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Publiziert: 06.08.2017 / 19:00
Porträt: Gesundheit sorgte für «Marschhalt»

Barbara Kunz-Steffen weiss, warum sie bewusst entscheidet, welche Sachen für sie wichtig sind und wo auch Grenzen sein können. 

«Für meine Familie und für die Arbeit mit Frauen investiere ich gerne meine Zeit. Es ist mir aber sehr wichtig, dass ich dabei auch Freude habe. So kommt es meistens gut», hält Barbara Kunz mit einem feinen Lächeln fest. 

Als ältestes von fünf Geschwistern wuchs Barbara Kunz in Ruefswil bei Ufhusen LU auf einem Bauernhof auf. In dieser Ecke des Kantons Luzern war die Nähe zum Bernbiet sehr spürbar. Nach der Schulzeit machte die junge Frau ein Haushaltlehrjahr in Heitenried FR und lernte dabei im Freiburgischen den «Senslerdialekt» kennen. Die Bäuerin erinnert sich gerne an sprachliche Verwechslungen, die damals für etliche Lacher sorgten.

Freundschaften, die halten

Die Liebe zur Natur und der Blick fürs Schöne hat Barbara Kunz seit jeher. Darum war ihre Berufswahl zur Gärtnerin mit Fachrichtung Schnittblumen und Topfpflanzen kein Zufall. Die junge Gärtnerin arbeitete gerne auf ihrem Beruf, genoss aber auch die freien Stunden. Dabei begegnete ihr an einem «Landjugifest» Manfred Kunz. Von da an wusste sie, dass es in Ersigen BE nicht nur das «Rössler-Geschirr» gab. Um sich in den landwirtschaftlichen Kenntnissen zu festigen, besuchte Barbara Kunz 1993 / 94 den Winterkurs am Inforama Waldhof in Langenthal. «Der Unterricht und das Zusammenleben im Waldhof waren etwas von Schönsten. Unter den 46 Frauen war ein grosser Zusammenhalt und es entstanden feste Freundschaften, die halten und viel zur Lebensqualität beitragen», meint die Bäuerin noch heute dankbar. 

Ebenfalls eine gute Zeit war für Barbara Kunz ihre Anstellung im Dienstbotenheim Oeschberg, Koppigen BE. Sie lernte dabei, dass ältere Leute teilweise ihr frisch gebackenes Brot mit Leinsamen nicht sehr schätzten. Als sich 1996 Barbara und Manfred Kunz das Ja-Wort gaben, kam der Wunsch des Bräutigams eventuell auszuwandern zur Diskussion. Doch die junge Bäuerin konnte sich das gar nicht vorstellen. Als dann in den Jahren darauf mit den Kindern Christina, Miriam, Hannes, Anna und Mathias eine glückliche Familie entstand, war die Heimat ganz klar auf dem Bauernhof in Ersigen. 

Wertvolle Ausbildungen

Der Betrieb umfasst 16 Hektaren, und es wird Milchwirtschaft und Ackerbau betrieben. Der Ehemann arbeitet zu 50 Prozent in einer Entsorgungsfirma. So ist Barbara Kunz oftmals als Bäuerin gefordert, sei es mit Melken, Siloballen wickeln oder den Acker pflügen. Sie scheut diese Arbeiten aber gar nicht, denn nach der Betriebsleiterschule hat sie 1998 die Prüfung zur eidgenössisch diplomierten Bäuerin abgelegt. Eine zusätzliche Horizonterweiterung gab es 2012 bis 2013 mit der Ausbildung «Betreuung im ländlichen Raum». «Danach waren einige Jahre Jugendliche auf unserem Betrieb. Heute würde mich reizen, mit Erwachsenen zu arbeiten», meint Barbara Kunz. Dies, weil sie durch ihre Arbeit im Vorstand der Oekonomischen und Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Bern (OGG) mit dem «Betreuten Wohnen in Familien» in Berührung kam. 

Ihr soziales Netzwerk pflegt sie mit dem Projekt «Znüni vo de Püüri» seit zehn Jahren. Zweimal in der Woche bäckt sie mit einer Freundin gesunde Zwischenverpflegungen für Schulkinder, die andere Frauen in den Schulen verkaufen. Viel Engagement leistet Barbara Kunz auch im Vorstand des Verbands bernischer Landfrauenvereine und als Kirchgemeinderätin in der Kirchgemeinde Kirchberg.

Prägende Wochen

Dass die Gesundheit manchmal einen «Marschhalt» befiehlt, musste Barbara Kunz als 40-Jährige selber erfahren. Ihre Gesundheitswerte waren schlecht: Ihr Körper produzierte kein neues Blut und Eisen. Im Spital wurde sie wieder «aufgepäppelt», aber die Kräfte kamen nicht zurück. So musste die Bäuerin in die Reha, weg von Familie und Betrieb. «Diese vier Wochen waren für alle Betroffenen prägend. Und ich habe nach der Krankheit entschieden, welche Dinge für mich wichtig sind und welche nicht. Auch habe ich gelernt, zufrieden zu sein. Fünf gesunde Kinder, einen guten Partner und genug zum Leben, was will ich mehr», sagt sie bestimmt. 

Was die Zukunft bringt, und ob der älteste Sohn den Hof übernimmt, da lässt sich die Bäuerin überraschen. «Ich habe noch Träume, eventuell mache ich nochmals eine Ausbildung. Mein Mann und ich sind ebenfalls offen für Neues. Es ist in der Landwirtschaft momentan nicht einfach und was die Zeit bringt, weiss niemand», meint die Bäuerin. Sie ist sich aber bewusst, dass sie etwas zu ihrer Lebensqualität beitragen kann und selber Auszeiten schaffen muss. Es gibt da ja auch noch viele Bücher, die Barbara Kunz in freien Stunden lesen will.

Barbara Heiniger

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