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Schweiz-International
Publiziert: 14.01.2018 / 12:03
Porträt: Zeit für einen Schwatz wird eingeplant

Die Bäuerin Sonja Küchler ist froh, dass sie früher auf Reisen war. Heute betreibt sie Direktvermarktung mit Wasserbüffelprodukten und Biobeeren.

Der Hofladen in Zürich-Seebach hält Sonja Küchler auf Trab – selbst dann, wenn er eigentlich geschlossen ist. Produkte kaufen kann man nämlich auch am grossen modernen Automaten: Joghurt und Käse, auch Büffelmilch, geräucherte Büffelfleischspezialitäten, daneben ein paar Salate und Bienenhonig.

Noch ein bisschen plaudern

Auch jetzt, zwischen den Weihnachts- und Neujahrstagen, gibt es immer wieder Leute, die mit einem Spezialwunsch an der Haustüre läuten. «Wir haben viele Stammkundinnen und -kunden, die im nahen Quartier wohnen. Alleinstehende aus den Alterswohnungen wollen natürlich gerne noch ein bisschen plaudern, uns ihre Geschichten erzählen und ihre Gebresten aufzählen.» Das Jahr über hilft Sonja Küchlers Schwester an zwei Tagen pro Woche im Laden und im Haus mit. «Sie war zu Beginn erstaunt, was und wie viel ihr diese Menschen anvertrauen», meint die Bäuerin. Neben den Milch- und Fleischprodukten aus eigener Tierhaltung ergänzt Sonja Küchler ihr Angebot mit Sommergemüse aus dem Garten und mit vielerlei Verarbeitetem. «Vorgekochtes und vakuumiertes Gemüse finden immer Absatz, auch Brote und Zöpfe, die ich am Wochenende backe.» Weil sich die Konsumenten umfassend eindecken möchten, kaufe sie noch weitere Produkte dazu, so etwa Teigwaren aus dem Biogrosshandel, Gemüse und Eier von anderen Biobetrieben.

Beeren zum Selberpflücken

Hauptsaison in der Direktvermarktung sind die Sommermonate, wenn die Beeren auf dem Riedenholz-Hof reifen. Küchlers bauen auf 70 Aren Heidel-, Johannis- und Herbsthimbeeren an. Bioqualität zum Selberpflü- cken ist ein rares Angebot, und deshalb ist im Sommer ziemlich viel los auf dem Betrieb. «Das Potenzial für einen Erlebnishof wäre sicher da. Wir wollen aber, dass die Konsumenten wegen unserer Produkte kommen und nicht, weil wir einen grossen Spielplatz haben.» Ist das Wetter schlecht und bleiben die Kunden aus, müssen die Früchte verarbeitet werden: Entweder sie wandern vorübergehend in den Tiefkühler, oder sie kommen in den Kochtopf und werden dort zu Konfi und Sirup. Oft sind die Tage lang, und trotzdem muss die Bäuerin dafür sorgen, dass auch die zugekauften Produkte am nächsten Morgen wieder im Laden sind. «Einige meine Eierlieferantinnen sind Freundinnen von früher. Zeit für einen Kaffee und einen Schwatz wird deshalb eingeplant», meint sie lachend.

Reisen, das war einmal...

Sonja Küchler (48) ist im Aargau gross geworden. Nach der Schulzeit hat sie die Ausbildung zur Floristin absolviert und in verschiedenen Betrieben gearbeitet. Immer wieder hat sie sich ein paar Wochen oder gar Monate fürs Reisen herausgenommen. Mit der Zeit hat sie sich in Kanada, ihrem bevorzugten Reiseland, ein persönliches Netzwerk geschaffen. «Ich spreche kaum Englisch, aber dank meiner Freunde, zum Teil ausgewanderte Schweizer, hatte ich jeweils schon kurz nach der Landung ein paar Übernachtungsorte auf sicher. Ich habe das sehr genossen!» Doch nun sei eine andere Zeit, meint sie nachdenklich. «Unser Betrieb fordert viel Präsenzzeit. Ich bin dankbar, dass ich in jüngeren Jahren die Reisemöglichkeiten wahrgenommen habe. Heute schaue ich ohne Wehmut den abfliegenden Flugzeugen vom Küchenfenster aus nach.» Nach der Heirat hat sie zusammen mit ihrem Mann Sepp Kanada und Neuseeland bereist. «Danach kamen unsere beiden Buben zur Welt, und wir sind nach Seebach ZH gezogen. Anderes ist wichtig geworden. Heute kann ich mir nicht vorstellen, länger als vier Stunden in einem Flugzeug zu sitzen», lacht sie.

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Margreth Rinderknecht

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