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Schweiz-International
Publiziert: 13.01.2018 / 08:45
Projektleiter sollten Landwirte früh einbeziehen

Anlässlich der Agrofutura-Tagung in Brugg vom 11. Januar (s. Kasten) berichteten Bundes- und Kantonsvertreter, sowie Planungs- und Umsetzungsbüros über Ihre Erkenntnisse und tauschten Erfahrungen und Wissen aus.

 

Um Infrastrukturprojekte erfolgreich Umsetzen zu können, sind eine sorgfältige Projektplanung, der frühzeitige Einbezug von Grundeigentümern und Bewirtschaftenden, eine transparente Kommunikation und die Schaffung von Mehrwert für die Betroffenen sehr wichtig.

Die Ansprüche und Begehrlichkeiten an die knappe Ressource Boden steigen. Sei es für den Hochwasserschutz, für Gewässerrevitalisierungen, Windparkanlagen, Strassen- oder Bahnbauten. Dies schreibt Agrofutura in einer Medienmitteilung.

So nötig und für die gesamte Bevölkerung relevant bestimmte Infrastrukturen auch sein mögen, so schwierig sei es heute, solche Projekte umzusetzen. „Und es wird nicht einfacher“, wird Markus 
Zumsteg, Leiter Sektion Wasserbau des Kantons Aargau in der Mitteilung zitiert.

„Wer heute Projekte auf den Boden bringen will, der braucht die Grundeigentümer als Partner.“ Anlässlich der Agrofutura-Tagung in Brugg vom 11. Januar 2018 (s. Kasten) berichteten Bundes- und Kantonsvertreter, sowie Planungs- und Umsetzungsbüros über Ihre Erkenntnisse und tauschten Erfahrungen und Wissen aus.

Schlüsselfaktoren zur Vermeidung unnötiger Konflikte

Es gibt einige entscheidende Erfolgsfaktoren für eine gelungene Planung und Umsetzung von Infrastrukturprojekten im Landwirtschaftsgebiet, darin sind sich die Experten aus Verwaltung und Planungsbüros einig.

Der Erstkontakt mit betroffenen Grundeigentümerinnen und –eigentümern sowie Bewirtschaftenden soll nach Möglichkeit ein persönliches Gespräch sein. Nur der persönliche Kontakt erlaubt es, die Reaktionen der Betroffenen ernst zu nehmen und ihre Anliegen und Bedürfnisse kennen zu lernen.

Es braucht Personen mit landwirtschaftlichem Knowhow in den Projektteams. Diese sollen die betroffenen Landwirtschaftsbetriebe analysieren, um deren Situation und die Betroffenheit durch ein Projekt beurteilen zu können. Sie sollten zudem mit den Betriebsleitenden Lösungen erarbeiten, die für den Betrieb gangbar sind und seine unternehmerische Freiheit nicht einschränken.

Die wichtigsten Rahmenbedingungen der Projekte und erste Grundlagen zum Projekt müssen vorhanden sein, wenn man auf die Grundeigentümer und die Bewirtschaftenden zugeht.

Landwirtschaftsvertreter (z.B. die kantonalen Bauernverbände) sollen von Beginn weg in die Projektplanung einbezogen werden. So kann Entscheidendes wie die Kommunikation des Projekts oder die Gewichtung verschiedener Ziele gemeinsam in einem frühen Stadium sorgfältig durchdacht, ausgehandelt und festgelegt werden. Dadurch entsteht eine tragfähige Grundlage für den weiteren Projektaufbau.

Was gar nicht geht

Mit ein paar einfachen Regeln lässt sich die Ausgangslage für Diskussionen rund um Infrastrukturprojekte bereits verbessern.

Es ist unsympathisch und schafft keine konstruktive Ausgangslage für Diskussionen und Verhandlungen, wenn Grundeigentümer und Bewirtschaftende aus den Medien oder sonst über Dritte von einem Infrastrukturvorhaben erfahren.

„Hört auf, zu Projektbeginn eingeschriebene Briefe zu verschicken“ – das der eindringliche Apell von Stefan Heller, Geschäftsführer des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbands an die Vertreter kantonaler Verwaltungen. Die Ankündigung eines Infrastrukturprojekts auf diesem Weg ist ungeeignet und weckt unnötigen Widerstand.

Provisorische Pläne können grobe Überlegungen rasch als gegebene Tatsachen erscheinen lassen. Die Kommunikation mit Betroffenen auf der Basis von Grobskizzen oder ganz ohne Pläne in frühen Projektstadien ist deshalb der bessere Ansatz.

Landwirtschaftliche Planung in Projekt-Ausschreibung einbeziehen

Verwaltung und Planer sind sich einig: Der frühe Einbezug der Grundeigentümer und Landbewirtschaftenden ist entscheidend. Deshalb sollen öffentlichen Ausschreibungen von Infrastrukturprojekten die fundierte landwirtschaftliche Analyse und Planung bereits im Pflichtenheft vorsehen. Dass dies im Prinzip heute bereits möglich ist und zu sichtbar weniger Einsprachen führt, haben das landwirtschaftliche Planungs- und Umsetzungsbüro Agrofutura und das Ingenieurbüro Ackermann und Wernli anhand mehrerer Praxisbeispiele auf eindrückliche Art aufgezeigt.

pd

Agrofutura-Tagung „Infrastrukturprojekten im Landwirtschaftsgebiet – Ansätze für eine konfliktarme Umsetzung“ vom 11. Januar in Brugg AG

47 Teilnehmende aus Kantons-und Bundesverwaltungen sowie privaten Ingenieur- und Planungsbüros haben anlässlich der von der Agrofutura AG mit Sitz in Brugg organisierten Tagung die Thematik der Umsetzung von Infrastrukturprojekten im Landwirtschaftsgebiet diskutiert.

Markus Zumsteg, Leiter der Abteilung Wasserbau des Kantons AG, Stefan Heller, Geschäftsführer des Luzerner Bäuerinnen und Bauernverband, Robert Wernli, Ackermann und Wernli AG sowie Jolanda Krummenacher, Severin Dietschi, Andreas Hofmann und Martin Holpp von der Agrofutura AG haben die Thematik aus verschiedenen Blickwinkeln ausgeleuchtet und ihre Anliegen, Erfahrungen, Bedenken und Erkenntnisse geäussert.

Der Erfahrungsaustausch hat gezeigt, dass sich die verschiedenen Akteure ganz besonders betreffend frühem Einbezug von Grundeigentümern und Landbewirtschaftenden einig sind.

Weitere Informationen:

Andreas Hofmann, Agrofutura, Tel. 056 500 10 57

Annelies Uebersax, Agrofutura, Tel. 056 500 10 81, Mobil: 079 819 43 52

www.agrofutura.ch

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