Auswandererblog
Publiziert: 08.02.2017 / 08:50
Auswandererblog: Zureiten nach europäischer Art

Die Schulferien nutzte Bloggerin Mirka Lötscher auch für das intensivere Training ihres zweijährigen Pferdes. Ihre Trainingsmethoden würden zwar etwas belächelt, aber gewisse Vorteile sehen die Nicaraguaner in ihrem Umfeld dann trotzdem.

Während den Ferien nutzte ich auch die Zeit auf der Finca etwas intensiver mit meinem zweijährigen Pferd „Linterno“zu arbeiten. Normalerweise müssen die Pferde und Maultiere mit dem Lasso eingefangen werden. Da ich das nicht beherrsche, suchte ich mir ein anderes System. Ich locke Linterno mit einem Säckchen Salz. Ich habe ihn bereits soweit, dass er zu mir kommt, sobald er mich sieht und das Säckchen hört. Ich kann ihm dann das Halfter umlegen und mit ihm spazieren gehen. Bereits reagiert er sehr gut auf die verschiedenen Kommandos. Ich möchte ihn Schritt für Schritt soweit bringen, dass das Zureiten, wenn er etwa drei Jahre alt ist, für ihn kein besonderer Stress mehr bedeutet. In Nicaragua ist das natürlich ganz anders.

Zu Beginn glaubten mir unsere Arbeiter nicht, dass ich es fertig brächte, Linterno auf diese Weise zu halftern. Mit unseren älteren Reittieren ist es oft ein grosser Aufwand, sie von der Weide zu holen. Manchmal sind zwei Personen während einer halben Stunde damit beschäftigt. Inzwischen probiert auch Jaime sich den anderen jungen Pferden und Maultieren mit Salz zu nähern.

Auch das Zureiten läuft in Nicaragua ganz anders ab. Mit etwa zwei Jahren wird ein Pferd zugeritten. Der ganze Prozess dauert maximal zwei Wochen. Das Pferd wird mit dem Lasso eingefangen, das Halfter umgelegt und eine Weile angebunden gelassen, meist mehrmals über Nacht. Dann werden dem Pferd die Augen verbunden, um das Zaumzeug und den Sattel aufzulegen. Sogleich wird aufgesessen. Der Bereiter nimmt dann die Augenbinde ab und versucht vorwärts zu reiten und im Sattel zu bleiben. Bis das Pferd mehr oder weniger ruhig läuft dauert es vielleicht einen Monat.

Diese Methode ist zwar gefährlicher, aber natürlich viel zeitsparender. Zusätzlich staune ich, wie ruhig und zuverlässig sich die Tiere beim Reiten betragen.

Ich werde trotzdem bei meinem System bleiben. Während der Schulzeit, kann ich mir an den Wochenenden Zeit für Linterno nehmen. Der Name stammt übrigens daher, dass er in den ersten Monaten seines Lebens ein rotbraunes Fell und einen weissen Kopf, wie eine Laterne hatte (siehe kleines Foto rechts unten).

Mirka Lötscher

 

Die Bloggerin

Mirka Lötscher ist in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Ihre Ausbildung als Ing. Agronomin führte sie zu einer Arbeitsstelle am Inforama Bern. Sie ist mit Jaime aus Nicaragua verheiratet. Er ist ebenfalls Agronom und für die ersten gemeinsamen Jahre in die Schweiz gekommen. Ende 2013 sind die beiden mit ihrem kleinen Sohn Dario nach Nicaragua ausgewandert, um die Finca von Jaimes Familie zu übernehmen. Seit vergangenem Jahr arbeitet Mirka Lötscher zusätzlich als Lehrerin an der deutschen Schule in Managua.

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BauZ 

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