Redaktionsblog
Publiziert: 15.04.2016 / 10:35
Redaktionsblog: Zeitung wird zur Dienstleisterin für fast alle Lebenslagen

Im Redaktionsblog bloggen Mitglieder der Redaktion über Themen, die sie bewegen. Diesmal der neue Chefredaktor Adrian Krebs.

Die Landwirtschaft ist kein Ponyhof. Das noch junge Jahrhundert bescherte ihr weltweit und in der Schweiz bis anhin vor allem schrumpfende Margen, Druck auf das Kulturland, Strukturwandel und einen wirtschaftlichen Bedeutungsverlust.

Aber es bieten sich auch Chancen. Die Weltbevölkerung nimmt zu, der Bedarf an Lebens
mitteln ebenso. Gleichzeitig wird es angesichts des Klimawandels schwieriger, diese zu produzieren. Das heisst: Es braucht die gut ausgebildeten Landwirte, Bäuerinnen und Landwirtinnen mehr denn 
je zuvor. Sie treffen auf eine Konsumentenschaft, die sich zumindest in unseren Breitengraden zunehmend für die Herstellung ihrer Lebensmittel interessiert. Das sind herausfordernde, aber nicht die schlechtesten Voraussetzungen, um sich im bäuerlichen Metier auch in den nächsten Jahrzehnten das tägliche Brot zu verdienen.


Dasselbe gilt für die Agrarmedien. Sie sind gefordert beim Versuch, trotz Strukturwandel und damit tendenziell sinkendem Kundenpotenzial den Kopf über Wasser zu halten. Gleichzeitig war der Bedarf für praxisnahe, innovationsfördernde und unterhaltsame Information wohl noch nie so gross wie in unseren bewegten Zeiten. Dabei wird sich wie auf den Höfen, 
die wir rund ums Jahr bedienen, ein Strukturwandel nicht vermeiden lassen.


Die Dichte an Agrarpublikationen ist immer noch stattlich. Allerdings zeigt sich bei näherem Hinsehen, dass neben vielen kräftigen und gut florierenden Tannen in diesem Pressewald das eine oder andere Exemplar seinen Zenit überschritten hat. Die Zeiten, als Inserate- und Abobestellungen wie frische Äpfel vom Hochstammbaum in die Briefkästen der Redaktionen und Verlage plumpsten, sind längst vorbei. Ähnlich wie bei der Publikumspresse muss heute für jede Anzeige und für neue Abos hartnäckig gearbeitet und  investiert werden. Selbst dort, wo konstante Leserzahlen durch obligatorische Abonnements von Mitgliedern mehr oder weniger garantiert sind, geraten Verbandskassiere zunehmend in Engpässe und müssen in Versammlungen um höhere Beiträge für ihre Publikationen beten.

Gleichzeitig findet in der Medienwelt in atemberaubend schnellem Tempo eine Revolution statt. Das Internet und noch fast stärker die heute in fast jeder Hosen- oder Handtasche steckenden technischen Wunderdinger namens Smartphone stellen Zeitungen und Magazine aller Art vor schier unlösbare Probleme.


Einerseits sorgen sie für die Abwanderung von Leserinnen und Lesern weg von den Druckprodukten auf die grossen und kleinen Bildschirme. Damit erodieren nicht nur die Abo-, sondern auch die Anzeigenerträge, denn wer will schon gleich viel zahlen, wenn ein Inserat von immer weniger Leuten gesehen wird. Andererseits ist es noch nicht gelungen, diese Ausfälle in den elektronischen Kanälen auch wieder zurückzuholen, denn wer will schon für Neuigkeiten bezahlen, wenn es sie immer irgendwo gratis zu holen gibt im Netz?


Aber es steht uns fern, ins Jammern verfallen zu wollen. Denn wie sagte doch der gute alte Gorbatschow? Bestraft von der Geschichte wird nur, wer zu spät kommt. Wir sind überzeugt, dass jetzt genau der richtige Zeitpunkt ist, um die neuen Herausforderungen und Chancen mit vollem Elan am Schübel zu packen. Denn nicht nur die potenziellen Fallgruben, sondern auch die neuen Möglichkeiten in der elektronisch aufgewerteten Medienwelt sind gross.

Das aufgefrischte Layout der BauernZeitung ist dabei nur ein weiteres Teil in unserem Agrarmedienpuzzle, das wir in den nächsten Monaten und Jahren kontinuierlich zusammen-setzen und weiter ausbauen wollen. Zum Beispiel mit der inhaltlichen und optischen Weiterentwicklung unserer Magazine sowie der elektronischen Kanäle (von der Website über die Sozialen Medien bis zu unserer neuen Smartphone-App). Weiter ausbauen werden wir auch unser Dienstleistungsangebot im Online-Bereich,

das mit dem Agropool bereits über eine sehr gut tragende Stütze verfügt. Noch im Aufbau sind das kürzlich integrierte Stellenportal Agrarjobs und

die Direktvermarktungsplattform ­Farmerpool, weitere Dienstleistungsangebote sind in Planung.


Dabei hoffen wir auch auf Sie, liebe Leserinnen, Leser und Mitbesitzer unserer Firma. Die schöne neue Medienwelt ermöglicht ja in bisher unbekanntem Mass Zweiwegkommunikation. Ihr Feedback und ihre Beiträge auf allen Kanälen, vom Leserbrief über den Fachinput bis zu Schnappschuss und Video helfen uns, das Angebot zu Ihren Gunsten stetig zu verbessern.

Adrian Krebs

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