Zentralschweiz
Publiziert: 10.08.2017 / 13:36
Wasserkreuzkraut koordiniert bekämpfen

Die giftige Pflanze ist in der Zentralschweiz lokal stark verbreitet. Isolierte Bekämpfung bringt nichts.

In der Landwirtschaft, aber auch in der übrigen Gesellschaft ist die Bereitschaft für die Bekämpfung von invasiven Neophyten gestiegen (siehe BauernZeitung vom 4. August). Nicht alle Problempflanzen sind aber Neophyten, so auch das Wasserkreuzkraut (WKK) nicht. Es ist aber für Vieh giftig, deshalb haben vor allem die Bauern ein Interesse daran, dass dieses nicht überhandnimmt. Der Kanton Luzern erklärte die Kreuzkräuter als gemeingefährlich und könnte somit Massnahmen gegen die Verbreitung verfügen.

Bisher wenig Erfolg
Bereits stark verbreitet ist dieses Kraut lokal im Entlebuch und vor allem in der Region Kriens. Dort wurde nicht nur ein gehäuftes Auftreten in den Naturschutzflächen des Hochwaldes festgestellt, sondern auch eine Verbreitung in die intensiv bewirtschafteten Flächen. Schon vor sechs Jahren wurde im Rahmen eines vom Kanton unterstützten Projekts in Kriens ein Versuch zur Bekämpfung mit mechanischen Massnahmen durchgeführt. Der Erfolg war mässig, weil die Beteiligung der Landwirte ungenügend und nicht dauerhaft über mehrere Jahre war. Nun wurde ein neues Projekt lanciert, forciert vom Krienser Landwirt Guido Wigger, der jahrelange Erfahrung in der Bekämpfung dieser Giftkräuter hat. Er konstruierte in seiner mechanischen Werkstätte gar eine Zange, welche das Ausstechen erleichtert. Administrativ, aber wegen fehlender Mittel nicht mehr finanziell unterstützt wird das Projekt von der Luzerner Dienststelle Landwirtschaft und Wald. So wurden letzten Winter in einer Umfrage bei allen Krienser Bauern der Befallsdruck erhoben sowie die Bereitschaft zur Bekämpfung. "Viele Bauern bekämpfen diese Giftpflanzen auf ihren Betrieben schon lange, andere sind sich des Problems nicht bewusst, wieder anderen ist es egal", stellt Guido Wigger fest.

Flächendeckendes Vorgehen
Eine isolierte und nur einmalige Bekämpfung auf einzelnen Parzellen bringe aber gar nichts. Nötig sei ein koordiniertes, flächendeckendes Vorgehen über Jahre. Und nicht nur auf Landwirtschaftsland, sondern auch auf Ruderalflächen oder im Siedlungsgebiet. Das wird mit dem Projekt in Kriens angestrebt, das diesen Sommer angelaufen ist und je nach Erfolg auch in anderen Gemeinden Schule machen könnte. Auf 60 bis 70 Hektaren mit Befall von WKK wird dieses nun in jährlich bis dreimaligen Durchgängen ausgerissen.

Bauern verpflichten
Gerechnet wird laut Wigger mit Kosten von 15 000 bis 25 000 Franken jährlich in den nächsten Jahren. An der Finanzierung beteiligt sich auch die Gemeinde Kriens selbst. "Vorderhand einmalig dieses Jahr, dann schauen wir weiter", betont der zuständige Gemeinderat Matthias Senn. "Es ist nicht Ziel, dass wir Bauern unterstützen, die jahrelang selber nichts machten." Das sieht auch Guido Wigger so: Derzeit werde geprüft, wie Bauern mehr in die Pflicht genommen werden können, welche nicht mitmachen und ihre Flächen einfach verunkrauten lassen. Kürzungen der Direktzahlungen würden geprüft.

Begleitete Asyleinsätze
Im ganzen Gemeindegebiet sind derzeit von Juli bis September Gruppen von acht bis 24 Asylsuchenden unterwegs, begleitet von angestellten Fachpersonen. "Acht bis zehn Hektaren pro Tag schaffen wir", sagt Christopher Matzk, ein aus Deutschland stammender Forstwart, der seit eineinhalb Jahren für die Luzerner Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen arbeitet und dort verschiedenste Arbeitseinsätze auch im forstlichen Bereich oder zur Neophytenbekämpfung begleitet. Auf dem Reithof von Janine Buholzer in Obernau war Anfang August eine Gruppe von Eritreern und Afghanen bei grosser Hitze im Einsatz.

Unterschiedliche Verbreitung
Hier sind die Giftkräuter in den vernässten und teils steilen Weiden unterschiedlich stark verbreitet. Mit den Rosetten seien es wohl zehn bis 20 pro Quadratmeter, schätzt Christopher Matzk. Im Krienser Hochwald habe er Flächen mit einem Befall von bis zu 200 WKK pro Quadratmeter vorgefunden. Gute Erfahrung haben er und Guido Wigger gemacht, wenn vorher gemäht wird. So sei der übrige Pflanzenbestand nicht zu mächtig; die neuen, wieder erblühten WKK-Pflanzen seien so aber gut sichtbar, dass sie gut und effizient ausgestochen werden können.

js

Asylbewerber-Einsätze nutzen

Der Kanton Luzern bietet seit einiger Zeit gemeinnützige Arbeitseinsätze von Asylsuchenden in der Landwirtschaft. Das gelte im Gegensatz zu Arbeitseinsätzen in der Landwirtschaft aber nur für Tätigkeiten, die keinen eigentlichen Ertrag abwerfen, heisst es im entsprechenden Merkblatt. Konkret Neophyten- oder Blackenbekämpfung, Wuhrwesen, Hecken- und Landschaftspflege, Waldpflege, Schlagräumungen, unwetterbedingte Massnahmen oder auch manuelle Ernte von Hochstammobst. Bei unbegleiteten Einsätzen sei dies für den Landwirt gratis, der Kanton übernimmt auch die Motivationszahlung an die Asylsuchenden von zehn Franken pro Tag. Bei begleiteten Einsätzen beträgt die Tagespauschale für eine Gruppe von fünf bis neun Personen 400 Franken pro Tag. 

js

Mehr Informationen gibt es unter www.daf.lu.ch

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