Das Navi macht Schwierigkeiten. Denn viele Wege führen in die Blindenau in Stein, Appenzell-Ausserrhoden. Zu Fuss wären es von der Kantonsstrasse ein paar hundert Meter, aber schliesslich muss die Mercedes X-Klasse mit zur Fischzucht von Klaus Signer. Der Blick auf die gute, alte Strassenkarte richtet es dann.
Grüne Hügel, Teiche im goldenen Licht, in der Ferne der Hohe Kasten: Bis vor vierzig Jahren baggerte Signers Grossvater hier ganz profan nach Kies. Jetzt wühlen sich nicht mehr Bulldozer, sondern deutlich kleinere Krabbeltiere durch die Gründe der Naturteiche.
Die Fischzucht von Klaus Signer war die erste in der Schweiz mit dem Bio-Knospe-Label
Seit zwanzig Jahren züchtet Klaus Signer auf dem längst wieder ergrünten Gelände Bachforellen, Zander und – Süsswasser-Edelkrebse. Sozusagen Hummer «en miniature». «Ich bin kein Fischer, nie gewesen», sagt Signer.
Doch damals überzeugte ihn sein Kollege Ueli Weniger, Angler und Hobbykoch, dass die aufgelassene Grube ideal wäre für Fischaufzucht. Keine Wasserzusätze ausser Sauerstoff, keine technischen Eingriffe: «Wir waren die schweizweit erste Fischzucht mit dem Bio-Knospe-Zertifikat», erinnert sich Signer.
Es begann als Hobby und blieb es bis heute: «Wir verkaufen etwa 4000 Fische und rund 1500 Krebse im Jahr – davon kann man nicht leben», sagt Signer. Umso mehr Spass hat er an seinen Events für Unternehmen und Gruppen, die bei ihm Krebse schauen und speisen können.
Die meisten der in freier Wildbahn vom Aussterben bedrohten Krebse gehen aber nicht wie der Fisch auf die Teller der Restaurants in der Region, sondern in die Wiederansiedlung der heimischen Art.
Im grössten der beiden Naturteiche dürften gut 100 000 Krebse leben – in allen Grössen von frisch geschlüpft im Wespenformat bis zu ausgewachsenen Tieren. «Gezählt habe ich natürlich nicht», grinst Signer. Wie es um den Bestand steht, sieht er an den männlichen, geschlechtsreifen Tieren: Fangen sich viele mit Kampfverletzungen in den Reusen, weiss er, dass die Population zu gross ist und er mehr herausholen sollte. Seine Forellen bedienen sich allerdings auch bei den Jungkrebsen.
Auf der Ladefläche des Mercedes X hat es Platz für Reusen, Netze und Fischkisten für die Kunden
Eine Menge Transportaufgaben für einen Pick-up wie die Mercedes X-Klasse: Reusen, Netze und Kescher liessen sich ebenso auf der über zwei Quadratmeter grossen Ladefläche verstauen wie Fischkisten zur Auslieferung an die Kunden. Schon aussergewöhnlich, dass eine Nobelmarke wie Mercedes ins Geschäft mit den Lastenträgern einsteigt. Nicht, dass bisher jemand einen Pick-up im Programm vermisst hätte. Aber beim japanischen Kooperationspartner Nissan gab es mit dem Navara bereits eine Basis, die sich leicht umstricken liess. Den Nissan gibt es daher nun in drei Ausführungen. Denn auch Renaults Alaskan basiert auf der gleichen Technik.
Leiterrahmen, ein 2,3 Liter grosser Turbodiesel in zwei Leistungsstufen mit 163 oder 190 PS und zuschaltbarer Allradantrieb – die Technik ist identisch. Und auch im Interieur erkennt man ein paar Nissan-Teile wieder. Dennoch entwickelte Mercedes die aufgesetzte Kabine neu – die X-Klasse ist ein wenig breiter.
Im Inneren des Pick-ups steckt viel Mercedes-eigene Elektronik, die sich von der Konkurrenz abhebt
Und implementierte so viel eigene Elektronik wie möglich: In der Mitte thront ein Mercedes-Monitor, gesteuert per Stellrad hinter dem Schalthebel, die Instrumente und Lüftungsdüsen kennt man aus anderen Benz-Baureihen und Sterne allerorten sagen: Mercedes, nicht Nissan.
Mercedes bietet nur die Doppelkabine mit kurzer Ladefläche an, dazu vier verschiedene Abdeckungen für die Pritsche, Zurr-Ösen, Anhängerkupplung für 3,5 Tonnen Anhängelast und eine Ladebett-Auskleidung als Kratzschutz – besser so, weil Reusen immer ein wenig rostig sind.
Aber ein Blick auf die markentypisch lange Optionen-Liste zeigt: Als reines Arbeitstier scheint die X-Klasse eigentlich nicht gedacht. Und so ganz hält sie bei den Fahreigenschaften nicht mit den anderen Modellen der Marke mit – die Lenkung ein wenig ungefähr, die Hinterachse federt kurz und trocken und so ganz samtweich geht der Turbodiesel nicht zu Werke.
Aber die Offroad-Eigenschaften mit zuschaltbaren Sperren und Geländeuntersetzung überzeugen beim Krabbeln im Gelände. Mercedes wird auch noch ein Topmodell nachreichen, mit V6-Diesel und permanentem Allradantrieb aus dem eigenen Regal.
Bei der Mercedes X-Klasse macht sich die schwere Ausstattung beim Zuladen bemerkbar
Nur rund 900 Kilo – etwas weniger als die meisten Konkurrenten – dürfen unter Einhaltung des zugelassenen Gesamtgewichts zugeladen werden. Die schwerere Ausstattung macht sich da bemerkbar. Aber das passt schon für Signer: Im Oktober werden rund 5000 Jungforellen in die beiden kleinen Aufzuchtteiche neben seinem typischen Appenzellerhaus einziehen: Der Grundstock für den Bestand im nächsten Jahr. Sie werden in 200-Kilo-Portionen in Wassertanks transportiert, da würde die X-Klasse gut ausreichen.
Die Krebse kann Signer dagegen leicht in Wannen tragen. Signer fasst sie vorsichtig am Schwanz und achtet auf die Scheren: «Sie sind nicht so kräftig wie bei Hummern, aber messerscharf.»
«Und streitlustig sind die Tiere obendrein.» Das haben sie dann doch mit ihrer grossen Salzwasser-Verwandtschaft gemeinsam.
Masse
Mercedes X 250 d 4Matic Power 5,34 m × 1,92 m × 1,82 m Ladefläche: 2,35 m2 Ladehöhe: 0,43 m Leergewicht: ab 2234 kg Antrieb R4-Turbodiesel, 2,3 Liter, 140 kW/190 PS, zuschaltbarer Allradantrieb, Siebenstufen-Automat Ausstattung u.a. Klimaanlage, schlüsselloser Zugang, 8-Zoll-Touchscreen, umlegbare Rücksitze, Tempomat, 6 Airbags Kosten und Verbrauch Basismodell X 220 d 4Matic: ab 38 200 Franken Topversion X 250 d 4Matic Power: ab 48 505 Franken (beide exkl. MwSt.) Verbrauch: 7,9 l/100 km, CO2-Emissionen ab 207 g/km www.mercedes-benz.ch/ Mercedes-Benz/X-Klasse→
Pick-up-Serie
Immer öfter ist auf dem Bauernhof ein Pick-up als «Zweit-Traktor» im Einsatz. «die grüne» testet in einer exklusiven Serie die besten Pick-ups. Heft 02/2018: Renault Alaskan Heft 03/2018: GMC Sierra 1500 SLE Heft 04/2018: Isuzu D-Max Heft 08/2018: Fiat Fullback Heft 09/2018: SsangYong Musso Heft 10/2018: VW Amarok Die nächsten Folgen: Heft 12/2018: Nissan Navara Heft 01/2018: Ford Ranger Heft 02/2019: Toyota Hilux Heft 03/2019: Mitsubishi L200
Auf allen Vieren mit Allradantriebe
Allradantrieb ist für alle Pick-ups auf dem Schweizer Markt lieferbar – und macht eben auch Sinn: Denn wer auf losem oder matschigem Untergrund viel Gewicht und noch einen Anhänger bewegen will, braucht Kraft auf alle Räder. Aber die Systeme unterscheiden sich. Die meisten Modelle bieten zuschaltbaren 4×4: Standardmässig wird nur die Hinterachse angetrieben. Bei Bedarf lässt sich per Drehschalter dann die Vorderachse zuschalten, meist auch noch eine Geländeuntersetzung. Wichtig: Der Wechsel muss bei den meisten Modellen in Bewegung erfolgen – steckt man im Schlamassel, kann es zu spät zum Zuschalten sein. Für schweres Gelände ist er aber die ideale Lösung. Einen permanenten, sich variabel und automatisch auf den Untergrund anpassenden 4×4 gibt es nur beim VW Amarok und bei der Topversion der X-Klasse. Dieser Antrieb hilft vor allem im Winter, wenn sich Untergründe blitzschnell ändern können.

