Landtechnik
Publiziert: 17.12.2016 / 12:20
Kontrolliert schleudern

Ein Traktorenfahrkurs kann sich lohnen. Während dem Üben auf dem Trainingsplatz erhalten die Kursteilnehmer live Anweisungen, wie man sich in schwierigen Verhältnissen verhalten kann.

«Der Nächste!», tönt es aus dem Funkgerät im Traktor. Ich fahre los, schalte hoch, bis  in den vierten Gang, so dass ich die Zielgeschwindigkeit von etwa 25 km/h erreiche. Dann bin ich auf der glatten Piste. Das Wasser spritzt aus den Düsen am Rand und soll so einen Schnee-ähnlichen Haftwert imitieren.


Rutscht wie ein Schlitten


Plötzlich leuchten vorne, am Ende der Piste, drei Lampen auf. Das ist das Zeichen, ich stehe voll in die Eisen. Doch der Traktor hält nicht an. Nein, er rutscht wie ein Schlitten über die Fahrbahn und kommt ins Schleudern. Erst als ich die Bremse loslasse, kann ich  das Fahrzeug wieder lenken und schlussendlich ganz zum Stehen bringen. «Bravo, gut gemacht», sagt Reto Derungs, der Instruktor, durchs Mikrofon, der gleich zu Beginn mit allen Teilnehmern Duzis gemacht hat. Mein Herz klopft immer noch stark. Doch ich bin auch stolz.


Am Morgen in der Theoriestunde hatte Reto für die Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) im Schulzimmer des Verkehrssicherheitszentrums in Roggwil BE erklärt: «Heute soll die Post abgehen».

Auf dem abgesperrten Spielplatz sollen die Kursteilnehmer von «Profis fahren besser» die Physik von Traktor und Anhänger zu spüren bekommen. Mal erleben, welche Kräfte da wirken, je nach Beschaffenheit des Untergrundes sowie Grösse und Gewicht des Fahrzeuges. «Auf der Strasse kann man das ja nicht üben», äusserte auch Vreni Fuhrimann, eine Kursteilnehmerin, bevor wir mit dem Üben angefangen haben.

Anhänger ab- und anhängen


Nach dem ersten Praxisblock wird im Kursraum das Erlebte besprochen und mit der Theorie unterstrichen. Nicht nur das Fahren haben wir geübt, sondern auch, wie man einen Anhänger korrekt ab- und anhängt. Gerade die Kontrolle beim Anhängen vor dem Abfahren ist sehr wichtig. Denn ein nicht fahrtüchtiger Anhänger mit kaputtem Licht oder defekten Bremsen kann im Strassenverkehr zu schweren Unfällen führen. Dies ist nicht nur gefährlich für Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer, sondern kann auch richtig ans Portemonnaie gehen.


Man wird zum Verbrecher


So muss das Zugmaul mit automatischem Stecknagel immer geschlossen sein, auch ohne Anhänger dran. Ein Verstoss kann nicht mit einer Ordnungsbusse bestraft werden, sondern mit einer Verzeigung und kostet nicht nur eine Busse sondern auch Gerichtskosten und Schreibgebühren. Was schnell mehrere hundert Franken ausmacht. «Früher erhielten wir dafür eines hinter die Löffel, aber heute wird man schnell zum Verbrecher», fügt Reto hinzu.


Im Gegensatz zum Fahrkurs im Trainingscenter steht man im Alltag oft unter Zeitdruck. So kann es passieren, dass man wichtige Sicherheitsanweisungen ausser Acht lässt. Dagegen helfe Routine, fuhr der Instruktor fort. Wenn man sich an gewisse Abläufe gewöhne, wie zum Beispiel am Hang immer die Handbremse anzuziehen und einen Keil unter die Räder des Anhängers zu stecken, dann vergesse man es auch nicht, wenn man im Stress ist.


Auch sonst darf man die Regeln der Physik nicht ausser Acht lassen. Das Öl eines Traktors, der draussen in der Kälte gestanden hat, ist zu Beginn, beim Anlassen, noch dickflüssig. Erst wenn der Motor warm ist, wird auch das Öl warm genug, so dass die Bremsen richtig schnell reagieren können.


Die Wartung ist wichtig


Nebst dem richtigen Verhalten vor und während dem Fahren sei auch die Instandhaltung der Traktoren und Anhänger sehr wichtig. Zum Beispiel vergessen Landwirte oft, dass die Räder von Anhängern, die nicht täglich gebraucht werden, mit dem Alter spröde werden. Mit der Zeit ist der Gummi so hart, dass sich das Profil kaum mehr verkleinert. Auf der Strasse aber haben diese Pneus nur noch eine sehr geringe Haftung.


Ein gutes Vorbild sein


Zum Abschluss diskutieren die Kursteilnehmer zusammen mit Reto über häufige Unfallursachen (siehe Kasten). Alle acht Teilnehmer im Kurs, sowohl Männer wie auch Frauen, sind sich einig, dass man viele Unfälle vermeiden könnte, wenn man den Kopf einschaltet. Reto gibt uns mit auf den Weg, dass wir als Profis nun mit gutem Beispiel vorangehen sollen.


Und tatsächlich habe ich das Gefühl, dass mir dieser Kurs sehr viel gebracht hat. Nur schon weil ich jetzt weiss, wie es sein kann, auf einer glatten Strasse eine Vollbremsung zu machen.


Jasmine Baumann

Häufigste Unfallursachen


Noch immer passieren jedes Jahr unzählige Traktorenunfälle auf den Strassen, auf den Höfen und auf dem Feld. Am Ende des Kurses «Profis fahren besser», nach der Theorie und den praktischen Übungen haben die Kursteilnehmer Punkte aufgelistet mit den häufigsten Unfallursachen:


Übermut

Selbstüberschätzung

Stress, keine Zeit

Müdigkeit

Falsche Einschätzung der Situation

Keine Kontrolle vor dem Fahren

Falsch angehängt (Wagen oder Maschine)

Zu wenig Abstand

Zu hohe Geschwindigkeit

Defekte oder schlecht

gewartete Maschine, Traktor, Anhänger

Schlechte Sicht

Glatte oder rutschige Strasse

Hangneigung

jba

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