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Zentralschweiz
Publiziert: 05.03.2019 / 15:34
Ein Safarizelt zwischen Obstbäumen

Die Gebrüder Peter wollen mehr Leute auf ihren Biohof holen. Dazu setzen sie auf neue Trends wie "Glamping" und Crowdfunding - die Finanzierung ist schon geglückt.

Das Ziel lag bei 11 000 Franken. Nach rund 20 von 30 Tagen Laufzeit liegt der Spendenstand bereits bei über 20'000 Franken. Was ihr Crowdfunding-Projekt (s. unten) so erfolgreich machte? "Cara", antworten Gabriel und Michael unisono und postwenden. Wer schon mal auf dem Biohof Wellberg war, kennt die charmante Hundedame, die Besucher als Erste begrüsst. Weitere Zutaten der geglückten Projektfinanzierung sind eine Prise Humor, sichtbar glückliche Tiere und eine idyllische, vielfältige Landschaft. Natürlich muss auch die Projektidee selber etwas hergeben. Die Gebrüder Peter treffen mit ihrer Vorstellung von "Glamping im Baumgarten" offenbar einen Nerv der Gesellschaft.

Viele Wege führen nach Rom

Die Bauernsöhne bezeichnen sich beide als Quereinsteiger – Gabriel Peter (33) studierte Geografie und war wissenschaftlicher Mitarbeiter, als die Übernahme des elterlichen Hofes zum Thema wurde. Dank dem landwirtschaftlichen Nebenerwerbskurs ist der Betrieb heute seine Haupttätigkeit. Sein jüngerer Bruder Michael (27) hat einen Bachelor in Energie- und Umwelttechnik, er arbeitet noch Teilzeit auswärts und wird demnächst den Nebenerwerbskurs absolvieren. Zu ihren ungewohnten Berufswegen mein Gabriel Peter: "Das landwirtschaftliche Wissen ist sicher etwas kleiner als mit einer Berufslehre. Dafür hat man mehr Weitblick, sieht vieles aus einer anderen Perspektive."

Komfort und etwas Luxus

Weitblick hat man auch vom Baumgarten des Biohofs aus, inmitten der knapp 100 Hochstamm-Obstbäume. Sanft in das Gelände eingebettet, steht das rund zweihundertjährige Gehöft auf dem Wellberg, einem Hügelzug zwischen Willisau und Grosswangen. Ein Platz, dem die Betriebsleiter noch mehr Leben einhauchen möchten. Ein Safarizelt möchten sich die Gebrüder Peter zu diesem Zweck anschaffen, wo die Gäste komfortabel übernachten können. Möbliert wie ein Hotelzimmer, aber die Natur sicht- und hörbar wie beim Zelten. Etwas abweichend von der glamourösen Bezeichnung "Glamping" soll das Naturerlebnis im Vordergrund stehen, "denn Natur kann ja auch Luxus sein", findet dessen Gabriel Peter. Es wird also keinen Wellness-Bereich und auch keine Sterne-Küche geben – das Bad etwa soll zu Beginn im Bauernhaus genützt werden. Das Projekt befindet sich in einer frühen Phase, die Brüder wollten zuerst die Finanzierung klären. Doch die Unterstützung der Gesellschaft garantiert noch keine Durchführbarkeit nach Gesetzen und Vorschriften. Fahrnisbauten, darunter Zelte, dürfen bis 30 Tage bewilligungsfrei stehen, weiss Gabriel Peter. Damit die Übernachtungsmöglichkeit aber das ganze Sommerhalbjahr bestehen kann, bedarf es einer Bewilligung. Auf erste mündliche Vorabklärungen bei Gemeinde und Dienststelle für Landwirtschaft und Wald (Lawa) bekamen sie positive Rückmeldungen.

ag

 

Neudeutsches kurz erklärt

Glamping: Ein Wortspiel aus "Glamour" und "Camping", also glamouröse Zeltferien. Man muss nicht selber ein Zelt aufstellen und nächtigt in einem Bett statt im Schlafsack. Darüber hinaus gibt es jegliche Stufen von Luxus, bin hin zur privaten Wellness-Oase im Zelt. Die unmittelbare Einbettung in die Natur gilt weltweit als besondere Attraktion, ob in der Wüste, am Strand oder auf einer Alp.

Crowdfunding: Bedeutet "von der Menge finanziert". Spenden erfolgen ohne oder mit Belohnung, z.B. eine Übernachtung oder ein Betriebsbesuch. Projekte können grosse mediale Präsenz auslösen, was gleichzeitig Werbung ist. Meist gilt: Wird das Finanzierungsziel nicht erreicht, erhalten die Initianten nichts. 

Mögliche Plattformen: www.100-days.net, www.wemakeit.com, www.funders.ch

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