4. September auf seinem Hof in Gempen.

