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Pflanzenbau
Publiziert: 09.11.2018 / 10:00
Gemeinsam gegen Feuerbrand

Ein erfolgreiches Feuerbrand-Management braucht richtiges Timing und Hartnäckigkeit, aber auch neue Ansätze sind gefragt. Solche gibt es: Etwa Gegenspieler aus der Schweiz. Agroscope fand einheimische Bakterien, die ZHAW Bakteriophagen – beide bekämpfen das Feuerbrandbakterium im Labor erfolgreich.

Die Temperatur war dieses Jahr während der Kernobstblüte zwar günstig für Feuerbrand, aber es war zu trocken. Das hat dazu geführt, dass der Befall mit Feuerbrand grösstenteils tief blieb, erklärte Alain Gaume, Agroscope-Forschungsbereichsleiter Pflanzenschutz, bei der Eröffnung der 2. Nationale Feuerbrandtagung vergangenen Freitag am Agroscope-Standort Wädenswil.

Robuste Sorten und Pflanzenschutzmittel in Kombination sehr erfolgreich

Anita Schöneberg und Vanessa Reininger nutzen gemeinsam mit anderen Forschenden am Agroscope-Steinobstzentrum Breitenhof eine Prüfparzelle für Feuerbrand-Versuche. Diese Parzelle ist schweizweit einmalig. Sie ist komplett eingenetzt und mit Schleusen bestückt, damit das Feuerbrandbakterium nicht nach aussen gelangt. Wirksame Feuerbrandstrategien werden erforscht, aber auch die Anfälligkeit verschiedener Apfel- und Birnensorten.

Die eingetopften Versuchsbäume werden in die Parzelle gestellt. Die Bäume für den jeweils zweiten Versuch im Jahr lagern bis nach Abschluss des ersten Versuchs im Kühlraum und blühen erst, wenn sie im Juni in die eingenetzte Parzelle gestellt werden. Im «Käfig» leben Hummeln, die Feuerbrand von einzelnen infizierten Bäumen auf andere innerhalb der Versuchsparzelle tragen.

Getestet wurden bereits sehr verschiedene Mittel und Strategien gegen Feuerbrand. Zwei dieser Präparate gegen Feuerbrand sind LMA (tötet Feuerbrand-bakterien) und Blossom ProtectTM (schafft ungünstige Bedingungen für den Feuerbranderreger und besetzt die Nische).

Die Agroscope-Forschenden arbeiteten versuchsbedingt mit hohen Bakterienzahlen. Auch deshalb waren die Wirkungsgrade der getesteten Präparate je nach Sorte eher gering.

Aufgrund der Erkenntnisse aus den Versuchen wird empfohlen, bei hohem Infektionsrisiko enge Behandlungsintervalle einzuhalten, dadurch kann die Wirkung erhöht werden. Cosima Pelludat von Agroscope erklärte das Problem mit der tiefen Wirkung so: Nach der ersten Behandlung kann sich die Erreger-Population sofort wieder erholen, wenn die Bedingungen gut sind. Darum sind enge Behandlungsintervalle wichtig. Das Fazit: Eine Pflanzenschutz-Strategie mit robusten Sorten und einem Pflanzenschutzmittelergaben die höchsten Wirkungsgrade. 

Agroscope-Forscherin Vanessa Reininger untersuchte, ob das vom Feuerbrand-Prognosemodell Maryblyt errechnete Erregerinfektionspotenzial mit den effektiven Erregerzahlen auf den Apfelblüten im Feld übereinstimmt. Bei sehr hohen Zellzahlen, wie dies in den Versuchen der Fall war, ist die Korrelation nicht immer gegeben; wobei in der Natur ein derart hoher Befallsdruck kaum mehr vorkommt, weil bei Befall saniert wird. Sie empfiehlt daher, auch die Umgebung von schützenswerten Kernobstanlagen und Hochstammbeständen in die Schutzstrategie miteinzubeziehen, und die Umgebung und Anlagen zu sanieren, um Infektionsherde zu eliminieren.

Mikroorganismen als Schützenhilfe gegen Feuerbrand

Eine alternative Strategie gegen Feuerbrand stellen Antagonisten dar, die auf den Blüten den Platz der Feuerbranderreger einnehmen. Agroscope sucht solche Gegenspieler in der heimischen Umwelt, weil eine spätere allfällige Zulassung einfacher ist, wenn der Organismus bereits im Inland natürlich verbreitet ist. Bei der Untersuchung des Mikrobioms von Apfelblüten in einer Agroscope-Parzelle wurde festgestellt, dass wenige Bakterien-Spezies die Blüten dominieren. Diese könnten einen wichtigen Beitrag als Feuerbrand-Gegenspieler haben.

Leandra Knecht von der ZHAW erforscht Bakteriophagen gegen Feuerbrand. Diese sollen Feuerbranderreger infizieren. Sie arbeitet ebenfalls mit Schweizer Organismen. Dabei sollen Bakteriophagen-Cocktails zum Einsatz kommen, damit der Feuerbrand-Erreger grösste Mühe haben wird sich anzupassen.

Wechsel bei der Regelung von Feuerbrand ab 2020 

Alfred Kläy vom BLW hat die Wirksamkeit der amtlichen Massnahmen zur Bekämpfung von Feuerbrand durch eine externe Firma analysieren lassen. Die Analyse umfasste die Jahre von 2000 bis 2014. Der Bericht ist unter www.pflanzengesundheit.ch einzusehen. Die Evaluation hat gezeigt, dass die in der Richtlinie Nr. 3 des BLW vorgesehenen Massnahmen grundsätzlich geeignet sind, um entsprechende Produktionsbedingungen für die nachhaltige Produktion von Kernobstgehölzen und Kernobst zu schaffen.

Die Evaluation hat aber auch ergeben, dass sich aus der langjährigen Erfahrung mit der Bekämpfung des Feuerbrandes Empfehlungen für den zukünftigen Umgang mit dem Schaderreger ableiten lassen.

Eine Plattform zum Austausch braucht es für die Optimierung der bereits vorhandenen Massnahmen. Und die Forschung muss weiter am Ball bleiben.

Zudem soll der Feuerbranderreger ab 2020 in der neuen Pflanzengesundheitsverordnung nicht mehr als Quarantäneorganismus eingestuft werden. Neu wird er ein geregelter Nicht-Quarantäneorganismus sein. Feuerband erfüllt aufgrund der Verbreitung des bakteriellen Erregers hierzulande die strengen Kriterien für die Regulierung als Quarantäneorganismus nicht mehr. Um einen zu abrupten Wechsel im Jahre 2020 zu vermeiden, befasst sich zurzeit eine Arbeitsgruppe mit der Prüfung von verschiedenen Szenarien für einen schrittweisen Wechsel der Regelung dieses Erregers. Dazu werden gegenwärtig insbesondere mögliche Übergangsbestimmungen eruiert und abgewogen. 

Feuerbrandrobuste Sorten für guten Ertrag

Simone Schütz, Sarah Perren und Anita Schöneberg von Agroscope haben im Gewächshaus gezeigt, wie aufwändig die Züchtung feuerbrandrobuster Apfelsorten ist. Das oder die Resistenzgene aus Wildäpfeln sind oft erst nach der fünften Kreuzungsgeneration ohne unerwünschte Eigenschaften in einer marktfähigen Sorte.

Markus Kellerhals, Leiter der Forschungsgruppe Apfelzüchtung und Genressourcen Obst, sprach über die Blütentests am Agroscope-Steinobstzentrum Breitenhof und die Triebtests im Sicherheitsgewächshaus in Wädenswil. Sorten, die den Test bestehen und Feuerbrand trotzen, werden im Züchtungsprogramm genutzt. Am Schluss gilt es, die neuen Sorten auch auf Geschmack, Aussehen, Lagerfähigkeit, etc. zu prüfen – ob als Mostobst oder als Tafelobst. 

Zudem untersucht Agroscope, wie moderne Züchtungsmethoden mithelfen könnten, schneller feuerbrandrobuste Sorten zu züchten. Agroscope-Experte Andrea Patocchi ging dabei näher auf die Cisgenetik ein. Bei dieser Methode werden Resistenzgene, die auch über eine konventionelle Kreuzung eingekreuzt werden könnten, in eine bestehende Sorte eingebracht, ohne Eigenschaften wie etwa Geschmack oder Aussehen der Sorte zu verändern.

Hygiene- und Schnittmassnahmen für die Bekämpfung zentral

Der Südtiroler Gastreferent Robert Wiedmer, seit mehr als 10 Jahren Koordinator des Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau, zeichnete die Ausbreitung des Feuerbranderregers in Italien auf, wobei er sich in seinem Vortrag auf das Südtirol fokussierte. In den letzten vier Jahren nahm die Anzahl an Feuerbandfällen stetig zu. Hygiene- und Schnittmassnahmen, aber auch Rodungen sind für die Bekämpfung zentral. Die Oberkronenbewässerung wurde in der heiklen Blühperiode untersagt. Antibiotika waren in Italien – im Gegensatz zu andern Ländern – nie bewilligt, weil per Gesetz zum Eintrag in die Umwelt verboten. Kupfer, nützliche Bakterien und wenige andere Pflanzenschutzmittel waren und sind die schmale Stütze der Feuerbrandbekämpfung. Prognose- und Warnsysteme im Internet wurden und werden auch im Südtirol rege genutzt.

Agroscope-Leiterin Eva Reinhard schloss die Tagung ab und lobte die Schlagkraft der Forschung, um Lösungen zu finden.

Carole Enz, Agroscope

 

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