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Interessant für Schweizer Wälder: Douglasien trotzen Klimawandel und Borkenkäfer

Der aus Nordamerika stammende schnellwüchsige Nutzbaum wird in unsern Wäldern immer beliebter. Die Douglasie ist in der Bauwirtschaft sehr gefragt und für Waldeigentümer wirtschaftlich interessant. Fichte und Tanne werden deswegen aber nicht ersetzbar.

Plötzlich steht sie vor einem, zwischen Fichten und Tannen in einem Waldstück oberhalb Selzach. «Wie eine Walze», sagt Thomas Studer, Leiter des zuständigen Forstbetriebs Leberberg. Oder wie ein Kanonenrohr, bis sechzig Meter hoch und von unten bis oben gleich mächtig. Die Rinde hingegen, sie ist grobborkig und fühlt sich leicht und samten an. Dass dieser sanfte Baumriese hier steht, hat Thomas Studer seinen Vorgängern zu verdanken. «Lange war dies Staatswald und stand unter der Verantwortung von Forstingenieuren, die gerne auch mit unbekannteren Baumarten experimentierten», sagt er. Mit Erfolg: Die Douglasien entwickeln sich hier am Jura-Südfuss prächtig. «Sie lieben tiefgründige Böden an lichtvollen Standorten in Höhenlagen zwischen 450 und 700 Metern, damit ihre Herzwurzeln greifen können», sagt er. Sie lieben es aber auch, in jungen Jahren gehegt und gepflegt zu werden. «Die besten Erfahrungen machen wir mit Gattern, die sie vor dem Fegen schützen», sagt Thomas Studer.

Wirtschaftlich interessant

Trotz des relativ hohen Aufwandes, Douglasien einzubringen – für Thomas Studer lohnt sich der Aufwand gleich doppelt. «Zum einen ist dieser Baum wirtschaftlich sehr interessant, denn ein reifer Stamm bringt eine Ausbeute von bis zu 15m3 und ein Holz, das fast nicht kaputtzumachen ist», sagt er. Tatsächlich ist die Zuwachsleistung der Douglasie bis doppelt so hoch wie bei Fichte und Tanne, und auch die Holzerlöse liegen deutlich höher. Denn dank international gültiger Normen und einem guten Erforschungsstand ist Douglasienholz ein überaus marktfähiger Baustoff, der auch wegen seiner rötlichen Färbung, seiner Festigkeit und natürlicher Dauerhaftigkeit in der Holzindustrie und im Holzbau zunehmend nachgefragt wird.

Zum andern ist die Douglasie aber auch interessant für die Waldgemeinschaft. «Sie ist besser in unser Ökosystem eingeführt, als ihr nachgesagt wird», sagt Thomas Studer, auch wenn für ihn klar ist, dass man rein aus Gründen der Biodiversität die Douglasie nicht fördern müsste.

Stabilität wird erhöht

Doch: «Sie bringt Stabilität und sorgt für ein interessant gestuftes Waldbild.» Gerade in Zeiten des Klimastresses macht sie einen guten Job. «Sie hat die Hitze- und Dürreperioden der letzten Jahre gut überstanden», bestätigt Thomas Studer, «und sie ist uninteressant für den Borkenkäfer». Und was ist mit der Invasivität, die der Douglasie oft vorgeworfen wird? Das WSL in Birmensdorf gibt Entwarnung: Die Douglasie ist nach Schweizer Standard nicht invasiv.

Bereicherung der Artenvielfalt

Das sieht auch Thomas Studer so. «Nur selten können wir eine Naturverjüngung feststellen», sagt er. Flächig anpflanzen wird Thomas Studer die Douglasie trotzdem nicht. «Dies entspricht nicht unserer Philosophie der Dauerwald-Bewirtschaftung, die auf kleinflächige Verjüngung im Waldesinneren mit möglichst grosser Artenvielfalt setzt», sagt er. «Aber einzeln oder truppweise eingestreut ist sie eine grosse Bereicherung.»

Schnellwüchsig und klimaresistent

Das bestätigt auch Matthias Bruder vom Forstbetrieb Rietenberg im Aargauischen Dintikon. Er pflegt die freie Hiebsführung und sieht die Douglasie ebenfalls als wichtige Ergänzung. «Bei uns stellt der Einbau der Douglasie keine hohen Anforderungen», sagt er. Im Gegenteil: «Bei uns geht sie ab wie eine Rakete!» 1020 Hektaren Wald umfasst sein Forstrevier. Rund fünf Prozent beträgt der Douglasienanteil in seinem Revier. «Unser Ziel ist, diesen Bestand zu halten oder leicht zu erhöhen», sagt Bruder, «dies vor allem aus wirtschaftlichen Überlegungen. Die Douglasie ist schnellwüchsig, am Holzmarkt gesucht und eine der wenigen Baumarten, die sowohl klimaresistent ist, zur Artenvielfalt beiträgt, als auch der Holz- und Bauwirtschaft nützt.»

Lässt sich mit dieser Bepflanzungsstrategie auch die Frage nach der Rolle der Douglasie als Nutz-Baumart der Zukunft beantworten? «Ja», sagt Thomas Studer.

Nutzbaum der Zukunft

«Sie kann und wird einen Beitrag leisten für die Stabilisierung der Mittellandwälder und für den Erhalt einer gesunden Holzwirtschaft. Aber eine überragende Rolle als eigentlicher ‹Brotbaum› wie die Fichte oder Tanne wird die Douglasie kaum übernehmen können. Mindestens in den tieferen Lagen wird die Holzwirtschaft auf verschiedene Baumarten setzen müssen. Eine davon kann die Douglasie sein.»

Wertasten ist sehr wichtig

In der Tat seien Douglasien derzeit gefragt und erzielen gute Preise, bestätigt David Schraner, BetriebsleiterForst bei der Korporation Willisau. Diese bewirtschaftet rund 534 ha Wald, der Anteil Douglasien sei überdurchschnittlich hoch. «Vor rund130 Jahren sind hier viele dieser Bäume gepflanzt worden; wieso, wissen wir eigentlich nicht.» In den Wäldern stünden noch heute sehr viele alte und schwere Douglasien. Die Korporation pflanze seit einigen Jahrzehnten auch wieder aktiv junge Bäume an, denn die hätten hier Tradition, seien Kultur und würden sich in der Region bewähren. Er stellt auch fest, dass sich Douglasien bei trockenem Wetter besser halten als Fichten und Tannen, somit dem ändernden Klima besser angepasst sind. Zudem würden sie trotz ihrer Höhe besser im Wind stehen. Zu achten sei in den ersten Jahren auf Schneedruck. Douglasien könnten aber Fichten und Tannen nie ersetzen, sollten auch keinesfalls rein angebaut werden. «Sonst haben wir wieder die gleichen Probleme wie mit Fichten.» Wer Qualitätsholz wolle, müsse junge Douglasien unbedingt wertasten. Auf dem Markt würden vor allem astfreie, grobe Qualitäten gute Preise erzielen, während die Kronpartien schwierig abzusetzen seien.

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