Schweiz-International
Publiziert: 19.06.2017 / 19:04
Es ist ein Ende in Sicht

Für viele Schülerinnen und Schüler endet bald die reguläre Schulzeit. Nun müssen sie noch die letzten Schulwochen durchstehen.

Für Josua ging im November letzten Jahres ein Traum in Erfüllung: Er hatte
seinen Lehrvertrag zum Landmaschinenmechaniker in der Tasche. Im August würde er seine Traumstelle antreten. Dazwischen lagen aber noch sieben Monate Schule. Wie konnte er das schaffen? Wie sich motivieren? Er sah nicht über den Berg. 

Wenn der Mist geführt ist

Im November der neunten Klasse unterzeichnen die ersten Jugendlichen einen Lehrvertrag, andere absolvieren im März die Aufnahmeprüfung an eine weiterführende Schule. Bis im frühen Sommer wissen die allermeisten, wie es für sie im August weitergeht und können das Ende der Schulzeit kaum erwarten. Manche wollen die letzten Wochen mit der Klasse einfach noch geniessen und können nicht verstehen, warum die Lehrerinnen und Lehrer gegen Schluss noch Prüfungen machen. Die Schulen passen zwar ihr Programm an –  legen beispielsweise Projektwochen auf diese Zeit oder lassen die Schülerinnen und Schüler im letzten Schuljahr ein individuelles Abschlussprojekt durchführen. «Auf diese Art können die Jugendlichen ihren persönlichen Interessen nachgehen und sind motiviert für die Arbeit», sagt Schulleiter Matthias Würgler. Was den Schulbetrieb der letzten Wochen angehe, müssten sie aber auch lernen durchzuhalten und einfach auf die Zähne zu beissen. Dies ist eine gute Vorbereitung auf den Berufsalltag. Josua geht nur noch an drei Tagen in die Schule. Mittwoch und Donnerstag arbeitet er seit Januar bei seiner künftigen Lehrfirma. 

Massgeschneiderte Lösung

«Als Josua den Lehrvertrag unterzeichnete, hätte er am liebsten gleich am nächsten Tag angefangen zu arbeiten», sagt seine Mutter. Josua war nicht einfach schulmüde, er war zunehmend antriebslos und unmotiviert. Die Schule wurde für ihn zur Qual. «Das Schlimmste war, dass er auf gar nichts mehr Lust hatte, auch ausserhalb der Schule nicht», sagt sie und fügt an, dass er mit der Zeit für die Schule nichts mehr machte. Sie suchten das Gespräch mit dem Lehrer und dem Schulleiter. Dieser bot an, dass Josua von der Schule teilsuspendiert würde, um an zwei Tagen arbeiten zu gehen. Der künftige Lehrmeister war einverstanden: «In einem Kleinbetrieb wie dem unsrigen ist so etwas möglich. Und wenn eine solche Lösung einen Jugendlichen weiterbringt, dann bin ich gerne bereit ihn aufzunehmen», sagt er und fügt an, dass er von Anfang an optimistisch war, weil er Josua aus den Schnupperlehren kannte, und er ihn als engagierten und selbstständigen Lehrling erlebte. 

Kein Einzelfall

An Josuas Schule besteht momentan mit drei Schülern ein solcher «Wochenarbeitsplatz», wobei es sich in der Regel um einen Tag handelt. Die Gründe sind verschiedene: Mal geht es um Schulmüdigkeit, mal um ein zeitlich befristetes «Timeout». «Im Extremfall kann die Beschulung auf ein gesetzliches Minimum von acht Wochenlektionen reduziert werden, so dass es immer noch möglich ist, ein Abschlusszeugnis auszustellen», sagt Schulleiter Würgler, betont aber gleichzeitig, dass eine solche Massnahme äusserst selten getroffen würde und sehr sorgfältig abgeklärt werden müsse. Eher versuche man einen Schüler zu motivieren, indem zum Beispiel einzelne Fächer, welche für seine Berufswahl nicht relevant sind, zugunsten der wichtigen zu verschieben.

Wenn Josua heute von der Arbeit heimkehrt, ist noch nicht an Ausruhen zu denken: Erst noch in die Musikprobe und den Schulstoff aufarbeiten. «Manchmal bin ich schon kaputt und es bleibt mir auch nicht viel freie Zeit», sagt er, fügt aber rasch an, dass sich für ihn dieser Stress absolut lohne und er nie am Entscheid gezweifelt habe.

Ob er denn heute wieder motiviert sei für die Schule? «Das nicht gerade, aber immerhin machen meine Wochen so wieder Sinn», sagt er. Mit Bemerkungen seiner Kollegen, wie: «Du hasts gut! Ich will auch arbeiten…», kann er umgehen. Und seine Mutter sagt: «Uns kam vonseiten der Schule, aber auch des Lehrmeisters viel Wohlwollen entgegen. Es war die Haltung zu spüren: Geben wir einem Jugendlichen eine Chance.»

Suzanne Hardegger

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