Bauernzeitung | Logo | Home
Schweiz-International
Publiziert: 17.07.2016 / 11:00
Gestüt verliert Klinik

Nach Forschungsleiter Stefan Rieder wird um weitere Pferde-Stellen gekürzt.

Agroscope spart an allen Ecken und Enden. Das an sich ist nichts Neues. Hohe Wellen hingegen wirft die Bekanntgabe derjenigen Stellen, die den Sparmassnahmen zum Opfer fallen. Jüngstes Beispiel ist die an das Nationalgestüt in Avenches VD angrenzende Klinik. Im Frühling erst wurde bekannt gegeben, dass  die Stelle von Stefan Rieder, dem Leiter des Forschungsbereichs  Nationalgestüt, gestrichen wird. Und nun wurde dem Personal der Pferdeklinik laut «Kavallo» mitgeteilt, dass sich der Bund per Anfang 2017 an diesem Institut finanziell nicht mehr beteiligen werde.

Aus heiterem Himmel

«Grundlage für den Entscheid, die Klinik von Seite Agroscope nicht länger zu betreiben, ist der Abbau der Aufgabengebiete, der seit 2014 am Laufen ist, um die Sparvorgaben des Bundes zu  erfüllen», erklärt Daniel Guidon auf Anfrage (siehe Nachgefragt). Die Klinik ist ein Teil des Schweizerischen Instituts für Pferde-
medizin (ISME), welches von Agroscope zusammen mit  der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern seit dem 1. Januar 2012 betrieben wird.

In Bern stösst der Entscheid an sich, aber auch die Art und Weise auf viel Unverständnis. Vinzenz Gerber, Leiter des ISME, ist im Vorfeld nicht über diesen Schritt informiert worden. Im Gegenteil, man habe von Seiten Agroscope immer bekräftigt, die Klinik weiterführen zu wollen. «Die Wochen vor den Kündigungen haben wir über den Vertrag zwischen Agroscope und der Vetsuisse-Fakultät für das kommende Jahr diskutiert», so Gerber, da seien die Kündigungen wie aus heiterem Himmel eingetroffen.

Die Liste ist lang

Er ist überzeugt, dass die zahlreichen Leistungen des ISME an das Nationalgestüt nicht 1:1 von einem privaten Tierarzt übernommen werden können. «Die Klinik hat sämtliche tiergesundheitlichen Aspekte der Pferde im Nationalgestüt sichergestellt.» Und die Liste ist lang: Von der einfacheren Behandlung erkrankter Pferde bis hin zu den schweren Fällen wie Koliken.

Für die Züchter wichtig sei ausserdem der Unterhalt des Bioarchivs, insbesondere für die Freibergerhengste. Ausserdem sei man bei den zahlreichen Beratungsanfragen involviert gewesen. Die Liste sei noch viel länger, führt Gerber aus. Er bezweifelt, dass alle Leistungen zum gleichen Preis von externen Dienstleistungserbringern übernommen werden können: «Wenn alles eingekauft werden muss, ist der Steuerzahler am Schluss möglicherweise kaum besser dran», vermutet Gerber.

Die Türen bleiben offen

Dass der Stellenabbau schmerzhaft ist, dafür hat Daniel Guidon Verständnis. Er ist aber überzeugt, dass die Klinik bestehen bleibt, denn sie mache bereits jetzt viele Dienstleistungen für das Gestüt und Private.
Mit diesem weiteren Abbau von Pferde-Know-how wächst die Verunsicherung bei den Gestütsangestellten. Es gebe einige, die einen Stellenwechsel in Betracht ziehen würden, so ein Insider. Ansonsten kann über die Frage, was für Auswirkungen der Entscheid für das Nationalgestüt  haben wird, zur Zeit nur spekuliert werden. Unterdessen habe Agroscope bereits wieder das Gespräch gesucht, sagt Vinzenz Gerber. Bern lässt die Tür für eine weitere Zusammenarbeit offen.   

Julia Overney

Ein Interview dazu lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der BauernZeitung.

Spannende Geschichten per E-Mail erhalten

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten aus der Landwirtschaft, unterhaltsame Videos, die neuesten Marktpreise und aktuelle Stellenangebote: Melden Sie sich jetzt kostenlos für den Newsletter an.

Ähnliche Artikel

Stiftung zur Förderung von Wohneigentum führt Energiebonus weiter

Bei der Schweizerischen Stiftung zur Förderung von Wohneigentum (SFWE) kann neu pro Wohnung ein Darlehen von max. 60‘000.- gewährt werden. Zusätzlich gibt es keine Priorisierung mehr, die Kombination von SFWE-Darlehen zusammen mit landwirtschaftlichen Investitionskrediten ist in allen Produktionszonen möglich.
17.01.2019

Zersiedelungsinitiative: Simonetta Sommaruga dagegen

Die neue Umweltministerin Simonetta Sommaruga spricht sich gegen die Zersiedelungsinitiative aus. Die Instrumente gegen die Zersiedelung seien bereits vorhanden.
17.01.2019

Ihr Beitrag wird überprüft. Beleidigende, rassistische, nicht in Schriftsprache verfasste oder nicht sachbezogene Beiträge werden gelöscht.