Nebenerwerb
Publiziert: 23.10.2016 / 12:37
Kopf um Kopf

Der Alltag von Bäuerin Marianne Brönnimann ist derzeit von der Kabisernte geprägt. 80 Tonnen erntet die Familie pro Jahr, aus den Köpfen wird leckeres Sauerkraut. 

Heute kocht Marianne Brönnimann (36) mit dem ersten eigenen Sauerkraut das Mittagessen. Die traditionelle Berner Platte muss aber noch warten: die gibt es erst im Winter. An diesem herbstlichen Septembertag wartet ein süsssaures Sauerkraut-Menü mit Ananas, Poulet und Reis. 

Den Kabis dazu hat Marianne Brönnimann in den Sommerferien mit Kindern im Rahmen des Ferienpasses eingemacht. Im Moment würde dazu schier die Zeit fehlen: Jetzt hat der Einschneidekabis richtig Saison. Weisse Köpfe zieren das Moos im Gürbetal. Heuer sei zwar erneut ein durchzogenes Kabisjahr, sagt Marianne Brönnimann. Zu nass und kalt sei der Frühling gewesen. Letztes Jahr war es ein starkes Hagelwetter, das zu einem grossen Ernteausfall führte. 

80 Tonnen pro Jahr

Dennoch jammern Marianne und ihr Mann Stefan Brönnimann nicht: der Kabis sei ein gutes Standbein, der Boden im Gürbetal optimal für den Anbau. Und besonders in diesen Wochen ist auch die Mithilfe der jungen Frau draussen gefragt: Mit grossen Messern wird Kopf um Kopf von Hand geerntet, rund fünf Tonnen auf einmal. Dann fährt Stefan Brönnimann den Kipper in die Sauerkraut-Fabrik im Dorf. 

Gut 80 Tonnen produzieren Brönnimanns jährlich. Das heisst: zwischen August und Ende November rund zwanzig Mal aufs Feld ausrücken und anschliessend in der Fabrik beim Rüsten helfen. So bleibt in diesen Wochen wenig Zeit für anderes. In der Kabissaison oder wenn Not am Manne ist, hilft Marianne Brönnimann gerne auf dem Feld oder im Stall. «Ansonsten ist bei uns die Rollenverteilung klar», sagt sie: «Mein Reich ist vor allem im Haus. Dazu gehört auch ein Teil der Büroarbeit.» 

Aktiv im Frauenverein

Bei vielen Tätigkeiten versucht sie ihre drei Mädchen Lara (8), Valerie (6) und Anita (2) miteinzubeziehen. «Die Grossen haben schon ihre Ämtli und wissen, dass es Sackgeld nicht umsonst gibt. Wir kochen und backen gerne zusammen.» Im grossen Schamottstein-Backofen haben sechs Kilogramm Brot Platz. Zum Glück: Nebst eines Backangebotes im Ferienpass gibt es einige Tage im Jahr, da backen Marianne und Schwiegermutter Kathrin Brönnimann schier rund um die Uhr. Für die Osterausstellung im Dorf stellen die beiden Frauen von Gründonnerstag bis Ostersamstag beinahe nonstopp Brot, Züpfe, Tübeli und süsse Gebäcke her. 

Auch an verschiedenen Anlässen des Frauenvereins Mühlethurnen-Lohnstorf sind die Backkünste von Marianne Brönnimann gefragt. Der Verein gehört zu ihren Hobbys. Sie engagiert sich als Vizepräsidentin und hat bereits einige junge Frauen zum Beitritt animieren können. Von Mitgliederschwund keine Rede. Das Programm ist attraktiv und vielseitig. 

«Es fägt», sagt Marianne Brönnimann. Der Zusammenhalt sei gut. Sie freue sich auf die jeweiligen Anlässe. Gemeinsame Ausflüge, vielseitige Kurse und gar ein Skitag stehen auf dem Programm. Ski fährt Marianne Brönnimann überhaupt gerne. Winterferien verbringt die Familie Jahr für Jahr im Berner Oberland. Dort bleibt für die junge Frau auch Zeit, einem weiteren Hobby zu frönen und sich in einen spannenden Roman zu vertiefen.

Verkauf ab Hofladen

Doch einstweilen ist an Ferien nicht zu denken. Erst muss der Kabis geerntet werden. Kürbisse in allen Farben, Most und natürlich Kabisköpfe laden während der Saison zum Kauf ab Hof ein. Bereits fehlt es wieder am grünen Gemüse und die junge Bäuerin holt neues auf dem Feld. 

Aufgewachsen ist Marianne Brönnimann in Wynigen, seit zehn Jahren wohnt sie in Mühlethurnen. Den Betrieb haben sie und Stefan vor acht Jahren übernommen.   

Irgendwann zurück zur Spitex

Mittlerweile arbeitet die gelernte Detailhandelsfachfrau und Hauspflegerin nicht mehr auswärts. «Ich finde es schön, zuhause sein zu können und den Kindern die Vorteile und die Werte vom Leben auf dem Bauernhof zu vermitteln zu dürfen», sagt sie. Für sie ist aber klar: es kommen wieder andere Zeiten. «Dann möchte ich zurück in meinen Beruf als Hauspflegerin bei der Spitex.» Der Austausch mit den Kolleginnen und die Wertschätzung der Klienten fehlen ihr manchmal ein wenig. 

Der Wiedereinstieg liesse sich mit dem Betrieb vereinbaren: Brönnimanns sind gut eingerichtet. Die Schwiegereltern, ab und zu gar das Urgrosi und ab nächstem Sommer auch wieder ein Landwirtschaftslehrling helfen auf dem Betrieb mit. 28 Hektaren Land, 26 Milchkühe mit Aufzucht, Ackerbau und Wald gehören zur «Mühle», so heisst der staatliche Hof mitten in Mühlethurnen.

Sandra Joder

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