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Publiziert: 14.04.2018 / 06:09
Attacke gegen den Drahtwurm

Eine Kombination aus CO2-Quelle und der Pilz-Gattung Metarhizium bringt Hoffnung in der Bekämpfung von Drahtwürmern.

In den letzten Jahren nahmen die Drahtwurmschäden an Kartoffeln zu. Hauptursachen sind vermutlich das Verbot von breit wirksamen Bodeninsektiziden, die Begrünung der Felder mit Zwischenkulturen und die reduzierte Bodenbearbeitung.

Um das Schadenrisiko und damit wirtschaftliche Einbussen zu reduzieren, sind vorbeugende Bekämpfungsmassnahmen erforderlich, welche allerdings nicht immer erfolgsversprechend wirken. In einem gemeinsamen Projekt der Agroscope und der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (Hafl) wird daher seit 2015 die Bekämpfung von Draht- würmern im Kartoffelbau unter anderem mit dem natürlichen Gegenspieler, dem Pilz Metarhizium, untersucht.

Vorbeugende Massnahmen

Drahtwürmer, die im Boden lebenden Larven der Schnellkäfer, beeinträchtigen mit ihren Frassgängen die Qualität der Kartoffelknollen. Zudem erleichtern die angebohrten Stellen das Eindringen von schädlichen Pilzen wie «Rhizoctonia solani» (Drycore). Seit dem Verbot des Insektizids Regent zur Beizung von Zwischenkulturen fehlen wirksame Massnahmen.

Einzig zugelassen und mit einer Teilwirkung gegen Drahtwürmer ist das Granulat Ephosin der Firma Stähler Suisse SA, welches allerdings das Problem nicht effizient lösen kann. Bewilligt ist Ephosin nur bei der Pflanzung von Kartoffeln. Doch wenn im Frühjahr der Boden noch kalt und trocken ist, bevorzugen Drahtwürmer tiefere Bodenschichten, weshalb das Produkt seine Wirkung nicht voll entfalten kann, erklärt Andreas Keiser, Dozent für Ackerbau und Pflanzenzüchtung an der Hafl.

Erst bei wärmeren Temperaturen und ausreichend Feuchtigkeit wandern die Drahtwürmer in obere Bodenschichten. Allerdings habe bis dahin das Bodeninsektizid in früh gepflanzten Kartoffeln teilweise schon seine Wirkung verloren. Um den Drahtwurmschaden dennoch regulieren zu können, sind vorbeugende Bekämpfungsmassnahmen notwendig:

- Drahtwurmbefall feststellen, da die Verwechslungsgefahr mit Schneckenfrass besteht.

- Kartoffeln frühestens im dritten Jahr nach Wiesenumbruch anbauen. Geeignete Vorkulturen für Kartoffeln sind Ölfrüchte, Leguminosen und Getreide.

- Flache Bodenbearbeitung im August fördert die Austrocknung junger Drahtwurm- larven. Kartoffeln möglichst früh ernten, sobald diese schalenfest sind.

- Parzellen mit erfahrungsgemäss häufigem Drahtwurmbefall für den Kartoffelanbau meiden (Es gibt aktuell keine Mittel, die genügend effizient wirken, um den Schaden bei starkem Befall ausreichend zu reduzieren).

Natürlicher Gegenspieler

Doch selbst vorbeugende Massnahmen geben keine Garantie auf die Reduzierung des Drahtwurmbefalls. Daher forschen Agroscope und Hafl seit einigen Jahren an effektiven Bekämpfungsmöglichkeiten: «Vergleichbar mit chemischen Bodeninsektiziden ist der Erfolg mit dem Pilz Metarhizium brunneum. Seine Wirkung lag in den Versuchen im besten Fall bei rund 50 Prozent», sagt Andreas Keiser.

In Zusammenarbeit mit Agroscope betreut er seit 2015 das Forschungsprojekt «Innovative Strategien zur Bekämpfung des Drahtwurms», welches sich bereits im Endspurt befindet.

Anlocken mit Kohlendioxid

Vielversprechend zeige sich die «Attract-and-Kill»-Methode. Man bedient sich hier der Eigenschaft des Schädlings, zur Fern-Orientierung Kohlendioxid zu verwenden, das von wachsenden Wurzeln abgegeben wird. Sind Larven auf der Suche nach einer Wirtspflanze, verwenden sie den CO2-Gradienten im Boden, um die Wirtspflanze schliesslich zu lokalisieren. Statt nun den natürlichen Gegenspieler zu den Drahtwür- mern zu bringen, soll der Schädling zum Pilz gebracht werden.

Das ist möglich mit CO2-Kapseln, welche die Drahtwürmer im Boden anlocken. Der Pilz der Gattung Metarhizium – auf den Kapseln aufgebracht – infiziert dann durch Kontakt die Drahtwürmer. Die Lockwirkung der CO2-Kapseln hält sich dabei über mindestens drei Wochen auf einem Niveau, welches über dem der Umgebung liegt.

50 Prozent Wirkung in Topfversuchen

Ein derartiges Produkt wurde bereits in Deutschland unter dem Namen «Attracap» der Firma Biocare bewilligt. «Attracap» besteht aus Kapseln, welche Maisstärke oder Hefe als CO2-Quelle enthalten und worauf der Pilz Metarhizium aufgebracht ist. Die Kapseln werden mit einem Granulatstreugerät beim Legen der Kartoffeln ausgebracht.

In Freilandversuchen untersuchten Andreas Keiser und sein Team die Wirksamkeit von «Attracap» unter Schweizer Bedingungen und im Vergleich zum bewilligten Insektizidgranulat. Dabei zeigte «Attracap» in den Topfversuchen im Freiland eine rund 50-prozentige und das Insektizidgranulat Ephosin eine 70-prozentige Wirkung.

Diese Werte konnten in den Freilandversuchen der letzten drei Jahre allerdings nur selten erreicht werden. «Das kann damit erklärt werden, dass sich die Drahtwürmer bei einem frühen Pflanztermin der Kartoffeln im Frühjahr wegen der niedrigen Bodentemperaturen oder der Trockenheit oft noch in tiefen Bodenschichten befinden», so Keiser. Dadurch würden sie nicht mit dem Produkt in Kontakt kommen. Bis die Drahtwürmer bei höheren Bodentemperaturen an die Oberfläche gelangen, hat die Wirkung der Kapseln vermutlich bereits nachgelassen.

In der Zwischenkultur

Aus diesem Grund untersucht die Hafl seit Herbst 2017 auch die Applikation der CO2-Kapseln in die Zwischenkultur vor Kartoffeln. Da Drahtwürmer im August und September aktiver sind und in die oberen Bodenschichten wandern, könnte nach Ansicht von Keiser die Wirkung vermutlich dann besser entfaltet werden als direkt bei der Kartoffelpflanzung.

Eine Schweizer Firma hat bereits ein Gesuch für die Bewilligung des Produktes «Attracap» beim Bundesamt für Landwirtschaft eingereicht. Pilzgerste gegen Drahtwurm Seit 2016 untersucht Agroscope Reckenholz eine weitere Bekämpfungsmethode. Wie schon bei der Bekämpfung von Maikäfer-Engerlingen versucht das Team um Giselher Grabenweger den Drahtwurm mit «Pilzgerste» zu infizieren. Verwendet wird auch hier die Pilz-Gattung Metarhizium. In Praxisversuchen wird die Pilzgerste im Spätsommer in den Boden der Vorkultur eingearbeitet. Die auflaufende Vorkultur soll als natürliche CO2-Quelle zum Anlocken der Drahtwürmer dienen.

Im Rahmen eines Projekts wird die Drahtwurm-Pilzgerste noch bis 2019 getestet. Erste Ergebnisse erhält Grabenweger im September: «Erst nach der diesjährigen Kartoffelernte werden wir einschätzen können, ob die Pilzgerste auch unter Praxisbedingungen eine ausreichende Wirksamkeit gegen den Drahtwurm erzielt.»

Katrin Erfurt

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