Herr Ryter, was zeichnet das schwarzbraune Bergschaf SBS aus?

Hans Ryter, Präsident Vereinigung des SBS:Das schwarzbraune Bergschaf ist genügsam. Wie der Name schon sagt, gehört dieses Schaf in die Berge: Es ist wendig, berggängig, robust und ein guter Raufutterverwerter.

Die Rasse ist ausserdem sehr fruchtbar. Sie lammt asaisonal ab. Zwillinge sind bei der Geburt fast schon die Regel. Ich empfehle aber dennoch: Nicht mehr als drei Ablammungen in zwei Jahren von einer Aue zu erwarten. Schliesslich kostet Geburt und Aufzucht ihrer Jungtiere das Muttertier auch Energie.

Wie sieht es denn mit der Fleischigkeit aus?

Die Fleischigkeit ist nicht ganz so ausgeprägt, wie beispielsweise beim weissen Alpenschaf. Doch das SBS macht das wett, indem mehr Lämmer pro Aue und Jahr abgesetzt werden können. Die Milchleistung der Mutter ist ansprechend, so dass Tageszunahmen um die 370 Gramm möglich sind.

Die Wirtschaftlichkeit ist also gegeben?

Einerseits ja, denn Lammfleisch ist gefragt und wir können einen guten Preis erzielen. Die Kosten können ausserdem moderat gehalten werden, wenn den Muttertieren das betriebseigene Futter verfüttert wird. Das SBS ist für die extensive Haltung gut geeignet, wodurch die Kosten im Rahmen gehalten werden.

Andererseits wird die Rasse heute oft von Nebenerwerbsbetrieben oder Liebhabern ausserhalb der Landwirtschaft gezüchtet. Sie fokussieren oft nicht spezifisch auf die Wirtschaftlichkeit. Das soll keine Kritik sein, schliesslich machen sie wertvolle Zuchtarbeit. Es ist vielmehr eine Feststellung. Da uns dies bewusst ist, können wir darauf achten, dass wir bei der Züchtung die wirtschaftliche Haltung nicht aus den Augen verlieren.

Welche Rolle spielt die Wolle bei der Wirtschaftlichkeit: Hat sie auch einen Wert?

Ich selbst habe noch nie die Wolle meiner Schafe weggeworfen. Sie kann im Garten als Dünger, für Isolationen im Gebäudebau oder auch für warme Decken verwendet werden. Der Verkaufserlös zahlt mir die Schur allerdings nicht.

«Vernachlässigen wir die Wolle, leiden die Schafe.»

Hans Ryter, SBS-Vereinigung

Trotzdem ist die Wolle relevant und es ist sehr wichtig, dass wir ihr Wert beimessen, auch in der Zucht. Denn eine gute Wolle isoliert und schützt die Schafe vor Wind und Regen und Sonne. Vernachlässigen wir die Wolle, leiden die Schafe.

Woran arbeiten Sie züchterisch?

Es gibt einen Trend zu grösseren, mächtigeren Schafen – nicht nur bei unserer Rasse. Doch dem wollen wir eher etwas Gegensteuer geben, damit das SBS ein kleineres, leichteres Schaf für die Berge bleibt. Nebst der Berggängigkeit fördern wir auch die Gesundheit, die Widerstandsfähigkeit und die Fruchtbarkeit.

Doch in erster Linie geht es uns um den züchterischen Erhalt der Rasse. Dafür bekommen wir vom Bund auch Geld – was einerseits schön ist. Andererseits ist es bedenklich, dass eine solche finanzielle Hilfe überhaupt nötig ist, um das SBS zu erhalten.

Welche Herausforderungen beschäftigen die SBS-Züchter?

Der Wolf erschwert die Alpung der Schafe stark. Auch hier sind zwar die Entschädigungen des Bundes hilfreich – doch eigentlich würden wir lieber unsere Schafe unversehrt und gesund behalten, als Geld zu beziehen.

Ausserdem kommt die Moderhinke-Sanierung auf uns zu. Das ist eine tolle Sache, möchte ich betonen. Ich selbst bewirtschafte eine Alp im Kandertal BE und fahre dort eine harte Linie: Kranke Schafe nehme ich nicht. Ausserdem liess ich ein Klauenbad hochfliegen, zur Behandlung bei Symptomen. Der Aufwand ist gross und wir werden Zeit brauchen, bis die Seuche vollständig ausgerottet ist. Aber es lohnt sich.

ZUM PORTRÄT DES SCHWARZBRAUNEN BERGSCHAFS IM NUTZTIER-LEXIKON