Nebenerwerb
Publiziert: 06.11.2016 / 06:00
Flexibel organisiert

Die Landwirtin und Pöstlerin Monika Reinhard führt den Betrieb ihrer Eltern weiter.

Wenn Monika Reinhard mit Äpfeln in der Hand zu ihrer Mutterkuhherde kommt, wissen die Tiere genau, dass nun für einige ein extra «Läckerli» anfällt. Es ist zu spüren, dass der Muni, die Kühe und die Kälber ihrer Chefin vertrauen und den Tagesablauf genau kennen.

Monika Reinhard ist zusammen mit zwei Schwestern auf dem Bauernhof Hub in Lützelflüh BE aufgewachsen. Die Schule besuchte sie im Schulhaus auf der Egg, wo einst der bekannte Dichter Simon Gfeller als Lehrer wirkte. In der Freizeit half sie ihrem Vater immer gerne auf dem Betrieb mit. «Wenn ich wählen konnte zwischen Tisch abräumen und Gras mähen, machte ich das Letztere», meint Monika Reinhard schmunzelnd.


Lastwagen fahren


Schnell war für sie darum bei der Berufswahl klar, die Landwirtschaft musste es sein. Aber nicht wie damals für Mädchen noch üblich in Küche und Garten, sondern die zwei Lehrjahre als Landwirtin. Diese absolvierte sie in Kehrsatz und in Ersigen und war auf beiden Höfen die erste Auszubildende der Lehrmeister. «Ich habe es damals super getroffen und noch heute Kontakte zu meinen Lehrbetrieben» meint Monika Reinhard rückblickend.


Angestellt auf dem elterlichen Hof besuchte sie danach in einem Winter die Handelsschule in Bern, im anderen packte sie in der Firma Kentaur Müesli ab. Weil die junge Frau Motoren liebte, war die Lastwagenprüfung eine logische Folge. In einer Logistikfirma fuhr sie später als Aushilfe mit grossen «Brummern».


Post verteilen


Das Leben von Monika Reinhard war eigentlich ausgefüllt, als der Briefträger «ins Spiel kam». Briefträger Kurt, der die Post auf die Hub brachte, suchte eine Ablösung für Ferien und Freitage. «Diese Arbeit hat mir gefallen und darum entschloss ich mich, die Lehre als Zustellbeamtin zu machen. So kann ich meine technischen Fähigkeiten gebrauchen, komme aber auch in Kontakt mit Menschen» sagt Monika Reinhard.

Sie freut sich immer auf die Arbeit im Postteam. «Wir sind keine Morgenmuffel und schon in aller Frühe guter Laune. Ich schätze die Abwechslung bei meiner Arbeit sehr und geniesse die Begegnungen. Bin ich mit meinem Dreirad in Huttwil unterwegs, gibt es lustige Episoden», stellt die Bäuerin fest.


Waldarbeit


In den Jahren vor 2006 stellte sich die Frage, wie es auf dem elterlichen Hof von Monika Reinhard weitergehen soll. Eine der Schwestern ist verheiratet, ihr Mann war aber berufsbedingt oft im Ausland. Zudem ist die Mutter von zwei kleinen Mädchen infolge einer Krankheit gelähmt. Monika Reinhard entschloss sich, den Betrieb zu übernehmen. Um den Fähigkeitsausweis zu erwerben, absolvierte sie berufsbegleitend die Bergbauernschule Hondrich.


Das Bauernhaus wurde für die Familie der Schwester hindernisfrei umgebaut. Die Betriebsleiterin hat ihr Reich im Stöckli. «Ich hatte nicht sehr Freude am Melken und suchte mehr Flexibilität, darum habe ich im 2008 auf Mutterkuhhaltung mit Anguskühen und einem Limousinstier umgestellt», sagt Monika Reinhard. Sie baut auf dem 19 ha grossen Hof in der Bergzone 1 auch etwa zwei Hektaren Dinkel an. Genutzt werden weiter 4,5 ha Wald. Die Mithilfe der Eltern und der Schwester wird sehr geschätzt.


Musik und Geselligkeit


«Vor der Übernahme des Betriebes bin ich viel gereist, so unter anderem nach Australien und Amerika. Immer wieder aber war Kanada mein Ziel, das weite Land ist meine zweite Heimat», sagt Monika Reinhard mit glänzenden Augen. Das Reisen vermisst sie im Moment etwas, aber es ist recht schwierig, eine Stellvertretung für die Mutterkuhherde zu finden.

Dafür pflegt die aktive Bäuerin Linedance als Hobby in einer Gruppe von Frauen. Musik liegt ihr im Blut, spielte sie doch auch Trompete bei der Musikgesellschaft Grünenmatt. «Ich besitze eine grosse Kollegenschaft, die mir sehr wichtig ist. Ich habe es gerne lustig und lache gerne. Mein Traum ist, nochmals nach Kanada zu reisen, aber das Wichtigste ist eine gute Gesundheit, damit ich meine schönen, befriedigenden Aufgaben alle bewältigen kann», hält Monika Reinhard dankbar fest.

Barbara Heiniger

Ähnliche Artikel

Bis das Produkt zum Kunden kann

Wertschöpfungsserie-Serie Teil 3: Der Verkauf von verarbeiteten Lebensmitteln füllt viele Ordner. Die wichtigsten Dokumente auf einen Blick.
30.03.2017

Zwischen Christbäumen und Turnhalle

Einen Ausgleich zum Hofalltag findet die sportliche Bäuerin Beatrice Hodel-Brand jeden Mittwochabend beim Volleyball.
19.03.2017
Keine Kommentare

Ihr Beitrag wird überprüft. Beleidigende, rassistische, nicht in Schriftsprache verfasste oder nicht sachbezogene Beiträge werden gelöscht.