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Viehzucht
Publiziert: 13.03.2018 / 11:48
Richter kritisieren Reglement

In einem an die Arbeitsgemeinschaft Schweizer Rinderzüchter ASR gerichteten Schreiben wird auch die Kommunikation bemängelt.

Ein Brief, der von vielen Red Holstein- und Holsteinrichtern an die ASR, an die Mitglieder der Zuchtverbände und an Tierärzte adressiert ist, sorgt in der Züchterszene für mächtig Gesprächsstoff. In diesem Brief (er liegt der BauernZeitung vor), werden Resultate der Studie Steiner (siehe Kasten) kritisiert. Auch der Präsident von Swissherdbook und Mitglied der ASR, Markus Gerber bekommt sein Fett ab. Die Richter unterstellen ihm, dass er seit Längerem die Eutervorbereitung nur als Hauptthema für seine Politik benutze. Er habe gegenüber den Kritikern dieses neuen Systems (zur Beurteilung der Euterfülle) nichts Besseres zu sagen, «als, dass diese Leute vermutlich schon mal die rote Linie übertreten haben.»  

Tierwohl im Vordergrund

Mit dieser Ausführung sprechen die unterschreibenden Richter Markus Gerbers Aussagen, in der Sendung  SRF Aktuell vom 11. Januar 2018, an. Gerber hatte sich in der Sendung dahingehend geäussert, dass das Tierwohl in den Vordergrund gestellt werden müsse. Die Kritik, das Reglement sei zu schnell zur Umsetzung gebracht worden, wies er am Fernsehen klar zurück. Diese Kritik stamme genau aus jenen Kreisen, welche diese rote Linie teilweise bereits überschritten hätten. Auch der Tierärztin Julika Fitzi, die beim Schweizer Tierschutz arbeitet, und weiteren Tierärzten, wird im Brief Inkompetenz vorgeworfen. «Ich habe den Brief der Richter zur Kenntnis genommen. Er wurde im ASR-Vorstand und in der Swissherdbook-Verwaltung bereits besprochen», sagt Markus Gerber auf Anfrage. 

Von den Problemen ablenken

«Die ASR-Arbeitsgruppe und auch ich persönlich lassen uns in keiner Weise von Frau Fitzi unter Druck setzten. Wir arbeiten konstruktiv mit dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), den Kantonstierärzten und der VetSuisse in Bern zusammen», hält Markus Gerber fest. «Die Kommunikation wie im Brief gefordert zu beeinflussen ist reines Wunschdenken. Mit dem Vermischen von allfälligen persönlichen Ambitionen will man nur von der eigentlichen Problematik ablenken. Die ASR-Arbeitsgruppe besteht aus Pascal Monteleone, Philippe Gruet und mir. Da ich den Vorsitz der Arbeitsgruppe innehabe und mündlich am besten Deutsch spreche, liegt die Kommunikation in der Deutschschweiz meistens bei mir», sagt Gerber.

Verrückt statt passioniert

Weiter kritisieren die Richter im Brief, dass es ihrer Ansicht nach falsch war, die Resultate der Studie Steiner, ohne diese zu hinterfragen, einfach zu veröffentlichen. Damit habe die ASR erreicht, dass nicht nur ein Grossteil der Konsumenten, sondern auch eine Vielzahl der Milchproduzenten, welche ihre Tiere nicht an Ausstellungen präsentieren, die Ausstellungszüchter nicht als Passionierte, sondern als «Verrückte» anschauen. «Es stellt sich somit grundsätzlich die Frage, ob in der ASR wirklich die richtigen Leute die Züchter gegenüber den Konsumenten vertreten», heisst es im Brief weiter.

Die ASR ist die Dachorganisation der Schweizer Rindviehzuchtverbände. Sie bezwecke die Koordination der Aufgaben der Mitgliederorganisationen sowie die Erarbeitung der notwendigen gemeinsamen PR-Aufgaben für die Rindviehzucht im In- und Ausland, heisst es auf der Webseite. Zudem sei die Organisation Ansprechstelle für Fragen der Rindviehzucht, sowohl für Partner im In- als auch im Ausland, heisst es weiter. Von Konsumenteninformationen ist auf der Webseite nichts zu lesen. 

Nur Euterfülle thematisiert

Die Richter die den Brief unterschrieben haben, stören sich daran, dass im Fernsehbeitrag, der über die Swiss Expo im Januar erschienen ist, nicht die gut gepflegten Kühe in den Stallungen gezeigt wurden, sondern nur die Euterfüllung Thema war. In jenem Beitrag sei auch erwähnt worden, dass man vor allem bei den Milchviehrassen (RH und HO) noch mit deutlich mehr Überschreitungen rechne, als bei den weniger auf Milch gezüchteten Rassen. Zum Schluss wünschen sich die Richter im Schreiben, dass die Schilderungen im Brief in die künftige Kommunikationspraxis der Zuständigen mit der Öffentlichkeit einfliessen werden. 

Neben Swissherdbook-Präsident Markus Gerber hat die BauernZeitung auch bei Andreas Hitz, Präsident Holstein Switzerland nachgefragt. Dieser führte aus, dass er vom Brief Kenntnis genommen habe. Adressat sei die betreffende Arbeitsgruppe der ASR. «Holstein Switzerland hat intern darüber nicht gesprochen, daher kann ich auch keine Stellung nehmen», erläutert Hitz.

Peter Fankhauser

Sie haben unterschrieben

Folgende Richter haben das Schreiben unterzeichnet:Erhard Junker, Christian Aegerter, Urs Buri, Bernhard Ryser, Marcel Egli, Patrick Rüttimann, Christoph Rüegsegger, Christian Stegmann, Niklaus Krebs, Roland Rothenbühler, Stefan Widmer, Christian Reber, Thomas Ender, Jürg Richner, Olivier Bachmann, Nicolas Uldry, Roger Frossard, Jean Siegenthaler, François Morand, Florent Gremaud, Pascal Henchoz, Bruno Charrière, Marc-Henri Guillaume, Fabrice Menoud, Jacques Rouiller, Dominique Pharisa, Jean-Marc Moennat.

Auf der Liste aufgeführt, aber nicht unterschrieben, haben den Brief: Jakob Schenk und Olivier Chambaz.

pd


 

Adrian Steiner nimmt Stellung

Im Schreiben der Richter, das an die ASR gerichtet ist, werden Resultate der «Studie Steiner» als unwahr bezeichnet. Die im Oktober 2017 in einer Pressemitteilung veröffentlichte Angabe, wonach 25% aller an Ausstellungen getesteten Kühe zu viel Euterdruck hatten, entspreche nicht der Wahrheit, ist dem Brief zu entnehmen. Man habe Finalistinnen mehrmals getestet und dies hernach in der Statistik miteinbezogen. «Schlimm genug ist es, Zahlen zu haben, die nicht der Wahrheit entsprechen, noch schlimmer ist es, diese ohne zu hinterfragen, zu veröffentlichen», steht im Schreiben der Richter. 

Steiner widerspricht 

Die BauernZeitung hat mit Adrian Steiner, Leiter Nutztierklinik am Departement für klinische Veterinärmedizin in Bern, über den Brief gesprochen. Steiner widerspricht dezidiert: «Bei der Berechnung der Kennzahl der Euterödeme oder anders gesagt, bei der Ermittlung der Prozentzahl der Kühe, die an den vier untersuchten Ausstellungen tatsächlich ein Euterödem hatten, wurde selbstverständlich jede Kuh nur einmal gezählt. Bei Kühen, die zweimal untersucht wurden, wurde nur das Resultat der zweiten Untersuchung berücksichtigt». 

Nie befragt worden

Er wurde selber nie gefragt, ob einzelne Kühe bei dieser Bestimmung doppelt gezählt wurden, ergänzt er.

In der Pressemitteilung vom vergangenen Oktober wird zudem nicht die Zahl von 25 , sondern 23% angegeben. «Bei 23% der untersuchten Kühe traten an spezifischen Stellen mittels Ultraschall nachweisbare Euterödeme auf», erklärt der Leiter der Nutztierklinik. Diese Euterödembildung werde als indirektes Anzeichen für eine Euterüberladung angesehen, ergänzt Steiner.  

sb

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