Kinder bei den täglichen Aufgaben im Haushalt einzubeziehen, hat viele Vorteile. Sie lernen früh, dass sie ein Teil des Teams sind und dazu beitragen können, die familiären Aufgaben zu erledigen. Sie erkennen, dass sie Verantwortung für ihr Zuhause übernehmen können und ihr Einsatz und ihre Hilfe geschätzt werden.
Durch Wertschätzung und Anerkennung fühlen sich Kinder motiviert und sind bereit, weiterhin im Haushalt zu helfen. Von der Entwicklung von Verantwortungsbewusstsein bis hin zur Förderung der Selbstständigkeit gibt es zahlreiche positive Aspekte, die sowohl den Kindern als auch den Eltern zugutekommen. Also lassen Sie Ihre Kinder mithelfen – es lohnt sich.
Planung der Aufgaben
Geben Sie Ihren Kindern klare Anweisungen, die ihren Fähigkeiten angemessen sind. Lassen Sie sie etwa ihre eigenen Betten machen oder die saubere Wäsche in die Schränke einsortieren. Bessern Sie die erledigten Aufgaben nicht nach, sondern beachten Sie, dass die Aufgaben altersgerecht sind und den Interessen des Kindes entsprechen.
Wichtig ist, dass kleine Kinder kleine, überschaubare und möglichst konkrete Aufgaben übertragen bekommen. «Räum dein Zimmer auf!» ist eine Aussage, die schnell in Überforderung endet: Wo soll man anfangen, wo aufhören? Lassen Sie die Kinder ihre eigenen Ideen und Vorschläge einbringen. Überfordern Sie die Kinder nicht, sie sollen genügend Freizeit und Raum zum Spielen und Entspannen haben. Seien Sie geduldig und geben Sie Ihren Kindern die Möglichkeit, sich zu entwickeln und Fehler zu machen. Loben Sie sie für ihre Mitarbeit und zeigen Sie ihnen, wie wichtig ihre Unterstützung für das Funktionieren des Haushalts ist.
Richtig loben
Durch Lob verstärken Eltern Positives bei ihren Kindern. Kinder bis zum Alter von acht Jahren lernen vor allem durch Lob, während Tadel und Kritik noch wenig Wirkung zeigen. Zwölfjährige können schon besser mit negativen Rückmeldungen umgehen und aus ihren Fehlern lernen.
Doch nicht jedes Lob ist förderlich und sinnvoll. Manche Eltern meinen es zu gut und überhäufen ihre Kinder mit Lob. Seien Sie ehrlich und glaubwürdig! Loben Sie nur, wenn auch Grund dafür besteht. Kinder haben ein Gespür für unaufrichtiges Lob. Wird ein Kind wegen jeder Kleinigkeit und wegen Leistungen gelobt, die es schon lange kann – etwa Schuhe binden –, verliert das Lob seine Wirkung.
Loben Sie keine Selbstverständlichkeiten. In dem Moment, in dem Sie Banalitäten und selbstverständliche Dinge durch Lob hervorheben, zeigen Sie, dass Sie schon mit wenig zufrieden sind und dem Kind nicht allzu viel zutrauen. Setzen Sie Massstäbe und loben Sie die Kinder auf gehobenem Niveau.

Haushalten mit Spass
Mit Kindern im Haushalt zu arbeiten, soll positive Gefühle geben. Das gelingt eher, wenn man die Aufgaben spielerisch angeht. Zum Beispiel:
- Musik und Tanz: Spielen Sie fröhliche Musik während der Hausarbeit und tanzen Sie gemeinsam mit Ihren Kindern.
- Rollenspiele: Zum Beispiel kann ein Kind «der Superstaubsauger» sein und den Boden saugen, während ein anderes Kind «der Wäschekünstler» ist und Ihnen beim Sortieren der Wäsche hilft.
- Wettbewerbe: Wer kann schneller die Spielsachen aufräumen oder wer kann die meisten Socken in den Wäschekorb werfen?
- Geschichten erzählen: Wohin fliegt das Spielzeug, wenn im Kinderzimmer aufgeräumt wird, oder wer hat das Rüebli gepflanzt, das geschält wird?
- Zeit zusammen verbringen: Stellen Sie sicher, dass Sie während der Hausarbeit Zeit mit Ihren Kindern verbringen. Sprechen Sie miteinander, lachen Sie und nehmen Sie sich auch Zeit für eine kleine Snack- oder Kuschelpause.
Daniela Joder: Die Geschichte meines pädagogischen Versagens
Mein Haushalt ist ein perfektes Zusammenspiel von Chaos und Zufall, aber es funktioniert. Kleine Kinder zur Mitarbeit zu motivieren, das war für mich kein Problem. Manchmal musste ich ihren Tatendrang sogar bremsen. Insbesondere, als der Älteste seine Rasenmäherphase hatte und am liebsten jeden Tag das Gefährt starten wollte. Jeder ist anders und doch gleich Doch spätestens mit der Pubertät war es angebracht, cool zu sein, statt der Mutter zu gefallen. Aber es gibt nach wie vor Knöpfe, dich ich drücken kann. Allerdings braucht es Fingerspitzengefühl und den richtigen Zeitpunkt; so muss ich zugeben, mache ich die Dinge – pädagogisch völlig unkorrekt – fast lieber selber. Aber da sind wir alle recht transparent, ob wir gerade diskutieren mögen oder nicht. Und da meine Kinder auch meine Gene haben, funktionieren wir recht ähnlich. So kann ich gut verstehen, wenn meine Tochter sagt: «Mama, jetzt wollte ich gerade die Abwaschmaschine ausräumen. Aber wenn du es befiehlst, kann ich es nicht mehr machen.» Immerhin reflektiert ist sie. Egal, welche Strafe ich mir ausdenken würde, sie würde nie «gehorchen». Aber sie hat glücklicherweise einen ausgeprägten Bemutterungstrieb, dank dem sie sich freiwillig um die Familie kümmert. Schlimmstenfalls hilft Mitleid Ganz anders funktioniert der Jüngste. Er ist Kapitalist und stets hungrig und da er mein Essen nicht mag, zaubert er des Öfteren eine Mahlzeit auf den Tisch. Und da er auch nur eine Hose mag, startet er, sobald sie schmutzig ist, ebenfalls die Waschmaschine. Habe ich eine grössere Aufgabe zu erledigen, ist er zumindest mit einem finanziellen Zustupf zu motivieren. Ja und dann der Älteste, dem ist alles egal. Ich kann es höchstens mit Mitleid versuchen. Aber da ich nicht jeden zweiten Tag eine Grippe vortäuschen mag, erspare ich mir meistens den Ärger, mit ihm zu diskutieren. Ihn stört keine Unordnung, kein fehlendes Geschirr – sind die Kleider nicht gewaschen, zieht er die alten wieder an, bevor er wäscht. Meinem Blutdruck zuliebe mache ich die Aufgaben zumeist selber, bevor ich ihn bitte, zu helfen. Ihn kann man eigentlich nur über seine Faulheit motivieren, zum Beispiel, wenn ich drohe, das Mama-Taxi einzustellen, falls er nicht zuerst die Wäsche wegräumt und die Abfallsäcke rausbringt. Und er kann grossartig einkaufen. Fehlt im Haushalt etwas, geht er auch nach einem langen Arbeitstag ohne zu murren noch einkaufen. Daniela Joder ist Redaktorin bei der BauernZeitung und Mutter von drei Kindern
Jeanne Göllner: Macht es Freude, weil es (noch) freiwillig ist?
Meine Töchter sind 7 und 5 Jahre alt. Fixe Ämtli im Haushalt haben sie noch keine, ausser beim Aufräumen ihres Spielzeugchaos zu helfen, bevor am Donnerstag unsere Putzfee kommt. Ausgerechnet bei diesem Aufräumen hapert es am meisten. Ich weiss nicht, ob es daran liegt, dass es sonst eben noch freiwillig ist, auf jeden Fall helfen sie bei anderen Tätigkeiten gerne im Haushalt mit. So streiten sie sich zum Beispiel regelmässig darum, wer den Geschirrspüler ausräumen darf. Überhaupt komme ich eigentlich nie dazu, dies zu tun, ohne dass die Kleine ankommt und mir behilflich sein will. Genauso gerne räumen sie die Waschmaschine ein oder helfen beim Wäscheaufhängen, allerdings hängt dann alles so kreuz und quer, dass ich es eigentlich lieber selbst mache. Auch staubsaugen oder den Boden feucht aufnehmen finden sie (noch) ein Highlight. Am liebsten auf dem Hof Besonders gerne gehen sie allerdings der Grossmutter zur Hand, wenn sie bei ihr auf dem Bauernhof sind. Nüsse und Äpfel auflesen, Beeren pflücken, den Teich reinigen, die Ponys putzen und auf die Weide bringen, überall sind sie mit Begeisterung dabei. Die Grosse sagt sogar, es gebe nicht Schöneres, als dem Düdi (Grosi) zu helfen. Wie lange diese Begeisterung anhält, wird sich weisen. Mein Bruder und ich mussten als Kinder in einem normalen Ausmass auf dem Hof mithelfen, vieles davon habe ich gerne gemacht, vorausfahren beim Heuen oder Kartoffelgraben, Tiere füttern, den Tisch decken. Das Geschüttel bei der Zwiebelernte auf dem Roder oder beim Zwiebelputzen am Förderband zu stehen, mochte ich weniger. Meine Hassarbeit war immer Aufräumen und ist es bis heute geblieben, dicht gefolgt vom Wäschezusammenlegen und Fensterputzen. Küche ist Männersache Ich finde es wichtig, dass meine Kinder lernen, dass sich der Haushalt nicht von alleine erledigt – und dass sie mit einer modernen Rollenteilung aufwachsen. Sie fragten bislang nicht mich, was es zum Abendessen gibt, sondern ihren Vater, weil die Küche sein Revier ist. Ich habe zwar etwas Sackgeld bekommen, aber hatte ab 13 immer mal kleine Nebenjobs und ab 15 Jahren dann richtig gearbeitet neben dem Gymi, erst in einem Laden, später an der Rezeption eines Campingplatzes. Unsere Töchter sollen das später auch so machen – und lernen, dass man für Träume arbeiten muss. Jeanne Göllner ist Redaktorin bei der BauernZeitung und Mutter von zwei Kindern

