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Redaktionsblog
Publiziert: 04.06.2018 / 11:54
Analyse-Kontra: Bäuerinnen sagen nicht nichts, aber zu wenig

Voller Freude drücke ich «play». Doch die Nerven-beruhigende-Off-Stimme einer Frau, die auch in einem Yogastudio Atemanweisungen geben könnte, trübt sofort die Freude.

Das «Hören wir zu, was unsere Bauern bewegt und ihnen wichtig ist», soll mich wahrscheinlich sanft darauf vorbereiten, dass die Bäuerinnen in diesem Imagefilm, der rund 12 Minuten dauert, nichts zu sagen haben. Sie sagen dann zwar nicht nichts. Aber sie kommen auch nicht gerade viel zu Wort: Die erste Bäuerin hören wir bei Minute 5.41, die zweite bei Minute 9.03. Zusammen ganze 50 Sekunden lang.

Die Bilder hingegen sind schön und stimmig. Nicht nur Bilder von Höfen, wie wir sie sonst in der Werbung der Detailhändler sehen. Sondern auch Kühe, die kopfüber im Klauenstand eingeklemmt sind und mit einem Winkelschleifer eine Klauenbehandlung bekommen. Und der Exkurs über das Töten und Nutzen von Pflanzen und Tieren durch den Mensch, einfach wunderbar. Wieso hat es nicht mehr davon?! Auch die Bäuerinnen kommen im Bild wesentlich besser
davon. Sie stehen im Melkstand und vor der Direktvermarktungstafel ihre Frau.

Die porträtierten Bauern sind gut ausgewählt und was sie uns erzählen, ist spannend und authentisch. Aber wo sind die Sorgen, der regelmässig erwähnte Generationenkonflikt oder gar der Groll über den Bundesrat? Das «Hören wir zu, was unsere Bauern bewegt und ihnen wichtig ist» vom Anfang des Films passt irgendwie nicht zu diesem «Alles ist gut und schön, wir machen Landschaftspflege und die Natur ist das Wichtigste». 

Am Ende versöhnt mich dann der Satz etwas, dass es für die Bewahrung des Lebensraums die Bäuerinnen UND Bauern braucht. Bedenkt man aber, dass dieser Film wahrscheinlich so viel gekostet hat, wie ein durchschnittlicher Schweizer Landwirtschaftsbetrieb an Direktzahlungen in einem Jahr bekommt, finde ich es schlecht investiertes Geld. Da hätte ich es lieber direkt den Bäuerinnen und Bauern gegeben. Und auch die wiederkehrende Yoga-Frauenstimme und die herzigen Kinder- und Familienbilder vermögen mich nicht umzustimmen.

et

Das Pro von Adrian Krebs zum selben Thema lesen Sie hier.

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