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Publiziert: 29.09.2016 / 06:01
Zu wenig Bio-Apfelsaft

Die Nachfrage nach Bio-Apfelsaft wächst, aber das Angebot hinkt hintendrein. Denn es ist gar nicht so einfach, die einheimische Produktion an Biomostäpfeln auszudehnen.

„Beim Biomostobst kann seit einigen Jahren die Nachfrage nicht mehr befriedigt werden“, heisst es in einer Mitteilung von Bio Suisse. Auch der Schweizer Obstverband bestätigt, dass es dieses Jahr ein Manko an Bio-Mostäpfeln geben dürfte. Dies ist umso erstaunlicher, als der Süssmostkonsum insgesamt in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich abgenommen hat. Die jungen Leute greifen lieber zu Süssgetränken oder Energy Drinks. Doch offensichtlich wächst bei denen, die Süssmost trinken, immer mehr der Wunsch nach Bio-Qualität.

Produktion ausweiten ist schwierig

Mostobst heisst in erster Linie Obst von Hochstammbäumen. Denn diese Bäume tragen Sorten, die sich gut für die Herstellung von süssem oder saurem Most eignen, aber deren Früchte kaum den modernen Ansprüchen von Tafeläpfeln genügen. Insgesamt gesehen gibt es genügend, oft sogar zu viel Mostobst. Es ist der Biomostapfel, der immer mehr nachgefragt wird und dessen Angebot die Nachfrage kaum decken kann. Biomostäpfel erzielten im Jahr 2015 einen Mehrpreis von 7 Franken je 100 kg gegenüber konventionellen Suisse Garantie-Mostäpfeln. Das sei immerhin ein um 27 Prozent besserer Preis, berichtet Bio Suisse.

Doch warum steigen angesichts der lukrativen Preise nicht mehr Bauern in die Bio-Mostobstproduktion ein? „Das ist nicht so einfach“, sagt Andreas Häseli vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL). Er hat ein Merkblatt für eine erfolgreiche Bio-Hochstammproduktion verfasst. Biomost ist ein reines Naturprodukt, frei von Rückständen. Beim Anbau dürfen keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel und mineralische Dünger eingesetzt werden. Da ein Teil des Mostobstes von Niederstammanlagen für den Tafelobstbau stammt, müssen Biobauern zusätzlich auf den Einsatz von Hormonen und Herbiziden verzichten, welche im konventionellen Anbau erlaubt sind. Doch nicht nur der Pflanzenschutz macht die Umstellung auf Biomostobst anspruchsvoll. Wer biologisches Obst herstellen möchte, muss den ganzen Betrieb auf Bio umstellen.

Bio-Apfelsaft darf nicht konzentriert werden

„Trotz weniger Mostobst kein Apfelsaft-Engpass“, heisst es im Jahresbericht 2015 des Schweizer Obstverbandes. Obwohl die Mostobsternte im Jahr 2015 gut 30 Prozent unter dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre lag, waren die Schweizer Mostereien bei Mostäpfeln zu 111 Prozent und bei Mostbirnen sogar zu 159 Prozent versorgt, ausgehend vom Normalbedarf. Die Ernten an Mostobst schwanken je nach Jahr sehr stark. Im Jahr 2011 war der Ertrag gut doppelt so hoch als in anderen Jahren. Doch selbst wenn es in einem Jahr einmal zu wenig Mostobst gäbe, liesse sich dies durch lagerfähiges Konzentrat aus den Vorjahren ausgleichen. Der meiste konventionelle Apfelsaft wird sogar aus Konzentrat und nicht aus frischen Äpfeln hergestellt. Anders ist es beim Bio-Apfelsaft. Dieser ist immer ein Direktsaft, der zwar pasteurisiert, aber nicht konzentriert wird. Eine Konzentrierung von Apfelsaft ist bei Bio Suisse nur für die Herstellung von Schorle erlaubt.

Auch aus dem Ausland

Die Grossverteiler Migros und Coop müssen sich je nach Grösse der Ernte nach der Decke strecken, um genügend Bio-Apfelsaft einzukaufen. Coop verkauft Naturaplan Apfelsaft sowie Ramseier Bio Apfelschorle, beides Schweizer Produkte mit Suisse Garantie Label. Für Coop ist es dieses Jahr schwierig, die steigende Nachfrage nach Bio-Apfelsaft zu decken. Der Grossverteiler deklariert nur dann ein Produkt als biologisch, wenn die Herstellung den strengen Bio-Suisse Anforderungen, sprich der „Knospe“ entspricht. Migros macht es sich beim Bio-Apfelsaft etwas leichter, denn sie importiert diesen auch aus dem Ausland. Allerdings wird der Apfelsaft nicht als Konzentrat eingeführt, sondern als Direktsaft ohne Zusatzstoffe. Sowohl die Mosterei Ramseier Suisse AG, der grösste Schweizer Obstsaftproduzent, als auch die Mosterei Möhl AG in Arbon TG verwenden nur Schweizer Obst. Während Ramseier davon ausgeht, dass das Angebot an Bio-Mostäpfeln dieses Jahr knapp werden könnte, sieht Möhl keinen Engpass. Die Thurgauer Mosterei erwartet dieses Jahr eine leicht überdurchschnittliche Mostapfelernte. Ihr dürfte es entgegenkommen, dass sie für ihren Süssmost mehr als 10 Prozent Birnensaft verwenden darf, während für Apfelsaft nur 10 Prozent Birnensaft erlaubt sind. Ausserdem kann sie für das Bio-Shorley auch Bio-Konzentrat verwenden.

Michael Götz, lid

Auch Bio-Birnen könnten knapp werden

Gemäss der schweizerischen Lebensmittelverordnung darf Apfelsaft höchstens 10 Prozent Birnensaft enthalten. Anders ist es beim Süssmost; hier können auch einmal 40 Prozent des Saftes von Birnen stammen. Obwohl es genügend Bio-Mostbirnen für den Bio-Apfelsaft und Bio-Süssmost gibt, hat die Mosterei E. Brunner AG in Steinmaur ZH schon im Jahre 2012 das Projekt „1000 Biomostbirnenbäume“ ins Leben gerufen. Die Mosterei stellt nicht nur Saft her, sondern verarbeitet Birnensaft zu Birnel, einem schmackhaften Süssungsmittel und Brotaufstrich. Sie hat den Rückgang an Mostobst schon früh gespürt. Die Obst-Krankheiten Feuerbrand und Birnenverfall sowie die tiefen Mostobstpreise sind die hauptsächlichen Gründe für den Rückgang. „Wollen wir auch in Zukunft noch genügend Biomostbirnen bekommen, müssen wir schon jetzt die abgehenden Bäume ersetzen“, sagt Robert Brunner. Nicht nur die Produktion von Birnen, sondern auch von Äpfeln lässt sich nicht einfach von einem Jahr auf das andere steigern; denn in den ersten zehn Jahren bringen junge Hochstammbäume praktisch noch keine Früchte.

mg

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