Schweiz-International
Publiziert: 20.10.2017 / 09:05
Trinkwasser-Initiative hat über 100‘000 Unterschriften

Die radikale Anti-Pflanzenschutz-Initiative „Sauberes Trinkwasser für alle“ dürfte zustande kommen. Wie die Initiantin Franziska Herren gegenüber der BauernZeitung bestätigt, sind über 100‘000 Unterschriften beisammen.

Seit sieben Monaten sammeln Franziska Herren und ihre Unterstützer Unterschriften für das Volksbegehren «Sauberes Wasser für alle», kurz Trinkwasserinitiative. Und seit Mittwochabend ist klar, dass die Initiative zustande kommen wird. Wie Herren auf Anfrage sagt, hat man in der Zwischenzeit über 100 000 Unterschriften beisammen und Herren erwartet noch rund 20'000 weitere aus diversen Sammelaktionen.

SBV lehnt ab, Bio Suisse rühmt

Konkret sieht die Initiative vor, dass der Bund künftig keine Produktionsformen mehr unterstützt, die prophylaktisch bzw. regelmässig Antibiotika, Pestizide und importierte Futtermittel einsetzen (s. Kasten). Herren will damit erreichen, dass die Menschen sich langfristig gesund ernähren können und der Bund entsprechende Produktionssysteme exklusiv fördert. Das Initiativkomitee erhält dabei auch Unterstützung von bäuerlicher Seite. So unterstütz etwa Bio Suisse den Vorstoss, wie Urs Brändli in einem Gastbeitrag in der aktuellen Ausgabe der BauernZeitung festhält. Der Schweizer Bauernverband hingegen hält die Initiative für ein Unding. Er lehnt sie als zu extrem und einseitig ab und betont, dass man mit dem Aktionsplan Pflanzenschutz des Bundes bereits in machbaren Schritten in die geforderte Richtung gehe. Doch allen geht das nicht schnell genug.

Harte Kritik an IP-Suisse

Vergangene Woche hat auch IP-Suisse den Druck gegen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erhöht. Sie hat ihren Produzenten mitgeteilt, dass der Glyphosateinsatz im Getreide und in der Vorkultur ab dem Anbaujahr 2018 nicht mehr erlaubt sein wird. Begründet wird dieses Vorhaben mit der Notwendigkeit, etwas zu unternehmen, angesichts der schlechten Reputation von Glyphosat. Wenn nur 10 Prozent von dem stimme, was gegen
Glyphosat vorgebracht werde, etwa die antibiotische Wirkung auf das Bodenleben, müsse man jetzt dringend handeln, sagt IP-Geschäftsführer Fritz Rothen.

Das Vorhaben wird in der Branche teilweise scharf kritisiert. Namentlich die Direkt-saat-Produzenten fühlen sich angegriffen. Der Präsident der Organisation Swiss No Till, Reto Minder, spricht von einer «reinen Marketing- und Profilierungsgeschichte». Fritz Rothen streitet ab, dass man rein Marketing-technisch motiviert sei.

hja/akr

Die vollständige Berichterstattung über das Thema finden Sie in der neuen Ausgabe der BauernZeitung von heute Freitag. Hier geht’s zur Abo-Bestellung.

Die Trinkwasser-Initiative im Wortlaut

Die Bundesverfassung wird wie folgt geändert:

Art. 104 Abs. 1 Bst. a, 3 Bst. a, e und g sowie 4

Der Bund sorgt dafür, dass die Landwirtschaft durch eine nachhaltige und auf den Markt ausgerichtete Produktion einen wesentlichen Beitrag leistet zur:

a. sicheren Versorgung der Bevölkerung mit gesunden Lebensmitteln und sauberem Trinkwasser;

Er richtet die Massnahmen so aus, dass die Landwirtschaft ihre multifunktionalen Aufgaben erfüllt. Er hat insbesondere folgende Befugnisse und Aufgaben:

a. Er ergänzt das bäuerliche Einkommen durch Direktzahlungen zur Erzielung eines angemessenen Entgelts für die erbrachten Leistungen, unter der Voraussetzung eines ökologischen Leistungsnachweises, der die Erhaltung der Biodiversität, eine pestizidfreie Produktion und einen Tierbestand, der mit dem auf dem Betrieb produzierten Futter ernährt werden kann, umfasst.

e. Er kann die landwirtschaftliche Forschung, Beratung und Ausbildung fördern und Investitionshilfen leisten, sofern damit die Landwirtschaft im Hinblick auf die Buchstaben a und g sowie auf Absatz 1 unterstützt wird.

g. Er schliesst Landwirtschaftsbetriebe von Direktzahlungen aus, die Antibiotika in der Tierhaltung prophylaktisch einsetzen oder deren Produktionssystem einen regelmässigen Einsatz von Antibiotika nötig macht.

4 Er setzt dafür zweckgebundene Mittel aus dem Bereich der Landwirtschaft und allgemeine Bundesmittel ein, überwacht den Vollzug der Vorschriften sowie die erzielten Wirkungen und informiert die Öffentlichkeit regelmässig über die Ergebnisse dieser Überwachung.

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Kommentare
Seppl - 20.10.2017 12:28:56
Dan aber auch den import von solchen lebensmitteln und zwischenprodukten verbieten damit wir nicht auf unserer teuren ernte sitzen bleiben.
Elisabeth - 20.10.2017 14:20:22
Ja, Seppi hast recht. Aber wichtig wäre bessere Kenntnisse der Bürger über Lebensmittel, deren Produktion und auch um deren Umfeld
Haas - 21.10.2017 09:25:33
Falls diese Initiative angenommen wird (gut möglich), kaufe ich generell nur noch importierte Lebensmittel. Diesen Schwindel mache ich nicht mit.

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