In der wichtigsten Modezeitschrift «Vogue Schweiz» las ich folgenden Eintrag: «St. Gallen, im März 2023. Unsere Reporterin machte die grösste je gesehene Auswahl aus: alle Farben waren zu sehen, mit teils raffinierten Stickmotiven auf Brusthöhe, schmale Silhouetten, aber auch bequem-weite, überhüftlange Modelle. Das schmeichelnde Material hüllt die Träger in komfortable, pflegeleichte Wärme. Die ‹Tier & Technik› ist in der Tat die grösste Ansammlung von Faserpelzen und Fleecejacken, die wir je gesehen haben.»
Ich bin etwas neidisch, weil ich als ehemalige Modegurke keinen «Fasi» habe und auch keinen brauche. Tatsache ist aber, dass ich einmal mehr begeistert durch die Messe-hallen der «Tier & Technik» stolziert bin. Dies anlässlich der Verleihung des Agro-Stars. (Ihnen muss ich nicht erklären, was das ist und wer ihn dieses Jahr erhalten hat.)
Ich bin begeistert und fasziniert, weil ich einen Blick in Produktion und Aufzucht, Stallbewirtschaftung und Maschinenangebot werfen durfte. Traktoren, fast so gross wie ein Haus, Automatisierungsanlagen für Stall und Feld, elektronische Erntehelfer und Jätcomputer, Wetter- und Wassersensoren – Wahnsinn!
Jeder Konsument (ja, ja, Konsumentinnen mitgemeint) müsste dies einmal gesehen haben, um eine Vorstellung zu erhalten, wie sich die Landwirtschaft verändert hat. Fast kommen die Tiere, die ja einen wichtigen Anteil an unsere Ernährung leisten, zu kurz. Aber nur fast. Weit hinten in einer Halle steht die Aufschrift «Beautysalon». Nichts wie hin, denke ich, vielleicht kann man mich da noch etwas optimieren. Weit gefehlt. Hier werden Kühe rasiert – ich glaubte es kaum, auch die Euter –, schamponiert, gestriegelt, geputzt, kecke Stirnfransen effiliert und aufs Prächtigste ausstaffiert. Da gibt es auch noch die Kälbli, die für den Jööööö-Effekt sorgen, Geissen und Schafe, so knuddelig, dass man sie immerfort streicheln möchte.
Und dann gibt es alles, aber auch wirklich alles, was man für eine erfolgreiche Eier- und Hühnerproduktion braucht. Sie dürfen kräftig lachen. Aber ich muss gestehen, dass ich gar noch nicht allzu lange weiss, dass Legehennen und Mastgeflügel nicht das Gleiche sind … oje. Es liegt zwar auf der Hand, wenn man kurz darüber nachdenkt, denn ein feines Pouletschenkeli ist wohl kaum den lieben langen Tag draussen herumgerannt, wie das die Eierproduzentinnen dürfen.
Dieses Saftige des für mich feinsten Hühnerfleisches kann ja nur entstehen, wenn sich das Güggeli möglichst wenig bewegt. Genau wie beim Menschen. Wer ständig hockt, setzt Fett an und wird ein Fest für Kannibalen.
Zurück zum Huhn. Und zur grassierenden Aviären Influenza, die nicht nur Epidemiologen den Schweiss auf die Stirne treibt. So hat der Bund verhängt, dass Legehennen nicht mehr ins Freie dürfen – dies aus sehr nachvollziehbaren Gründen.
Eine Ansteckung mit Vogelgrippeviren könne verheerende Folgen haben. Am Wochenende konnten wir der Sonntagspresse sogar alarmierende Aussagen bezüglich Übertragung und Ansteckung von Tier zu Mensch entnehmen. Es ist also von höchstem Interesse, die Anweisungen des Bundes zu befolgen.
Wir Konsumenten sollten Verständnis aufbringen und auch einmal Fünfe gerade sein lassen. Will heissen: Ich esse lieber ein Ei, das kurzzeitig nicht ganz korrekt mit «Freiland» deklariert ist, statt mich zu hintersinnen, ob hier wohl eine Konsumententäuschung vorliegt. Unser aller Ziel ist es doch, schnellstmöglich wieder zum Courant normal zurückkehren zu können und der Vogelgrippe den Garaus zu machen.
Frohe Ostern allerseits!

