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Schweiz-International
Publiziert: 16.12.2018 / 08:24
"Mittelfristig ist keine Entspannung in Sicht"

Die Preise für Bio-Schweine sinken seit Monaten, im November 2018 erreichten sie den tiefsten Stand seit rund 10 Jahren. Ein stark gewachsenes Angebot und ein stockender Absatz sind die Gründe. Bio Suisse rät Schweinebauern, mit einer Umstellung auf Bio zu warten.

Michèle Hürner, Produktmanagerin Fleisch bei Bio Suisse, gibt im Interview mit Michael Wahl vom Landwirtschaftlichen Informationsdienst (lid) Auskunft über die Situation auf dem Bio-Markt.

Der Preis für Bioschweine ist seit August 2017 im Sinkflug. Im Oktober 2018 erreichte er gar den tiefsten Stand seit über 10 Jahren. Was sind die Gründe für den Preissturz?

Michèle Hürner: Der Absatz von Bio-Schweinen ist in den letzten Jahren stark gewachsen, weil die in Aussicht gestellte Nachfrage gross war. 2011 waren es noch weniger als 20'000, dieses Jahr werden insgesamt über 40’000 Bio-Schweine geschlachtet. Seit letztem Jahr kommuniziert Bio Suisse, dass die Nachfrage gedeckt werden kann, und dies zeigt Wirkung. Im Jahr 2019 kommen nun aber Schweine von neuen Vollknospe-Betrieben auf den Markt, die vor zwei Jahren mit der Umstellung begonnen haben. Die Nachfrage entwickelt sich gleichzeitig schlechter als erwartet.

Decken die aktuellen Preise die Kosten noch?

Das ist von Betrieb zu Betrieb verschieden. In der Regel sind die Kosten knapp gedeckt.

Mit welcher weiteren Preisentwicklung rechnen Sie?

Die Produktion wird reduziert, damit soll der Preis stabilisiert werden.

Im Detailhandel ist Bio-Schweinefleisch nicht günstiger geworden. Ist das nicht störend für die Bio-Bauern?

Die Konsumentinnen und Konsumenten sollen von der Preissenkung profitieren können. Damit dürfte auch die Nachfrage steigen.

Wie lässt sich der überversorgte Markt wieder ins Lot bringen?

Schweinehalterinnen und -halter werden dazu aufgefordert, ihre Produktion anzupassen. An der Hauptversammlung der IG Bio Schweine Schweiz riefen Produzentinnen und Produzenten zur Solidarität auf und dazu, den Moren-Bestand zu reduzieren, so dass der Preis wieder steigen kann. Mästerinnen und Mäster sind dazu aufgefordert, einzelne Tiere direkt zu vermarkten. Bio Suisse verstärkt zusammen mit Produzentinnen und Produzenten sowie Vermarktern die Absatzförderung. Die lizenzierten Schweine-Vermarkter haben sich im November im Rahmen eines Runden Tisches der Bio-Schweinebranche für eine aktive Beteiligung zum Ausgleich der Marktsituation ausgesprochen.

Wie sieht die Absatzförderung konkret aus?

Bio Suisse wird den Absatz von Bio-Schweinefleisch am Verkaufspunkt fördern. Die Massnahmen werden von Bio Suisse in Kooperation mit den Detailhändlern geplant und umgesetzt. Befristet auf 2019 werden die lizenzierten Schweine-Vermarkter drei Franken pro Schlachtschwein für die Absatzförderung an Bio Suisse abgeben. Dies geschieht zusammen mit den üblichen Bio Suisse Beiträgen auf der Abrechnung, damit kein zusätzlicher Verwaltungsaufwand entsteht.

Der Bio-Anteil ist beim Schweinefleisch deutlich tiefer als zum Beispiel beim Rindfleisch. Warum?

Die Märkte haben sich unterschiedlich gut entwickelt. Der Bio-Markt wächst generell. Die Bio-Schweinehaltung bietet Auslauf bereits für Saugferkel, grössere Ställe als in anderen Produktionssystemen sowie Beschäftigung. Das Bio-Schweinefutter stammt grösstenteils aus der Schweiz, Knospe-Futterimporte stammen ausschliesslich aus Europa. Es enthält keine synthetischen Zusätze und wird für eine gute Magengesundheit durch Raufutter ergänzt.

Was raten Sie Schweinebauern, die eine Umstellung auf Bio erwägen?

Mittelfristig ist keine Entspannung der Situation in Sicht. Mit einer Umstellung muss zugewartet werden, oder es sollten alternative Betriebszweige ins Auge gefasst werden.

Wie viele Bio-Schweinebauern kommen im nächsten Jahr neu hinzu?

Ab 2019 erreichen einige grössere Mastbetriebe, die sich jetzt noch in Umstellung befinden, die Voll-Knospe. Unter den Neu-Umstellern ist die Mutterschweinehaltung, welche für die Menge massgebend ist, marginal.

lid

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