Es war ein Schock für die Coop-Labelproduzenten. In der Adventszeit haben sie einen Brief von Coop erhalten, der ihnen die Vorweihnachtszeit vermieste: Die Zahl der Naturafarm-Schweine soll um 30% reduziert werden, während die Prämie von bisher 50 auf bis zu 20 Rappen sinken kann. Das Kälberprogramm will der Basler Grossverteiler bis Ende Jahr gar komplett kippen, bis Mitte 2019 ist eine Reduktion um die Hälfte geplant.

Zweimal zwei Stunden für die Produzenten

Die Pläne von Coop haben in der Branche für Aufruhr gesorgt. Es war vor allem das Vorgehen, das sauer aufstiess. Man empfand das Vorgehen in bäuerlichen Kreisen als hochgradig unpartnerschaftlich.

Am Montag kam es nun zu einem ersten Gespräch zwischen Vertretern von Coop und Produzenten. Dabei nahm sich der Leiter Frischprodukte und Geschäftsleitungsmitglied Philipp Wyss zweimal zwei Stunden Zeit für die Schweine- und Kälberproduzenten. Eine Einigung wurde offenbar noch nicht erzielt, aber im Februar will man die Gespräche fortsetzen.

Herkunft Schweiz wichtiger als Label

Am Tisch sass an der Schweinesitzung auch Meinrad Pfister, Präsident von Suisseporcs. Auf Anfrage bezeichnet er die Gespräche als "soweit gut". Die Gegenseite habe die Anliegen der Produzenten ernst genommen. Man habe eine Fortsetzung und eine nächste Sitzung im Februar vereinbart, vorhin könne man keine Ergebnisse kommunizieren.

Für ihn sei die wichtigste Erkenntnis gewesen, dass aus Sicht des Grossverteilers die Herkunft Schweiz viel bedeutsamer zu sein scheint, als das Label. Er habe dies zum Anlass genommen, die Coop-Vertreter zu beten, auch zum Schweizer Schweinefleisch zu stehen und entsprechend zu handeln.

Lockvogel-Angebote drücken auf den Labelabsatz

An beiden Sitzungen zugegen war Martin Rufer vom Schweizer Bauernverband (SBV). Auch er wollte noch keine Resultate kommunizieren. "Inhaltlich sagen wir gar nichts vor der nächsten Runde", so Rufer. Unabhängig von den aktuellen Gesprächen müsse man sich ernsthafte Gedenken über den Fleischmarkt machen. Es sei besorgniserregend, dass in der öffentlichen Diskussion immer mehr Tierwohl verlangt werde, während man an der Theke anscheinend nur beschränkt bereit sei, mehr dafür zu bezahlen.

Diese Entwicklung ist aus Sicht von Rufer zu einem grossen Teil aber auch hausgemacht. "Fleisch wird leider fast wie Waschpulver vermehrt für Lockvogel-Angebote missbraucht", sagt er, "die Grossverteiler bieten es möglichst günstig an und reduzieren so langfristig die Wertigkeit, das schlägt auch auf den Labelabsatz", ist Rufer überzeugt.

Coop wollte sich mit Verweis auf die laufenden Gespräche nicht äussern.

Was passiert mit den frei werdenden Kapazitäten?

Im Hintergrund geht es bei der aktuellen Auseinandersetzung von Coop und ihren Lieferanten um die Labelvolumen wohl auch um die Konkurrenz zur Migros, die für ihr Terrasuisse-Label deutlich weniger Labelprämie, nämlich rund 20 Rappen pro Kilo bezahlt. Das dürfte den Basler Grossverteilern ein Dorn im Auge sein. Gespannt darf man sein, wie der Schritt von Coop den Labelmarkt nun beeinflusst. Es ist durchaus möglich, dass andere Detailhändler in die Bresche springen, die Stallplätze sind ja vorhanden.

akr