Schweiz-International
Publiziert: 20.04.2016 / 09:14
Rinderzuchtszene aus drei Ländern diskutiert ihre Probleme

Im Hotel Schwägalp vor der eindrücklichen Kulisse des frisch verschneiten Säntis findet gestern und heute das Drei-Länder Rinderzuchtseminar statt. An ihm treffen sich die Fachleute der Deutschen, Österreichischen und Schweizer Rinderzuchtszene.

Der Name der Schwägalp bedeute Viehweide und diese sei darum für so ein Treffen eine herrvorragende Kulisse betonte ASR-Präsident Andreas Aebi in der Begrüssungsrede. Das Wunder der Natur, die Entstehung von Milch und Fleisch aus Gras solle auch in Zukunft die Basis einer gesunden Viehzucht sein. „Es gibt mir aber zu denken, wenn ich einen Stier sehe, dessen Mutter elf Monate alt ist und der Vater 15 Monate“, gab Aebi zu bedenken. Er verglich die Viehzucht mit dem Schwingen, beides sei emotional und könne begeistern.

Ausstellungen noch Motor der Viehzucht?

Dass die Viehzucht nicht nur begeistern kann zeigten dann auch die kommenden Referate. Alfred Weidele von der Rinderunion Baden Würtemberg stellte die als erstes die Rindviehzucht in seinem Bundesland vor. Baden-Würtemberg setzt auf Rassenvielfalt um den unterschiedlichen Bedürfnissen der Betriebe Rechnung zu tragen. Doch die Rindviehzucht leidet unter dem wirtschaftlichen Druck und der hohen Arbeitsbelastung auf den Betrieben. So kommen immer mehr Betriebe von der KB weg und lassen einen Stier in der Herde laufen. Beim Braunvieh wird, so Weidele ein Viertel mit blauem Belgier besamt.

Anders als der liberale Weg der Baden-Würtemberger sieht der „Bayerische Weg in der Rinderzucht“ aus, wie Maximilian Putz, Leitender Ministerialrat beim Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ausführte. In Bayern ist die Rinderzucht stark staatlich geprägt und gefördert. Putz betonte aber, obwohl in Bayern der Staat Aufgaben übernehme, die sonst privatisiert seien, fahre man keinen Sonderzug. Die Rinderzucht sei genauso auf Bedürfnisse und Strukturen des Landes ausgerichtet. „Die Zucht ist gefordert wirtschaftliche Tiere hervorzubringen um die Produktionskosten senken zu können“, so Putz.

Die Österrreichische Rindviehzucht stellte Josef Miesenberger, Geschäftsführer des Fleckviehzuchtverbands Inn- und Hausruckviertel vor. Wie auch in Deutschland leiden die Milchproduzenten unter den sehr tiefen Milchpreisen. Jeden Tag stellen fünf Landwirte die Produktion ein. Trotzdem seien Viehausstellungen noch zahlreich besucht und mit Emotionen behaftet. Miesenberger stellte aber auch die Frage, ob diese Ausstellungen heute noch der Motor der Viehzucht seien.

Viehzüchterische Auswüchse ohne Akzeptanz

Neben allen bekannten wirtschaftlichen Problemen der Landwirtschaft und der Viehzucht im Speziellen, kristallisierte sich ein brisantes Thema heraus. Alle Vertreter betonten die fehlende Akzeptanz von viehzüchterischen Auswüchsen von Seiten des Konsumenten. Die Debatte, was Qualzucht sei, was einem Nutztier zugemutet werden darf und was nicht, sei neben den wirtschaftlichen Herausforderungen eine sehr wichtiger Richtungsanzeiger in der Viehzucht betonten die Redner unisono.

Neben dem Fachlichen bot das Abendprogramm viel Zeit zum Gedankenaustausch. Beim Abendessen inklusive romantischem Sonnenuntergang auf dem Säntis wurde in den verschiedensten Zusammensetzungen über die Zukunft der Rindviehzucht philosophiert und das ein oder andere mal mit einem wehmütigen Lächeln der Vergangenheit gedacht.

Daniela Joder

(ausführlicher Bericht in der neusten Ausgabe der Bauernzeitung)

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