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Schweiz-International
Publiziert: 02.04.2018 / 11:49
Bodenverdichtung: Mutter Erde vergisst nur langsam

Schwere Landmaschinen verdichten den Boden. Welche Auswirkungen dies haben kann, wird in einer Langzeitstudie von Agroscope untersuchtt.

Beim Einsatz von Landmaschinen besteht die Gefahr der Bodenverdichtung. Rollen Fahrzeuge oder Maschinen über den Ackerboden, wird je nach 
Gewicht ein Druck erzeugt. Ist dieser grösser als die Stabilität des 
Bodens, werden die Bodenpartikel dichter zusammengedrückt, was die Bodenqualität beeinflusst und Probleme nach sich ziehen kann.

Thomas Keller von Agroscope und sein Team haben einen Langzeitfeldversuch eingerichtet, um die Entwicklung von Pflanzenertrag, Regenwurmpopulation und verschiedenen Bodenfunktionen nach einer Verdichtung zu untersuchen (s. Kasten). Bereits nach vier Jahren ist klar: Ein verdichteter Unterboden bedeutet langjährige Ertragseinbussen.

Der Versuch «Bodenverdichtung» dauert seit vier Jahren. Können Sie schon Resultate vorweisen?

Thomas Keller: Der Boden hat sich vier Jahre nach der Verdichtung noch nicht erholt. Wir messen zwar Tendenzen, dass sich gewisse Bodenfunktionen wieder denjenigen des unverdichteten Bodens annähern, aber wir sind noch ein Stück weg vom Ausgangszustand.



Welche Bodenfunktionen
 messen Sie?

Mit Sonden im Boden beobachten wir kontinuierlich die Feuchtigkeit, die Temperatur sowie die Sauerstoff- und CO2-Konzentration in der Bodenluft in verschiedenen Bodentiefen. Zudem werden regelmässig Beprobungen durchgeführt und dann im Labor die Wasser- und Gastransporteigenschaften des Bodens untersucht. Hier zum Beispiel sind immer noch klare Unterschiede zwischen verdichtetem und unverdichtetem Boden festzustellen. Auch messen wir die Biomasse und Zusammensetzung der Mikroorganismen. Ebenso werden der Pflanzenertrag und bei der Wiese die Zusammensetzung der Arten gemessen.

Wie entwickelte sich der 
Pflanzenertrag seit der 
Bodenverdichtung?

Der Ertrag hat sich relativ schnell entwickelt, vor allem im gepflügten Verfahren. Im ersten Jahr 
waren dort die Erträge 20 Prozent geringer als beim unverdichteten
Referenzverfahren, im zweiten Jahr noch 10 Prozent tiefer. Im Jahr 2017, der vierten Kultur nach der Verdichtung, lag die Ertragseinbusse noch bei 5 Prozent. Zwar tönen 5 Prozent nicht nach  viel, aber eine Ertragseinbusse von 5 Prozent entspricht einer verlorenen Ernte in 20 Jahren. Die Resultate zeigen auch, dass Verdichtung selbst mit mehrmaligem Pflügen nicht einfach behoben werden kann.

Woran liegt diese Ertragseinbusse von 5 Prozent?

Das liegt einerseits an der Unter-bodenverdichtung, das heisst 
ab zirka 25 cm Bodentiefe. Wir werden sehen, ob diese paar Prozente an Ertrag jedes Jahr verloren gehen, dass heisst, ob die Unterbodenverdichtung quasi permanent ist. Ein verdichteter Unterboden bedeutet also langjährige Ertragseinbussen. Andererseits ist auch der Oberboden trotz Bodenbearbeitung funktionell nicht regeneriert. Obwohl die mechanische Bearbeitung 
des Oberbodens die Regeneration ankurbelt, ist eine Bodenbearbeitung nicht einfach die Umkehrfunktion einer Bodenverdichtung.

Interview Ursina Berger-Landolt

Artikel aus der Printausgabe

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Der Agroscope-Versuch im Detail

Im März 2014 haben Agroscope und die ETH Zürich unter der Leitung von Thomas Keller (Agroscope) den Langzeitfeldversuch «Bodenverdichtung» («Soil structure observatory», SSO) gestartet - ein Projekt im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms (NFP) 68 «Ressource Boden» des Schweizerischen Nationalfonds (SNF).

Die Forscher wollen herausfinden, wie schnell sich Bodenfunktionen nach einer Verdichtung erholen, welche Mechanismen die Erholung beeinflussen und welche 
Bewirtschaftungsformen die Regeneration allenfalls 
beschleunigen können. Der Versuch beinhaltet drei Verdichtungsverfahren: ganzflächig verdichtet, verdichtete Fahrspuren, und keine Verdichtung.

Die Verdichtung wurde mit einem landwirtschaftlichen Fahrzeug mit einem Gewicht von 32 Tonnen (Radlast je 8 Tonnen) mit hohem Reifendruck und bei feuchtem Boden erzeugt. Nach der Verdichtung wurden vier verschiedene Bewirtschaftungsverfahren angelegt:

Schwarzbrache (natürliche Regeneration ohne Pflanzen und ohne Bodenbearbeitung);
Dauerwiese (natürliche Regeneration mit Pflanzen, ohne Bodenbearbeitung);
Fruchtfolge ohne mechanische Bodenbearbeitung;
Fruchtfolge mit mechanischer Bodenbearbeitung.

Die Fruchtfolge bestand bisher aus: Triticale (2014), Zwischenbegrünung, Silomais (2015), Winterweizen (2016), Raps (2017) und Wintergerste (2018) 

ub

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