Bei Rapid dreht sich alles um Steilhänge. Das Unternehmen, an dessen Fabrik im topfebenen Killwangen-Spreitenbach jeder Zug zwischen Zürich, Bern und Basel vorbeifährt, ist seit Jahrzehnten für jeden Schweizer Landwirt ein Begriff.
«Der Rapid» ist der Motormäher, wie «die Vespa» der Motorroller ist. Rapid macht noch immer genau das, was auch die Gründer im Jahr 1926 vorhatten. Die Firma baut Einachser.
Karl Welter und Arnold Rutishauser gründeten damals die Rapid Motormäher AG. Sie bauten ihre aus heutiger Sicht ziemlich klobigen, aber für die damalige Landwirtschaft schon extrem fortschrittlichen Maschinen in einer Fabrik bei der damaligen Sihl-Papierfabrik in Zürich. Da, wo heute das Einkaufszentrum Sihl-City steht. Nach dem Krieg zog Rapid um in eine neue Fabrik in Dietikon und da entstand ab 1959 der legendäre, bis 1978 produzierte Rapid Spezial.
Mit dem Multitalent Rapid Spezial ging es ab 1959 steil bergauf
Der Motor des Rapid Spezial trieb vorne und hinten eine Zapfwelle an, was ihn unglaublich vielseitig machte: Mähen, Kreiseln, Schnee pflügen, Seilwinde antreiben und vieles mehr. Ein Anhänger, der über die Zapfwelle angetrieben wurde, machte den Rapid Spezial zum allradgetriebenen Multifunktions-Transporter für Heu und Holz und Familie.
Noch heute ist der Rapid Spezial der Star vieler Oldtimer-Treffen und Hochzeiten. Sogar halbautonom pflügen konnte er. Dank einer speziellen Vorrichtung und schrägstellbaren Rädern folgte er selbstständig der letzten Ackerfurche und auf beiden Seiten des Feldes wurde er jeweils von einem Mann umgedreht und fuhr dann allein wieder zurück.
Der Rapid Spezial konnte alles und war auch für die zahlreichen kleinen Schweizer Betriebe erschwinglich – eine Art Schweizer Sackmesser mit Motor.
Der Absatz des Rapid Spezial war buchstäblich reissend. In den 1960er-Jahren kam der Verkaufsleiter von Rapid jeweils an den Stand der Olma, öffnete das Bestellbuch und schon bildete sich eine lange Schlange mit kaufwilligen Bauern. Sobald auf der letzten Zeile ein Name stand, schloss er das Buch und sagte den restlichen Wartenden: «Die Jahresproduktion ist ausverkauft, Sie können es nächstes Jahr wieder versuchen».

Rapid hat eine Fertigungstiefe von über 65 Prozent
Diese Vielseitigkeit des Rapid Spezial hat sich auch in den neuen Rapid-Maschinen erhalten. Allein schon das Mähen ist eine Wissenschaft für sich, sei es die Fingerbreite der Messer oder die Art der Messer. Bauern wollen einen möglichst sauberen Schnitt, damit das Gras schnell nachwächst, Werkhöfe lieben gröbere Klingen, damit sie nicht so oft mähen müssen.
In der Fabrik in Killwangen gibt es eine schon unübersichtliche Vielfalt von Mähbalken. Hier entstehen aber auch Mulcher, Bodenfräsen, Schneepflüge und vieles mehr.
Rapid hat eine Fertigungstiefe von über 65 Prozent. Mit Ausnahme von Gussteilen, Motoren und einiger mühsam zu automatisierenden Montagearbeiten wird praktisch alles in der eigenen Fabrik hergestellt. Gegen den Trend, immer mehr Arbeiten in Niedriglohn-Länder zu verlagern, hat Rapid die Produktion in der Schweiz behalten und stattdessen in einen sehr teuren, aber hocheffizienten computerisierten Maschinenpark investiert.
Die Maschinen laufen rund um die Uhr
Damit ist die Produktion vieler Komponenten mittlerweile in der Schweiz billiger als in Osteuropa oder Fernost. Denn auch dort sind Löhne und Kosten in den letzten Jahren markant gestiegen.
Da diese Werkzeugmaschinen Tag und Nacht laufen müssen und das landwirtschaftliche Geschäft zyklisch ist, fertigt die Firma auch für Kunden aus anderen Branchen und entwickelt in der Engineering-Abteilung Systeme im Auftrag. So entstehen hier parallel zu den Motormähern auch komplizierte Teile für Flugzeuge, Lokomotiven und Autos. Insbesondere auf einer weit herum einzigartigen computergesteuerten Rühr-Reib-Schweissmaschine.
Rapid in Zahlen
Die Rapid Holding AG besteht aus den beiden Bereichen Industrie und Immobilien. Der Industriebereich wiederum ist unterteilt in:
- Engineering und Manufacturing für Drittkunden
- Land- und Kommunaltechnik mit den Produktbereichen Rapid Einachsgeräteträger, Brielmaier Einachsgeräteträger, Roboflail Mulchraupen und Canycom Raupentransporter
Rapid machte 2020 mit 167 Vollzeitstellen (davon vier Lernende) einen Umsatz von 47 Mio. Franken und einen Gewinn von rund 2 Mio. Franken.
Am europäischen Markt für Einachsgeräteträger hat Rapid zusammen mit den unter der Marke Reform vermarkteten und von Rapid hergestellten Maschinen sowie der ebenfalls zu Rapid gehörenden Marke Brielmaier einen Marktanteil von rund 50 Prozent.
Bei 120 Grad Hangneigung ist der Mensch der limitierende Faktor
Mit der aggressiven Investition in High-Tech-Fertigung und möglichst grosse Eigenproduktion ist Rapid bisher sehr gut durch die Corona-Pandemie gekommen. Aber auch hier gibt es Schwierigkeiten. Um trotz Sicherheitsabständen die vielen Bestellungen bewältigen zu können, wird nun auch am Samstag gearbeitet. Und in der Auslieferungshalle warten Dutzende fertiger Maschinen auf Benzintanks, die noch immer nicht geliefert wurden. Die Tanks gehören wie die Mikrochips und die Subaru-Robin-Motoren zu den wenigen zugekauften Komponenten.
Aber selbst sie werden für den Einsatz am Steilhang optimiert. Zu den einfacheren Dingen gehört noch die Stahlkugel am Ende des Treibstoffschlauchs im Tank, damit der Motor in jeder Schräglage und bei fast leerem Tank noch das letzte Schlücklein Benzin findet.
Mit ihren breiten Stachelwalzen fahren die Mäher Hänge hoch, die so mit 120 Grad Hangneigung so steil sind, dass an ihnen das Gehen gefährlich ist. Der Bauer ist am sichersten, wenn er sich an der Maschine festhalten kann. «Im steilen Gelände ist für uns der Mensch und seine Fähigkeit, die Maschine zu bedienen, der limitierende Faktor», sagt Vertriebsleiter Lukas Zumsteg.
Zum Lieferumfang beim Steilhangmäher REX gehören deshalb mittlerweile auch Steigeisen – nicht aus Spass, sondern für die Sicherheit der Leute, die damit arbeiten. Mittelfristig wird aber niemand mehr hinter der Maschine hergehen müssen. Der Bediener wird die Maschine aus sicherer Entfernung von einem einigermassen ebenen Punkt aus steuern – oder sie arbeitet komplett autonom.
Der Rapid Twister ist Konkurrenz für die Sense und den Laubbläser
Die neue Rapid-Generation löste ab den 1990er-Jahren in der Berglandwirtschaft eine stille Revolution aus. Sie erreichen mittlerweile auch Wiesen, die früher nur von Hand mit der Sense gemäht werden konnten. Mähen ist eines, Zusammennehmen ein anderes. Mit den Abräumgeräten Twister und Multitwister geht auch das nun viel einfacher. Auf einer Wiese, auf der früher die ganze Familie das trockene Futter einen ganzen Tag lang talwärts rechen musste, ist eine Person alleine mit dem Multitwister heute in zwei Stunden fertig.
Die Twister-Anbaugeräte wurden sofort ein riesiger Erfolg: «Unser Vertreter im Wallis wurde einmal auf dem Heimweg von einem lichthupenden Auto auf der Autobahn verfolgt und hielt darauf an. Es war ein Bauer, der von der anderen Talseite her die Vorführung der Maschine mit dem Feldstecher beobachtet hat und unbedingt sofort auch eine wollte», erzählt Lukas Zumsteg.
Aber der Twister löst auch noch andere Probleme. In den letzten Jahren stiegen viele Bauern bei der Futterernte vom Rechen auf den Laubbläser um. Das kam aber bei Feriengästen gar nicht gut an, auf welche die ländlichen Bergregionen oft genauso angewiesen sind wie auf die Landwirtschaft. Während das Tuckern eines Einachsers für sie zum guten Ton der Ferien gehört, sind sie auf Laubbläser allergisch.
In Belgien fahren die Gärtner mit dem Rapid durch die Stube
Seit den grossen Zeiten des Rapid Spezial hat sich die Firma immer stärker in die Berglandwirtschaft zurückgezogen. Und so erfolgreich sie dort ist, die Stückzahlen sind begrenzt. Rapid will deshalb wieder zurück ins Flachland. Die künftigen Geschäftsfelder sind nebst der Landwirtschaft die Kommunaldienste sowie der Garten- und Landschaftsbau.
Zudem würden autonom fahrende Einachser in grossen Flachlandbetrieben viele Fahrten mit einem schweren Traktor übers Feld ersetzen. Das schont die Böden, zumal in der Bio-Landwirtschaft mit mechanischer Unkrautbekämpfung deutlich häufiger gefahren werden muss.
Einen speziellen Markt sieht Rapid in Belgien. Dort werden traditionellerweise lange Zeilen von Reiheneinfamilienhäusern gebaut – und dann muss noch der Garten gestaltet werden, ohne Zugang von der Strasse her. Den Gärtnern bleibt dann oft nichts anderes übrig, als mit den Maschinen durch die Wohnzimmer in die Gärten zu fahren.
Die schmale Spur der Rapid-Geräteträger kommt ihnen entgegen, weil sie durch alle Balkontüren passen, in den dahinterliegenden oft recht grossen Gärten aber dennoch ein professionelles Resultat mit der Arbeitsbreite eines Traktors ermöglichen.

Rapid fährt nur dort, wo Arbeitsstunden mehr als 5 Dollar kosten
Bei solchen internationalen Expansionsprojekten verlieren sich Firmen oft. Garten und Landschaftsbau ist überall, aber nicht in jedem Land passt ein hochpreisiges Schweizer Produkt. Bei Rapid hat man da sehr genaue Vorstellungen: «Ein Rapid macht überall da Sinn, wo die Arbeitsstunde mehr als 5 Dollar pro Stunde kostet und wo die zu bearbeitenden Flächen steil, eng oder kleinteilig sind», sagt Lukas Zumsteg.
Damit lässt sich genau rechnen, am Steilhang und in der Ebene. Die grössten Märkte von Rapid sind aber noch immer die Alpenländer. Und da vor allem die Schweiz und Österreich, wo von Rapid hergestellten Mäher auch in Rot und mit dem Logo der Firma Reform unterwegs sind.
Komplett neue Märkte erschliesst der nagelneue elektrische Rapid URI, von dem vorläufig 200 Stück pro Jahr für 15 000 Franken verkauft werden sollen. Mit dem vollelektrischen Geräteträger kommt Rapid runter vom Berg – damit es auch in Zukunft weiter bergauf geht.
Rapid in Zahlen
Die Rapid Holding AG besteht aus den beiden Bereichen Industrie und Immobilien. Der Industriebereich wiederum ist unterteilt in: Engineering und Manufacturing für Drittkunden Land- und Kommunaltechnik mit den Produktbereichen Rapid Einachsgeräteträger, Brielmaier Einachsgeräteträger, Roboflail Mulchraupen und Canycom Raupentransporter Rapid machte 2020 mit 167 Vollzeitstellen (davon vier Lernende) einen Umsatz von 47 Mio Franken und einen Gewinn von rund 2 Mio Franken. Am europäischen Markt für Einachsgeräteträger hat Rapid zusammen mit den unter der Marke Reform ver- markteten und von Rapid hergestellten Maschinen sowie der ebenfalls zu Rapid gehörenden Marke Brielmaier einen Marktanteil von rund 50 Prozent. www.rapid.ch
Rapid URI
Rapid URI heisst der erste elektrische Einachsgeräteträger für Landwirtschaft und Kommunaltechnik. Der Rapid URI kann mit vielen Anbaugeräten für Reinigung und Winterdienst im kommunalen Bereich betrieben werden. Aber auch in der Landwirtschaft zum Mähen und Mulchen, für Futterernte und Bodenbearbeitung. Ein Achsmotor mit 1,2 kW Leistung und ein Zapfwellenmotor mit 3 kW ergeben die maximale Leistung von 4,2 kW, was einem Verbrennungsmotor mit 9 bis 10 PS entspricht. Der Rapid URI kostet inkl. Batterie-Set mit Ladegerät 15 000 Franken, vergleichbare «Benziner» 9000 Franken. Die Mehrkosten sollen in vier bis sechs Jahren amortisiert sein. Zum Podcast mit dem elektrischen Rapid URI
Kurz & bündig
Die Rapid Einachsgeräteträger sind vor allem im Berggebiet auf fast jedem Bauernhof im Einsatz. Je nach Modell fahren die Ein-achser an Böschungen und Hängen bis 120 Grad Hangneigung. Rapid hat eine Fertigungstiefe von über 65 Prozent und stellt mit Aus-nahme von Gussteilen und Motoren praktisch alles selbst her. Der neue vollelektrische Rapid URI ist das Modell für die Zukunft.

