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Schweiz-International
Publiziert: 19.01.2019 / 18:26
35'000 demonstrieren gegen die Agrarindustrie

In Berlin hat am Eröffnungswochenende der Grünen Woche traditionellerweise auch die Demonstration gegen industrielle  Landwirtschaft stattgefunden. Gemäss Schätzungen sollen 35'000 Personen teilgenommen haben.

Im Januar wird Berlin jeweils zum "Davos der Landwirtschaft". Alles, oder zumindest vieles, das in der EU Rang und Namen hat versammelt sich zum Auftakt an der "Internationalen Grünen Woche" (IGW), der alljährlichen Leistungsschau der Land- und Ernährungswirtschaft in Deutschland und darüber hinaus. Auch der kürzlich zum Agrarminister mutierte Guy Parmelin hat die Gelegenheit genutzt, um den Schweizer Stand zu besuchen und seiner neuen Kollegen und Kolleginnen etwas besser kennenzulernen (wir haben berichtet).

"Für bäuerliche Betriebe und eine ökologischere Landwirtschaft"

Dieses prominent besetzte Umfeld nutzen auch die Gegner der klassischen Agrarindustrie und ihrer Exponenten. Traditionellerweise gehen sie jeweils am Samstag nach der Eröffnung der IGW auf die Strasse um "für bäuerliche Betriebe und eine ökologischere Landwirtschaft" zu demonstrieren. Die Trägerorganisationen sind hauptsächlich im linksgrünen Spektrum zuhause, unterstütz wird die Kundgebung auch von Umweltverbänden, Biobauern und -verarbeitungsbetrieben. Heuer lautete das Motto "Essen ist politisch".

Konkret fordern die Organisatoren unter anderem eine andere Verteilung der EU-Agrargelder nach dem Prinzip: öffentliches Geld für öffentliche Leistungen. Das sind ähnliche Ziele, wie sie die Schweizer Agrarpolitik heute bereits in weiten Teilen umgesetzt sind. Um der Kritik Nachdruck zu verschaffen, werden jeweils auch Traktoren aufgefahren, an der heutigen Veranstaltung waren es rund 150 Stück, wie die Organisatoren mitteilten.

Ministerin Klöckner: Protest wird am globalen Forum diskutiert

Die Kritik geht jeweils in erster Linie  an die EU-Kommission und die häufig wechselnden Amtsinhaber an der Spitze des deutschen Landwirtschaftsministeriums BMEL. Auch heuer war das nicht anders: "Es gibt keinen Zweifel mehr: Julia Klöckner (die aktuelle deutsche Ministerin) muss endlich in die Spur kommen. Wir wollen eine bäuerliche, ökologischere und klimagerechte Landwirtschaft!" hiess es auf Twitter von Seiten der Organisatoren.

Die Ministerin verfolgt den Widerstand offenbar auch. "Liebe Organisatoren", schrieb sie auf Twitter zurück, "danke für Ihre Resolution, die Sie uns Internationalen Agrarministern übermittelt haben. Wir diskutieren Sie in der Sitzung. Einige Ihrer Punkte hatten wir bereits fürs Abschluss-Kommuniqué vorgesehen." Die Sitzung ist das alljährliche Agrarministertreffen am Rande der Grünen Woche unter dem Titel Globales Forum für Ernährung und Landwirtschaft.

Gegendemonstration von produzierenden Landwirten

Schon am Morgen fand in Berlin zum fünften Mal die ebenfalls schon traditionelle, deutlich kleinere Demonstration unter dem Leitspruch "Wir machen Euch satt" statt. Hier trafen sich einige Dutzend produzierende Landwirte, um ihren Standpunkt festzuhalten. Das Motto des Auftritts lautete heuer "Dialog statt Protest". Die dort referierende Schweinehalterin Nadine Henke bezeichnete die moderne Landwirtschaft als Erfolgsgeschichte. "1970 ernährte ein Landwirt 27 Menschen", sagte Henke, "und heute produziert ein einziger Landwirt genug Lebensmittel für 145 Menschen." Gleichzeitig werde Deutschland immer grüner.

akr

 

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